Ob Badeurlaub oder Kulturreisen: die Türkei ist bei Touristen äußerst beliebt. 5,2 Millionen Deutsche besuchten das Land bereits in den ersten neun Monaten dieses Jahres. Damit liegt die Türkei unter den beliebtesten ausländischen Urlaubszielen auf Platz drei, nach Spanien und Italien. Aber nach dem Tod einer Hamburger Familie in Istanbul wächst die Verunsicherung bei vielen Urlaubern: Welche Risiken gibt es – und wie kann man sich schützen?
Istanbul ist ein Touristenmagnet. 23 Millionen Urlauber besuchten die Metropole am Bosporus im vergangenen Jahr und gilt als die meistbesuchte Stadt der Welt. Die Istanbuler Altstadt mit der Hagia Sofia, der Blauen Moschee und dem Großen Basar spiegelt 2700 Jahre Geschichte und die Einflüsse zahlreicher Kulturen wider. Im Altstadtviertel Fatih bezog auch die Familie aus Hamburg am 9. November ihr Hotel. Alle vier starben zwischen dem 13. und 17. November.
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Türkischen Medien zufolge ergab die Obduktion, dass die Familie durch das Giftgas Phosphin starb. Es entsteht, wenn das Schädlingsbekämpfungsmittel Aluminiumphosphid mit Feuchtigkeit in Berührung kommt. Für eine Phosphin-Vergiftung durch das Versprühen eines Mittels gegen Bettwanzen seien „stichhaltige Beweise“ gefunden worden, schrieb das Nachrichtenportal T24.
Tot durch Vergiftung: Dramatische Fälle schon in der Vergangenheit
Da die in Deutschland lebende türkische Familie auch an einem Imbiss im touristisch geprägten Stadtviertel Ortaköy direkt am Bosporus gegessen haben soll, wurde zunächst eine Lebensmittelvergiftung vermutet. Die Familie wurde dann ins Krankenhaus gebracht, doch alle Hilfe kam zu spät. Wenige Tage nach den Kindern (3 und 6) sowie der Mutter war auch der Vater im Krankenhaus verstorben. Das Hotel wurde nach dem Vorfall geschlossen, elf Verdächtige wurden festgenommen.
Das traurige Geschehen ist kein Einzelfall: Ein Unternehmer klagt laut Medienberichten in der Nacht auf den 19. November im Hotel über Schweißausbrüche und Atemnot, wird in ein Krankenhaus gebracht und verstirbt dort. Laut der Nachrichtenagentur DHA reiste er aus Deutschland in die Türkei. Die Hintergründe seines Todes sind noch völlig unklar. Sein Hotel befand sich in fußläufiger Nähe zu dem Hotel der Hamburger Familie. Es liegt im historischen Zentrum der Stadt, wo jährlich Hunderttausende Touristen unterkommen. Die Besitzer sagen laut Medienberichten, es habe keine Schädlingsbekämpfung in jüngster Vergangenheit gegeben.
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Drama um Dreijährigen: offenbar dieselbe Schädlingsbekämpfungsfirma
Zwei Tage später wurden zwei niederländische Geschwister mit Vergiftungserscheinungen aus ihrem Hotel in Fatih ins Krankenhaus gebracht. Bereits im November 2024 war eine deutsche Erasmusstudentin in Istanbul gestorben – vermutlich auch durch ein Schädlingsbekämpfungsmittel gegen Bettwanzen.
In diesem Jahr machte auch dieser Fall betroffen: Ein drei Jahre alter Junge starb im April, nachdem in der Nachbarwohnung eine Schädlingsbekämpfung durchgeführt wurde. Es soll sich um dieselbe Firma handeln, die im Hotel der Hamburger Familie im Einsatz war. Ob das beauftragte Schädlingsbekämpfungsunternehmen in Istanbul in der Nachbarwohnung des Jungen und in dem betroffenen Hotel alle geltenden Regeln eingehalten hat, ist bislang unklar.

Auswärtiges Amt warnt vor weiteren Gefahren in der Türkei
Ungeziefer ist wegen mangelhafter Müll- und Abwasserentsorgung in der Istanbuler Altstadt ein chronisches Problem. Offenbar ist die Anwendung von Schädlingsbekämpfungsmitteln nicht immer fachgerecht. Schützen kann man sich vor solchen Gefahren kaum. Aber man sollte bei der Wahl des Hotels vorsichtig sein. Und beim geringsten Anzeichen einer Vergiftung ärztliche Hilfe suchen. Symptome können laut Experten etwa Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, aber im weiteren Verlauf auch schwere Herz-Kreislauf-Störungen sein.
Ein besonders hohes Risiko besteht laut AA aber durch gepanschten Alkohol. Wegen hoher Steuern werden Spirituosen häufig mit billigem Methanol statt des üblichen Ethanols hergestellt. Schon geringe Mengen Methanol können tödlich sein. Anfang Januar starben dadurch in Istanbul 34 Menschen; im März 2009 drei Berufsschüler aus Lübeck auf einer Klassenfahrt im südtürkischen Kemer. Und im Mai 2011 starben fünf russische Reiseleiterinnen, nachdem sie bei einer Bootstour an der türkischen Riviera mit Methanol versetzte Cocktails getrunken hatten.
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Und es gibt noch eine weitere Gefahr, die Einwohner wie Besucher auf Schritt und Tritt begleiten, so warnt das Auswärtige Amt: Erdbeben. Am 23. April erschütterte ein Beben der Stärke 6,2 die Millionenmetropole am Bosporus. 236 Menschen wurden verletzt. Der heftige Erdstoß erinnerte die 16 Millionen Istanbuler daran, dass ihre Stadt in einer hochaktiven Erdbebenzone liegt.
In Istanbul treffen zwei tektonische Platten aufeinander, die eurasische und die anatolische. Wissenschaftler erwarten für die Region ein schweres Beben mit katastrophalen Folgen. Der japanische Erdbebenexperte Yoshinori Moriwaki sagte dem Sender „Haber Türk“, dass bei einem sehr starken Beben bis zu 50 Prozent der Gebäude in Istanbul einstürzen könnten. Anzeichen für ein unmittelbar bevorstehendes Beben sehen die meisten Experten zwar nicht. Einig sind sie sich jedoch: Es wird kommen. Wann, bleibt ungewiss.
Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes haben wir geschrieben, dass „Spirituosen häufig mit billigem Methanol statt des üblichen Methylalkohols hergestellt“ werden. Tatsächlich muss es an dieser Stelle „Ethanol“ statt „Methylalkohol“ heißen. Wir haben den Fehler korrigiert.




