- Immer wieder erschüttern schwere Erdbeben die Türkei
- Dabei besonders gefährdet ist die Millionen-Metropole Istanbul
- Experten warnen: Dort könnte es zur Katastrophe kommen
Ganze Wohnblocks, von denen nur Schutthaufen übrig sind und Retter, die in den Trümmern verzweifelt nach Verschütteten suchen – die Bilder von der Erdbebenkatastrophe, die im Februar 2023 den Südosten der Türkei erschütterte, sind unvergessen. Nun hat erneut ein schweres Erdbeben der Stärke 6,1 das Land heimgesucht, diesmal den Westen und vor allem die Provinz Balikesir. Aber auch in Istanbul waren die Erschütterungen zu spüren.
Nach vorläufigen Angaben der Behörden gebe es weder Opfer noch Schäden. Doch vor allem in der 16-Millionen-Metropole Istanbul sind die Menschen einmal mehr verunsichert. Denn seit Jahren warnen Experten, dass der Stadt ein Mega-Beben drohe – mit womöglich katastrophalen Auswirkungen.
Erdbebenforscher ist sich sicher: Mega-Beben in Istanbul ist überfällig
„Wir rechnen mit einem starken Beben in dieser Region, schon seit langem ist es überfällig“, sagte der Erdbebenforscher Oliver Heidbach schon im April dem Sender WELT-TV. Bereits 1509 und 1756 habe es in Istanbul starke Beben gegeben, daher könne man alle 250 Jahre von einem weiteren Starkbeben ausgehen, so der Experte.
Lesen Sie auch
Geologen sagen seit Jahren ein Erdbeben der Stärke 7,1 bis 7,7 im Großraum Istanbul voraus. Es könne sich in zehn oder 20 Jahren ereignen – oder schon morgen. Sicher ist: Die Katastrophe wird kommen. Auch der Erdbebenforscher Naci Görür glaubt nicht, dass es bei kleineren Beben bleibt. Das Hauptbeben werde noch kommen, schrieb er im Frühjahr 2025 auf der Plattform X. Es könnte verheerende Folgen haben. Der türkische Städtebauminister Murat Kurum nannte vor einigen Monaten aktuelle Zahlen: Demnach gelten 1,5 Millionen Wohnungen und Gewerbeeinheiten als erdbebengefährdet.
Erbeben in der Türkei: Geologen warnen seit Jahren vor Mega-Beben
Die Stiftung für urbane Transformation (Kentsev) befand bereits 2023 in einer Studie, dass bei einem starken Beben 491.000 der 1,2 Millionen Gebäude in Istanbul betroffen sein könnten. Etwa 13.000 Bauten könnten völlig einstürzen, weitere 39.000 schwere Schäden davontragen. Wie viele Todesopfer ein solches Beben fordern wird, hängt wesentlich von der Tageszeit ab, zu der es sich ereignet. Schätzungen sprechen von 40.000 bis 100.000 Toten.

Aufgeschreckt hatte die Fachleute vor allem ein Beben, das sich am 23. November 2022 bei Düzce ereignete, 200 Kilometer östlich von Istanbul. Das Erdbeben von Düzce sei „eine furchtbar schlechte Nachricht“, sagte der Geologe Celal Sengör damals. Sengör ist einer der bekanntesten türkischen Geologen und lehrte bis zu seiner Emeritierung als Professor an der Technischen Universität Istanbul (ITÜ). Auch international genießt der Forscher in Fachkreisen großes Ansehen. Er ist unter anderem Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Ehrendoktor der Universität Neuchâtel.
Auch spannend: Warnsystem erkennt Tsunamis – im Notfall bleiben nur 15 Minuten
Umso beunruhigender ist, was er 2023 dem Sender Habertürk sagte: „Ich warne Istanbul!“ Sengör sieht in dem Beben von Düzce den Vorboten eines weitaus heftigeren Erdstoßes, der die Stadt am Bosporus treffen könnte. Dies sei „vielleicht die letzte Chance einer Warnung“, sagte Sengör. Dem Habertürk-Moderator Fatih Altayli, der ihn interviewte, empfahl er: „Ziehen Sie weg aus dem Zentrum Istanbuls!“
Erdbeben wecken böse Erinnerungen an vergangene Katastrophen
Erdbeben sind in der Türkei buchstäblich ein alltägliches Phänomen. Jeden Tag werden etwa 30 Erdstöße registriert. Die meisten sind nur für empfindliche Messgeräte wahrnehmbar. Die heftigen Beben der letzten Zeit wecken jedoch bei den Erwachsenen böse Erinnerungen an den 17. August 1999. Damals erschütterte ein Erdbeben der Stärke 7,6 die Industriestadt Izmit. Über 17.000 Menschen kamen ums Leben. Das Beben, dessen Epizentrum 80 Kilometer von Istanbul entfernt war, brachte auch in der Bosporusmetropole hunderte Gebäude zum Einsturz. 981 Menschen starben.
Lesen Sie auch
In der Folge waren neue Notfallpläne ausgearbeitet worden. So wiesen die Behörden in Istanbul Flächen aus, auf denen im Katastrophenfall Sammelstellen für Rettungsgerät und Hilfsgüter eingerichtet sowie Zeltstädte für Obdachlose gebaut werden sollen. Aber Istanbuls Oberbürgermeister Ekrem Imamoglu von der Oppositionspartei CHP wirft der Regierung von Staatschef Recep Tayyip Erdogan vor, sie habe viele dieser Grundstücke in den vergangenen Jahren zur Bebauung freigegeben. Auch das Erdbeben 2023 hatte Zehntausende Tote in der Türkei und Syrien gefordert.








