• Das Giftgas Phosphin ist Berichten zufolge für den Tod der Hamburger Familie verantwortlich
  • Die Familie war zuvor mit Symptomen in einem Krankhaus in Istanbul eingeliefert worden
  • Ein Mediziner erklärt Gefahren und Anzeichen von einer Vergiftung mit Phosphin

Für die Hamburger Familie sollte es ein schöner Urlaub in Istanbul werden, doch er endete in einer Tragödie: Nur wenige Tage nach ihrer Ankunft kamen alle vier Familienmitglieder mit Übelkeit und Erbrechen sowie Bewusstseinsstörungen ins Krankenhaus. Trotz intensivmedizinischer Behandlung überlebte niemand von ihnen. Die 27-jährige Mutter und ihre zwei Kinder im Alter von drei und sechs Jahren waren zuerst verstorben. Wenige Tage später starb schließlich auch der 38-jährige Familienvater, nachdem er zuvor im Krankenhaus intubiert werden musste.

Zunächst hatten die Behörden eine Lebensmittelvergiftung vermutet. Mittlerweile hat der Obduktionsbericht mehreren Medien zufolge eine Vergiftung mit dem Giftgas Phosphin als Todesursache bestätigt. Für eine Phosphin-Vergiftung seien „stichhaltige Beweise“ gefunden worden, schrieben das Nachrichtenportal T24 und das private Sendernetzwerk Halk TV am Dienstag unter Berufung auf das Dokument.

Alle News zum Fall lesen Sie hier: Familie stirbt in Istanbul: Obduktion bestätigt schlimmen Verdacht

Um welche Chemikalien soll es sich handeln?

Laut türkischen Medienberichten wurden im Hotel, in dem die Familie aus Hamburg wohnte, ein Mittel zur Bekämpfung von Bettwanzen versprüht und zwar in einem Zimmer im Erdgeschoss des Hotels. Dieses Mittel soll über einen Badezimmerlüfter in das Zimmer der Familie im ersten Stock gelangt sein, so die Theorie der Ermittler. Das Hotel wurde am Samstag evakuiert, nachdem zwei weitere Hotelgäste mit ähnlichen Beschwerden ins Krankenhaus gebracht worden waren. Am Sonntag wurde es dann von den Behörden geschlossen. Die türkischen Behörden haben bereits bestätigt, dass es sich bei der eingesetzten Chemikalie im Hotel um Aluminiumphosphid handelt. Die Chemikalie ist ein hochgiftiges Schädlingsbekämpfungsmittel, das etwa gegen Bettwanzen und Ratten eingesetzt wird.

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Wie gefährlich ist Aluminiumphosphid für Menschen?

„Wenn Aluminiumphosphid mit Feuchtigkeit in Kontakt kommt, wird Phosphorwasserstoffgas freigesetzt. Dieses ist hochtoxisch und wirkt im Körper wie ein Zellgift“, erklärt Dr. Cihan Çelik, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie und Sektionsleiter am Klinikum Darmstadt, die Auswirkungen der Chemikalie.

Die Vergiftung beginne mit Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und könne schnell zu schweren Herz-Kreislauf-Störungen sowie Multiorganversagen führen. „Aluminiumphosphit ist besonders tückisch, da es nicht unangenehm chemisch riecht. Sein Geruch wird oft mit Knoblauch oder Fisch verglichen. Von dieser Substanz geht also kein sicheres Warnsignal aus“, erläutert der Facharzt.

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Gibt es ein Gegenmittel?

Gegen Aluminiumphosphit gebe es kaum Rettung, „denn es gibt kein Antidot, also kein Gegenmittel“, erklärt Dr. Cihan Çelik. Das Einzige, was man tun könne, ist es, so schnell wie möglich mit intensivmedizinischen Maßnahmen zu beginnen: „Es geht dann darum, die Körperfunktionen so gut wie möglich zu sichern und die Organe, wie das Herz und die Lunge zu schützen.“ Das Risiko sei jedoch sehr groß, dass auch die lebenserhaltenden Maßnahmen den Betroffenen nicht retten.

Darf Aluminiumphosphid in Hotels in der Türkei eingesetzt werden?

In Hotels gilt in der Türkei wie auch international eine strenge Gefahrstoff- und Arbeitsschutzregelung. Wie „CNN Türk“ berichtet, ist der Einsatz von Aluminiumphosphid in öffentlich zugänglichen Bereichen in der Regel stark eingeschränkt oder verboten, insbesondere in bewohnten Gebäuden, Unterkünften und Bereichen, wo Gäste anwesend sind. Ob das Schädlingsbekämpfungsunternehmen aus Istanbul, das im betroffenen Hotel im Einsatz war, sich an alle Regelungen gehalten hat, ist bislang nicht bekannt.

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Wird Aluminiumphosphid auch in Deutschland eingesetzt?

Ja, Aluminiumphosphid ist in Deutschland zugelassen und wird vor allem zur Schädlingsbekämpfung in der Landwirtschaft und bei der Lagerung von Getreide eingesetzt, um Vorratsschädlinge wie Kornkäfer zu bekämpfen. In Hotels wird das Mittel jedoch nicht eingesetzt. „In Deutschland gelten für die Verwendung von Desinfektionsmitteln strenge rechtliche Vorgaben. Die Industrie hat zudem Wirkstoffe und Bekämpfungsmittel entwickelt, die ohne kritische Belastung der Umwelt und ohne Gefahr für die Gesundheit von Mensch und Haustier angewendet werden können“, sagt Eric Hattke, stellvertretender Pressesprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands e.V.