So, ist jetzt Schicht? Schluss mit Südwestfalen? Macht jede Stadt bald wieder ihr eigenes Ding? 59 Kommunen, 59 Einzelgänger? Oder bleiben alle zusammen? Mit dem Ende des Strukturförderprogramms „Regionale 2025“, das Investitionen in Höhe von rund 140 Millionen Euro, zahlreiche zukunftsweisende Projekte und innovative Ideen in Südwestfalen ermöglicht hat, stellt sich nun die Frage: Wie geht es weiter? Zieht die Region, die sich vor gut 20 Jahren unter der Dachmarke Südwestfalen zusammengeschlossen hat, auch zukünftig an einem Strang? Gibt es einen gemeinsamen südwestfälischen Weg? Und wenn ja: Wie wird diese Zusammenarbeit dann organisiert?

Auf diese Fragen suchten gut 200 Männer und Frauen aus Wirtschaft, Politik, Bildung, Tourismus und anderen gesellschaftlichen Gruppen beim Südwestfalen-Konvent in Iserlohn Antworten. Leitmotiv des Tages: „Unsere Region. Unsere Zukunft. Unsere Verantwortung.“

Südwestfalen Konvent
Ralf Schwarzkopf, Landrat des Märkischen Kreises: Ins Handeln kommen!© IKZ | Axel Duhr

Fest steht: In Zukunft werden deutlich weniger Fördermittel aus Düsseldorf, Berlin und Brüssel nach Südwestfalen fließen. Manche Quellen dürften sogar komplett versiegen. Gleichzeitig müssen die fünf Kreise als Gesellschafter der Südwestfalen-Agentur sparen; sie organisiert quasi das regionale Miteinander. Dass die Kreise die Agentur - wie geplant - in Zukunft mit jeweils 200.000 Euro pro Jahr unterstützen, ist längst nicht ausgemacht. Noch haben die Kreistage nicht entschieden, ob sie den Geldhahn auf- oder zudrehen. 600.000 Euro soll der Verein Wirtschaft für Südwestfalen als weiterer Gesellschafter beisteuern; er hat mittlerweile rund 450 Mitglieder. Macht unter dem Strich 1,2 Millionen Euro. Folge: Die Südwestfalen-Agentur wird schrumpfen, die Zahl der Mitarbeiter sinken.

Ruf der Industrieregion in Gefahr

Aber nicht nur die Agentur als Organisation steht zur Debatte, sondern das Konstrukt Südwestfalen an sich. Johannes Huxol, Vorsitzender des Vereins Wirtschaft für Südwestfalen, sieht die Region an einem „Scheideweg“. Der Prozess der Abwanderung von Arbeitsplätzen beschleunige sich und vollziehe sich vor allem im Mittelstand schleichend - ohne große Schlagzeilen. Der Ruf als Industrieregion stehe auf dem Spiel. Erstes Ziel des südwestfälischen Weges müsse es daher sein, die Wirtschaft zu stärken, fordert der Trilux-Manager. Von den Kreisen verlangt er mehr Anstrengungen beim Bürokratieabbau; Doppelstrukturen und nicht klar zu trennende Förderprogramme sind ihm ein Dorn im Auge. Und überhaupt: Es müsse jetzt mal weniger geredet und mehr gehandelt werden. Kopfnicken im Saal.

Zunächst wird aber doch noch ein bisschen geredet. Nämlich über Prioritäten. Über die Schwerpunkte des südwestfälischen Weges. Also über Wirtschaft, Arbeit, Natur, Landschaft, Energie, Wohnen, Mobilität, Versorgung, Bildung, Kultur. Weil das ganz schön viele Themen sind, sollen jetzt alle, denen die Zukunft Südwestfalens ein Anliegen ist und die man neudeutsch als Stakeholder bezeichnet, festlegen, was ihnen auf dieser Liste besonders wichtig ist. „Wir müssen uns jetzt auf die wichtigen Themen konzentrieren“, sagt Ralf Paul Bittner, Bürgermeister von Arnsberg. Olaf Arndt vom Beratungsunternehmen Prognos warnt eindringlich: „Die 59 Kommunen dürfen sich nicht wieder im Klein-Klein verheddern.“ Vielmehr seien regionale Kooperationskonzepte gefragt.

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Zahlreiche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister nahmen am Südwestfalen-Konvent in Iserlohn teil. © IKZ | Axel Duhr

Und Ralf Schwarzkopf, Landrat des Märkischen Kreises, wirft sich auf der Bühne schon mal für den Bereich Energie in die Bresche. Die Region sei voll von energieintensiven Unternehmen, gleichzeitig boome die Windenergie, das müsse sich doch irgendwie kombinieren lassen. Und ja, man müsse „jetzt endlich ins Handeln kommen“. Kopfnicken im Saal.

Alle hier sind sich einig, dass Südwestfalen in den vergangenen zwei Jahrzehnten gemeinsam viel erreicht hat, sich als Marke in allen Teilen Deutschlands etabliert hat. Und wenn die Präsidentin der Hochschule Hamm-Lippstadt, Prof. Dr.-Ing. Kira Kastell, anmerkt, dass der Wissenstransfer zwischen den 59 Kommunen ausbaufähig sei, dann ist das keine grundsätzliche Kritik, sondern ein Detail. Das Miteinander der fünf Kreise sei ein Erfolgsmodell, betonen Marie Ting, Stephanie Arens und Hubertus Winterberg von der Südwestfalen-Agentur und formulieren den Claim für die Region: „Starke Wurzeln, klare Visionen.“ Bisher ist der südwestfälische Weg kein Holzweg, jetzt müssen die Visionen Gestalt annehmen.