Atmosphärenforscher haben Anzeichen für ein umfangreiches Treibhausgasleck in Baden-Württemberg gefunden. Nach Recherchen von „Spiegel“ und ZDF gehen Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt davon aus, dass ein Chemiewerk des belgischen Solvay-Konzerns im Kurort Bad Wimpfen die erhöhten Messwerte verursacht haben könnte.
Das Unternehmen weist die Anschuldigungen laut Bericht zurück. Am Solvay-Standort im Landkreis Heilbronn verwies man auf die Pressestelle in Belgien, von der bis zum Nachmittag jedoch keine Antwort einging.
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Werk stößt offenbar massenhaft Schwefelhexafluorid aus
Laut der Untersuchung könnten aus dem Werk deutlich mehr des extrem klimaschädlichen Gases Schwefelhexafluorid (SF6) entweichen als bisher bekannt. Während Solvay für 2023 nur 56 Kilogramm SF6 gemeldet habe, berechneten die Forscher im Durchschnitt der Jahre 2020 bis 2023 rund 30 Tonnen jährlich für die Region.
SF6 gilt als eines der klimaschädlichsten Gase überhaupt. Es ist farb- und geruchlos, für Menschen ungiftig. Die globale Emission liege bei 8.000 Tonnen, von denen circa 5.000 Tonnen aus China kommen, so Atmosphärenforscher Andreas Engel von der Goethe-Universität in Frankfurt/Main. Deutschlandweit liege die Emission bei 100 Tonnen jährlich.
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Umweltministerium wird aktiv
Die baden-württembergische Landesregierung bestätigt auf Anfrage, dass ihr die Untersuchungen bekannt seien. „Die Behörden des Landes haben sie aufgegriffen und sind auf den mutmaßlichen Verursacher der Emissionen zugegangen mit dem Primärziel, die Emissionen schnellstmöglich abzustellen“, teilte das Umweltministerium in Stuttgart mit. Entsprechende Maßnahmen und auch rechtliche Anordnungen seien inzwischen erfolgt. Die Anordnungsbehörde sei in diesem Fall das Regierungspräsidium Stuttgart.
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Solvay ist nach eigenen Angaben der einzige Hersteller von SF6 in Europa. Der Chemiekonzern erklärte, man habe „alle notwendigen, wissenschaftlich fundierten Maßnahmen“ getroffen, um die Situation zu bewerten und zu überwachen. Wie viel SF6 das Unternehmen tatsächlich ausstoße, ließ die Firma offen. Neue Messwerte sollten laut Umweltministerium bald kommen.
lro/dpa




