Das dritte Rezessionsjahr in Folge scheint abgewandt zu sein. Ein Wachstum um 0,2 Prozent sagt der Sachverständigenrat, die sogenannten Wirtschaftsweisen, der deutschen Wirtschaft für das laufende Jahr voraus, ehe es 2026 ein Plus von 0,9 Prozent geben soll. Ein Grund zur Freude? Mitnichten.

Die deutsche Wirtschaft hinkt im internationalen Vergleich weiterhin deutlich hinterher. Sprudelnde Gewinne werden anderswo eingefahren. Größere Investitionen in Deutschland sind mittlerweile eine Schlagzeile, getreu dem Motto: Sehr her, hier wagt aber mal jemand richtig was, an diesem Standort. All das läuft dem Selbstverständnis der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt zuwider.

Tobias Kisling / Funke Mediengruppe
Tobias Kisling, Wirtschaftskorrespondent© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Mini-Wachstum ist teuer erkauft

Besonders bitter: Das Mini-Wachstum ist teuer erkauft. 500 Milliarden Euro zusätzliche Schulden hat sich die schwarz-rote Regierung noch vor Beginn ihrer Amtszeit genehmigt. Eigentlich, um die marode Infrastruktur fit zu machen. Ein sinnvolles Vorhaben, schließlich ist eine funktionierende Infrastruktur nicht nur essenziell für funktionierende Lieferketten, sie löst auch private Investitionen aus. Soweit die Theorie.

Auch interessant

In der Praxis werden bereits fleißig Milliarden hin und hergeschoben, um Haushaltslöcher zu stopfen, damit sich die Koalition teure Lieblingsprojekte – Stichwort: Mehrwertsteuersenkung in der Gastronomie – genehmigt. Und der Herbst der so dringend benötigten Reformen? Der fällt vorerst aus. Stattdessen gibt es gut klingende Gipfel ohne substanzielle Ergebnisse, Arbeitskreise und Kommissionen. All das schafft Zeit, um sich vor unangenehmen Entscheidungen zu drücken. Nur profitiert von dieser geschaffenen Zeit niemand – am wenigsten die deutsche Wirtschaft.