Hans-Werner Koch

„Man ist in diesem Amt sehr allein”

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Herdecke. Nein, einen offiziellen Abschied wünscht er sich nicht. Dankesworte im Rat oder gar einen stilvollen Amtwechsel im Rathaus - schon gar nicht. Hans-Werner Koch (60), noch amtierender Bürgermeister der Stadt Herdecke, wird am 21. Oktober geräuschlos seinen Umzug ins Private gestalten.

„Alles andere ist nicht mein Ding”, sagt er. Soll man das glauben, dass da kein bisschen Bitternis mitschwingt, dass ein gestandener Sozialdemokrat nach 43 Dienstjahren, davon elf Jahre als 1. Beigeordneter und weitere zwölf als Bürgermeister, so still und leise privatisiert?

Man muss wohl, und doch, wenn man ganz genau hinhört, gab es da vor gut einem Jahr die Sorge um den Gemeinnützigen Verein für Sozialeinrichtungen, der wegen finanzieller Probleme einen Notlagen-Tarifvertrag abschließen musste. Der Bürgermeister erinnert sich: „Da habe ich gekämpft um jeden einzelnen Arbeitsplatz und musste mir trotzdem herbe Kritik im Rat anhören.”

Und doch: Die Bindung zur Basis, zum normalen Alltag mag der eine oder andere (Parteifreund) bei Koch vermisst haben. Mit „abgehoben” oder auf „Wolke sieben schwebend” würde man ihm aber Unrecht tun, selbst wenn Kochs Eigenbefund sich so anhört: „Man ist in diesem Amt sehr allein und immer wieder fremdbestimmt.”

»Habe schon 2004 angekündigt, nicht mehr zu kandidieren«

Das alles und manches mehr betrachtet - da mag Hans-Werner Koch sich keine guten Worte mehr zu seinem Abschied sagen lassen. Und zur Aufstellung von Renate Drewke als Bürgermeister-Kandidatin (die bei der Wahl dann desaströs verlor) fällt Koch dies ein: „Ich habe meinen Genossen schon 2004 mitgeteilt, dass für mich eine neuerliche Kandidatur nicht in Frage kommt.” Da hätten die Genossen eben viel Zeit gehabt, sich über seine Nachfolge Gedanken zu machen. Nach wie vor stehe er als Mitglied der damaligen „Findungskommission” zur „Entscheidung Drewke”, „aber ob das ausreichend in die Basis der Partei hineingetragen wurde - das ist eine ganz andere Frage.”

Nachtragen oder nachkarten will Koch aber nicht. Er begnügt sich mit einem Blick auf diese Stadt, die ihm am Herzen liegt, die er gut aufgestellt sieht: „Herdecke verfügt über eine gute Infrastruktur, über eine bemerkenswerte Aufenthaltsqualität, wir haben geringere Finanzprobleme als andere vergleichbare Städte, und bei uns findet niemand geheime Haushaltslöcher im Keller.”

Sicher, die weltweite Finanzkrise werde auch Herdecke nicht ungeschoren lassen, der 50-Millionen-Etat der Stadt werde in die Haushaltssicherung rutschen und mit Restriktionen der Kommunalaufsicht, mit einem geringerem Einkommensteuer-Anteil, aber mit einer höheren Kreisumlage rechnen müssen. Dennoch: „Wir haben nicht unser Tafelsilber verkauft, uns gehört zum Beispiel noch die HGWG.” Und von obskuren Derivat-Geschäften habe man die Hände gelassen.

Hans-Werner Koch zieht also für sich und „meine Mannschaft” eine vorzeigbare Bilanz, zumal sich in der Stadt noch viel bewege: „Da ist der Bleichstein mit seinem neuen Kunstrasenplatz, wir erweitern die Feuerwache, die neue Ender Mitte kann sich sehen lassen, genauso wie der neue Stiftsplatz oder das Bürgerbüro.”

»Nicht geschafft, Straßenverkehrsamt anzusiedeln«

Alles gelungen also? Nicht ganz, sagt Koch: „Ich habe es nicht geschafft, die Aufgaben eines Straßenverkehrsamtes im Rathaus anzusiedeln.” Da müssen die Bürger weiter nach Schwelm oder Witten zur Anmeldung eines Kfz fahren.

Doch auch bei den wirklich großen Projekten ist Koch nicht so weit nach vorn geraten, wie er es sich gewünscht hätte. Die Entwicklung des Westfalia-Geländes zum neuen „Stadtquartier an der Ruhr” stockt. „Die Finanzkrise war da sicherlich nicht förderlich und hat die Finanzierung für den Investor erschwert”, analysiert Koch. Und die Entwicklung bei Hertie habe ein Übriges dazu getan: Mit dem Umbau des ehemaligen Kaufhauses gehen möglicherweise Ankermieter fürs Stadtquartier verloren, auf jeden Fall aber verschiebt sich der Zeitplan nach hinten.

Und dann das Wohnprojekt „Ladestraße” mit Busanbindung an den Bahnhof. Hier ist ein Investor noch nicht gefunden (derzeit befindet sich der Bebauungsplan in Änderung), ganz zu schweigen von der noch von Rot-Grün verabschiedeten Busanbindung über Lade- und Bahnhofstraße. Und ganz zu schweigen vom Eisenbahn-Bundesamt, dass für so manche zeitliche Verzögerung verantwortlich sei.

Sei's drum: Im Blick nach vorn bleibt Koch natürlich seiner langen sozialdemokratischen Tradition treu, will aber in Zukunft nicht als „Besserwisser” auftreten und schon gar kein Amt in der Partei anstreben.

Da nimmt Hans-Werner Koch sich lieber etwas mehr Zeit sich und seine Frau, für seine Leidenschaft als Hobbykoch und Rotwein-Liebhaber, vielleicht auch für sein Motorrad: „Da muss ich aber erst meine Frau fragen, ob ich das behalten darf.”

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