Demonstration

Über 400 türkische Nationalisten marschierten durch Dortmund

Bei der Demo der türkischen Nationalisten in Dortmund blieb es weitgehend friedlich.

Bei der Demo der türkischen Nationalisten in Dortmund blieb es weitgehend friedlich.

Dortmund.   Hunderte türkische Nationalisten demonstrierten in der Dortmunder City. Die ursprünglich angefragte Demo-Strecke hatte die Polizei abgelehnt.

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Etwa 430 türkische Nationalisten haben am Sonntag in Dortmund demonstriert. Die Kundgebung verlief nach Polizei-Angaben ohne größere Zwischenfälle. Drei Teilnehmer wurden in Gewahrsam genommen. Zusätzlich erteilte die Polizei mehrere Platzverweise und leitete Strafverfahren wegen Verstoßes gegen das Versammlungsgesetz ein. Sichergestellt wurden unter anderem Messer, Baseballschläger, ein Elektroschocker und ein Schlagstock.

Die Demonstration fand in der Innenstadt statt. Zeitweilig kam es zu Verkehrsbehinderungen. Ursprünglich hatten die Demo-Anmelder eine andere Strecke ins Auge gefasst, die von der Polizei jedoch abgelehnt wurde: "Da mit dem Verein 'Turan e.V.' eine nationalistisch-faschistisch geprägte Gruppierung die hauptsächlichen Teilnehmer der Demonstration stellt, war es uns besonders wichtig, keinen Aufzug durch die Nordstadt zuzulassen", heißt es in der Presseerklärung. Eine rechtliche Grundlage für ein Verbot der Demonstration habe es nicht gegeben.

Nähe zu "Grauen Wölfen"

Die Gruppierung selbst existiert vermutlich seit 2015. Die Anhänger treten rockerähnlich auf und werden ideologisch als türkische Rechtsextreme verortet. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke hervor. Dort heißt es unter anderem: "Ideologisch orientiert sich 'Turan e. V.' an der rassistisch-nationalistischen, rechtsextremistischen Ülkücü-Ideologie, die das Türkentum als überlegene Rasse versteht und alles Türkische überhöht. Der Begriff Turan ist ein zentraler Terminus der Ülkücü-Ideologie und bezeichnet ein fiktives Land, in dem alle Türken und Turkvölker zusammenleben sollen. Je nach Auslegung umfasst dieses Land Turan ein Gebiet vom Balkan (...) bis nach China oder sogar Japan.“

Im aktuellen Verfassungsschutzbericht NRW 2015 findet sich die Gruppierung nicht. Ihm zufolge gibt es in NRW rund 2000 Ülkücü-Anhänger, die auch "Graue Wölfe" genannt werden.

Erstmals in NRW größer in Erscheinung getreten ist die Gruppe am letzten Märzwochenende 2016 in Duisburg. Mehr als 350 Anhänger zogen laut Polizeibericht durch den dortigen Stadtteil Hochfeld. Dabei kam es auch zu Auseinandersetzungen mit Kurden. (red/mit dpa)

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