Strukturwandel

Wissenswertes und Zahlen zum neuen Phoenixsee

Eine Orientierung für den Phoenixsee.

Eine Orientierung für den Phoenixsee.

Foto: WAZ

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Dortmund. Vier Kilometer von Dortmunds City entfernt zeigt sich am Phoenixsee der Strukturwandel im Ruhrgebiet. Hier gibt es alles Wissenswerte zu dem Gewässer, das neues Leben, Arbeiten und Wohnen auf der der früheren Stahlindustriefläche bringt.

Hunderte Bauarbeiter bewegten in den vergangenen Jahren mehrere Millionen Kubikmeter Erde und Stahlbeton im Dortmunder Süden. Wofür? Für den Phoenixsee, eines der größten Stadtentwicklungsprojekte in Europa. Nur ca. vier Kilometer von Dortmunds Zentrum entfernt ist der Strukturwandel so offensichtlich wie an wenigen anderen Stellen im Ruhrgebiet. Auf dem ehemaligen Stahlwerksgelände der Hermannshütte in Hörde entsteht eine besondere Stadtlandschaft rund um einen künstlich angelegten See.

Der See wird 1,2 Kilometer lang in Ost-West-Richtung und 320 Meter breit in Nord-Süd-Richtung verlaufen. Mit einer Wasserfläche von 24 Hektar wird er größer als die Hamburger Binnenalster werden. Eine Runde um den See, um den getrennte Geh- und Radwege führen, ergibt eine Strecke von ungefähr drei Kilometern. Das insgesamt 96 Hektar große Areal wird vom traditionellen Montanstandort zu einem großen und innovativen Lebensraum entwickelt, einem modernen Standort für Wohnen, Dienstleistung, Kultur und Naherholung rund um den See und die Emscher-Auen.

Seit dem ersten Spatenstich im September 2005 ist viel passiert. Im Oktober 2009 konnte die Phoenixsee-Entwicklungsgesellschaft einen Meilenstein seit Beginn der Bauphase vermelden: die Fertigstellung des Seeaushubs. Nach über 2,5 Millionen Kubikmetern Bodenaushub auf dem Gelände, wofür teilweise mehr als 100 Großbaugeräte - zum Leidwesen der Anwohner - gleichzeitig im Einsatz waren, feierten Bauherr und beteiligte Baufirmen ihr Seerichtfest. Ein Jahr später, genau am 1. Oktober 2010, fließt (Trink)Wasser in den See. Auf 200 Hektar Entwicklungsfläche soll Raum für neue Lebens- und Arbeitsformen geschaffen werden.

Phoenix West und Ost

Das alte Stahlwerk verteilte sich auf zwei Standorte, die mit einer Eisenbahntrasse verbunden waren – das Hochofenwerk Phoenix West und die Hermannshütte Phoenix Ost. Auf dem Technologie- und Dienstleistungsstandort Phoenix West soll nun Innovation groß geschrieben werden: Auf rund 110 Hektar soll hier eine spezielle Adresse des neuen Dortmund entstehen. Phoenix West wird Standort der Mikro-/Nanotechnologie, der Produktionstechnologie und der Informationstechnologie. Zugleich soll es für Dienstleistungen und Freizeitwirtschaft Raum bieten. Unter der Federführung der „NRWUrban“ (ehemals LEG) wird das neuartige Nutzungskonzept Schritt für Schritt umgesetzt. Einige Unternehmen haben sich hier schon angesiedelt.

Dortmunds Aufbruch zu neuen Ufern nach 150 Jahren Montanindustrie wird auf Phoenix Ost erlebbar – eben mit dem Phoenixsee und seiner kompletten Infrastruktur.

Kurzer Rückblick auf die Montanindustrie

Zwischendurch ein Rückblick: Man schrieb das Jahr 1839, als Hermann Dietrich Piepenstock auf dem späteren Gelände Phoenix Ost das Stahl- und Eisenwerk Hermannshütte gründete, das 1852 im Hörder Bergwerks- und Hüttenverein aufgegangen ist. Die Montanindustrie erlebte bis zur aktuellen Jahrtausendwende immer wieder ein Auf und Ab. Als aber im April 2001 das Oxygenstahlwerk stillgelegt wurde (zumindest vorübergehend, denn das Werk steht nach seiner kompletten Demontage heute in China), war dies das Ende der Stahlproduktion in Hörde.

Nahezu parallel wurde eine Machbarkeitsstudie zum städtebaulichen Entwicklungskonzept in Sachen Phoenix-See erarbeitet, im Sommer 2001 kam es zur Gründung der Phoenixsee Entwicklungsgesellschaft, einer hundertprozentige Tochter von DSW21. Erstes sichtbares Zeichen der Umstrukturierung war die Sprengung der „Hörder Fackel“ im Januar 2004. Zahlreiche Schaulustige ließen sich das Spektakel um den Zentralkamin des Oxygenstahlwerks auf Phoenix Ost nicht entgehen. Noch im Frühjahr kaufte die Stadt Dortmund das Gelände von der ThyssenKrupp Stahl AG.

Die Entwicklung seit 2005

Gut ein Jahr später, im Juni 2005, erteilte die Bezirksregierung Arnsberg die Baugenehmigung für den See und die Umstrukturierung der Emscher an dieser Stelle. Drei Monate später kam es schließlich zum ersten Spatenstich, durchgeführt vom früheren Dortmunder Oberbürgermeister Dr. Gerhard Langemeyer, dem ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von DSW21, Harald Heinze, und Jochen Stemplewski, dem Vorstandsvorsitzendem der Emschergenossenschaft.

Es schlossen sich vier Jahre Bauarbeiten an: Im Rahmen bergbaulicher Sicherungsmaßnahmen wurden alte Stollen, Schachtanlagen und Flöze erkundet und verfüllt. Bauwerke und Fundamente wurden zurückgebaut. Im April 2009 begannen die Arbeiten an den technischen Bauwerken (Damm, Spundwände etc.). Fortan wurden die Hanggrundstücke am Südhang des Sees modelliert, die Erschließungsarbeiten (Straßen, Entwässerung, Versorgung etc.) gingen einher.

Im September 2009 startete die Vermarktung der Wohngrundstücke im Norden des Sees sowie der Bürogrundstücke im Seequartier. Ende 2009 wurden bei einer Architektenmesse 50 beispielhafte Entwürfe für die Wohnbebauung vorgestellt. Noch im Dezember 2009 trat die ehemals verrohrte Emscher an die Oberfläche und floss in einem neu angelegtem Flussbett.

Fünf Millionen Badewannen im Herbst 2011 gefüllt

Seit dem Sommer 2010 nimmt der See richtig Konturen an: Die an das Hafenbecken angrenzende Kulturinsel samt Brückenwerk wurde fertiggestellt. Die Landschaftsinseln in der Seemitte sind ausgebildet und bepflanzt. Inzwischen wurden Armleuchter-Algen eingesetzt, die das ökologische Gleichgewicht des Sees begünstigenn sollen. Zu diesem Zweck wurde der See schon leicht angestaut.

Etwa ein Jahr lang wird es dann nach der Flutung am 1. Oktober 2010 dauern, bis der See mit 600.000 Kubikmetern Wasser befüllt ist – was umgerechnet so viel ist wie fünf Millionen Badewannen voll Wasser.

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