Marketingtrick

Hövels rüstet AIDA-Schiffe mit Brauereien aus

Foto: WR RALF ROTTMANN

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Dortmund. Eine Handbreit Hövels unterm Kiel: Die Dortmunder Hausbrauerei hat mit einem Marketingtrick das Tor zur Welt weit aufgestoßen. Hövels betreibt auf dem Kreuzfahrtschiff AIDAblu die weltweit erste Brauerei auf dem Wasser. Und versorgt damit nun noch zwei weitere Schiffe der Reederei.

Samstag im Hamburger Hafen. Hoch wie das Mathematik-Gebäude der Uni ragt die Blu aus dem Wasser, Passagiere entern das Schiff, am Abend legt sie ab. Amsterdam, Antwerpen, Paris, Dover stehen auf dem Fahrplan einer Woche, und Braumeister Andreas Hegny versucht alles, um Biergartenatmossphäre auf Deck 10 zu zaubern - einschließlich laubbestandener Bäume, die mangels Humus dem PVC-Wald entwachsen sind.

„400 Liter”, sagt er und meint die Menge, die den Gästen am Abend zur Verfügung stehen, die in den Weiten des Meeres nach der gemütlichen Enge einer Bierstube gucken.

Hegny weiß, er muss gegen ein gigantisches Zerstreuungsangebot ankämpfen, das der Dampfer seinen 2200 Passagieren bietet, und er ist zuversichtlich. Das hat der alte Wilhelm von Hövel 1893 schon geschafft - nämlich die Leute um sein Bier zu versammeln. Hegny macht kein Geheimnis aus der Kunst des Brauens. Der Gärprozess findet in gläsernen Kesseln statt, und wer will, kann sich den Tag mit einem Brauseminar verkürzen.

Ein Schlückchen Heimat

Kreuzfahrer mögen das mit einem Schlückchen Heimat verbinden, aber wer das einmal in der Karibik oder der Südsee schmecken möchte, der kann sich vorstellen, welch eine Logistik und Technik dahinterstehen. „Wir sorgen dafür, dass Hopfen und Malz auch dort zur Verfügung stehen”, sagt DAB-Betriebsleiter Johannes Jung. Das Wasser kommt gewissermaßen aus dem Tiefkeller - es ist Meerwasser. Dort, wo man die Tanks nicht auffüllen kann, schüttet Neptun nach. Entsalzungsanlage und Mineralisierung sorgen für exakt die gleiche Qualität wie zuhause.

Hegny gehört zu drei Braumeistern, die sich abwechseln. Am 12. Dezember hat er den ersten Sud angesetzt, am 24. Juni geht er von Bord. Weitestgehend seefest hat er sich mal gewundert, als man der Blu vor Norwegen zum Test die Stabilisatoren ausschaltete. „Die Maische stand schräg im Läuterbottich, das kannt' ich noch nicht.” Bis zu elf Gänge umfasst ein Menue auf der AIDAblu - der 12. also könnte der Seegang sein.

Aber mal im Ernst, da sei der alte Hövel vor. Auf einem Schiff, sagt ein Sprichwort, findet jeder seinen Platz. Hegny ist auch es gelungen. Prost.

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