Miet-Haie

Die nächste Schlacht um den Hannibal in Dortmund-Dorstfeld

Der marode Mietkoloss „Hannibal“ in Dorstfeld geht in die Zwangsversteigerung. Der Mieterverein erwartet alte Probleme durch neue Verkäufe. Foto: Helmuth Voßgraff

Foto: WAZ-Fotopool

Der marode Mietkoloss „Hannibal“ in Dorstfeld geht in die Zwangsversteigerung. Der Mieterverein erwartet alte Probleme durch neue Verkäufe. Foto: Helmuth Voßgraff Foto: WAZ-Fotopool

Dortmund.  Der Wohnkoloss „Hannibal“ mit 412 Wohneinheiten in Dorstfeld soll versteigert werden. Der Mieterverein Dortmund ist alarmiert. Es werden wieder große Mietwohnungsbestände verschoben.

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Der Hannibal in Dorstfeld-Süd soll zwangsversteigert werden. Der Termin ist im Dezember. Der Wohnkoloss mit 412 Wohneinheiten, der einst der Dogewo gehörte, steht seit der Insolvenz der Firma Jansen und Helbing unter Zwangsverwaltung. Der Mieterverein Dortmund ist alarmiert - denn für ihn steht der Hannibal auch für eine negative Entwicklung auf dem Mietwohnungsmarkt, die aktuell alles andere als Vergnügen bereiten kann.

Reiner Stücker, Geschäftsführer des Mietervereins Dortmund, befürchtet, dass erneut „wohnungswirtschaftliche Spekulanten und Dilettanten“ zuschlagen könnten, um die stark sanierungsbedürftige Immobilie in Dorstfeld und weitere Immobilien in anderen Stadtteilen zu kaufen. Von 2004 bis 2008, bis zur Finanzkrise hatten Finanzinvestoren große Wohnungsbestände in Dortmund gekauft. Dann kehrte Katerstimmung und eine gewisse Ruhe ein. Nun kommt wieder Bewegung in den Handel mit großen Wohungsbeständen.

3,7 Mio Euro - bei einem geschätzten Sanierungbedarf von rund 10 Mio Euro - weist ein Gutachten als Wert des Hannibals aus. Rainer Stücker sieht die Dogewo „beim Hannibal in einer besonderen Verantwortung.“

45.000 der 238.000 Mietwohnungen in Dortmund, also fast jede fünfte ist im Besitz von Finanzinvestoren. Bei rund 8000 Wohneinheiten von solchen Investoren existieren akute finanzielle Probleme. Dortmund hält in NRW - neben Duisburg - einen traurigen Spitzenplatz. Und in dieser Situation droht eine weitere Verschärfung der Lage.

Leute mit Geldkoffern unterwegs

Rainer Stücker und Dr. Tobias Scholz vom Mieterverein Dortmund beobachten, dass 2011 verstärkt Teilverkäufe von Wohnimmobilien stattfinden. Sie listen auf: In Aplerbeck hat die Gagfah die Siedlung Erbpachtstraße (366 Wohneinheiten) an die Residential Dortmund I Grundstücks GmbH und die Residential Dortmund II Grundstücksgesellschaft verkauft. Wer hinter diesen Firmen steckt: Adressen auf Zypern. Genaues weiß man nicht. Rund 50 Wohnungen in Holzen verkaufte die Gagfah an die Deutsche Invest Immobilien 2. Wohnen GmbH, die im Juli sofort drastisch die Mieten erhöhte.

In Marten wolle die Deutsche Annington 200 Wohnungen verkaufen. Bei den Fonds BSB VIII und IX sowie Valbourne, die Ex-Viterra-Bestände (Fisch-Siedlung Obereving und Wohnungen in Huckarde) halten und verrotten lassen, haben die Anteilseigner gewechselt. Genaues weiß man nicht.

Vorkaufsrecht

Den maroden Wohnkomplex Speckestraße/Gerlachweg (103 Wohneinheiten) hat der Insolvenzverwalter an die Deutsche Grundeigentum GmbH (Lippstadt) verkauft. Für die Anlage hatte die Stadt ein Vorkaufsrecht per Satzung festschreiben lassen, aber im Rahmen der Insolvenz ist solch ein Vorkaufsrecht ausgeschlossen. „Da hätten wir gerne zugegriffen, aber der Insolvenzverwalter hatte die Anlage schon verkauft“, bestätigte gestern Klaus Granicki, Geschäftsführer der Dogewo, dass die Stadtwerke-Tochter den Markt im Blick hat. Auch ihm ist aufgefallen, dass wieder „Leute mit Geldkoffern“ unterwegs sind, um in Dortmund Immobilien zu kaufen. Granicki: „Wenn das Sinn macht, greift auch die Dogewo zu.“

Beim Hannibal ist die Abenteuerlust von Granicki, dessen Unternehmen den Hannibal und 800 weitere Wohnungen (inkl. Speckestraße) vor wenigen Jahren verkauft hatte, sehr gedämpft. Bei einem Sanierungsstau von zehn Mio Euro mit 3,7 Mio Euro Kaufpreis einzusteigen sei keine lukrative Perspektive. Aber man rechne durchaus mit.

Granicki, der auch Geschäftsführer der städtischen Gesellschaft für Stadtentwicklung mbH ist, die das Vorkaufsrecht für Problemsiedlungen ausüben soll, ist zuversichtlich, dass die Stadt in absehbarer Zeit bei maroden Siedlungen über ihr Vorkaufsrecht zugreifen kann - auch mit Hilfe von Landesmitteln.

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