Auch die Stadt, die sich zunächst trotz wiederholter Anfrage nicht zu dem Thema äußern wollte, war jetzt auskunftsfreudiger. Sie sei nicht Initiator gewesen, so Sprecher Michael Meinders. Immer wenn ein Dortmunder für den Landesverdienstorden vorgeschlagen sei, werde die Stadt über die Bezirksregierung aufgefordert, Stellungnahmen zum ehrenamtlichen Engagement des Vorgeschlagenen einzuholen. Meinders: "Dazu sind wir verpflichtet. Mehr haben wir in diesem Fall nicht getan."
"Mögliche Auszeichnung wurde entwertet"
Unterstützung für Eichler kam derweil von den Organisationen, für die sich der 65-jährige Leiter der Kulturbetriebe - wie berichtet - auch ehrenamtlich engagiert, darunter die Landesarbeitsgemeinschaft (LAG) Arbeit Bildung Kultur NRW. "Mit Erstaunen und Verwunderung" habe man Artikel und Kommentar zu dem Thema gelesen, schreiben Martin Werner und seine Kollegin Vera Szibalski. Mit der Berichterstattung sei "eine mögliche Auszeichnung des Landes durch einen Journalismus überschattet und entwertet worden, der sich nicht an die demokratischen Regeln hält, sondern eine auf eine Person fokussierte Kampagne über die Wertschätzung ehrenamtlichen Engagements stellt".
Sachverhalte wurden vermischt
Sachverhalte seien vermischt worden, "die nichts miteinander zu tun haben: Städtische Verwaltungsprobleme" - gemeint war der Kunstschwund bei den Kulturbetrieben - "mit der Würdigung eines Menschen in ehrenamtlicher Funktion". Die LAG Arbeit Bildung Kultur NRW habe die Anregung für die Verleihung dieses Ordens mit initiiert, "weil Kurt Eichler die kulturelle Landschaft und die kulturelle Jugendbildung in Nordrhein-Westfalen über Jahrzehnte mit Sachverstand und ausdauerndem Engagement ehrenamtlich begleitet und nach unser Auffassung viel bewegt hat."
"Mit herausragender Expertise und großem Engagement"
Auch die Landesvereinigung Kulturelle Jugendarbeit (LKJ) NRW, ebenfalls ein eingetragener Verein, der mit der LAG Arbeit Bildung Kultur NRW kooperiert, macht sich stark für Kurt Eichler. Eichler ist dort seit 1994 Vorsitzender des ehrenamtlichen Vorstands. Christine Exner, geschäftsführende Bildungsreferentin der LKJ NRW, schreibt in einem Leserbrief unter anderem, Eichler engagiere sich seit Jahrzehnten "neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit ehrenamtlich in verschiedenen zivilgesellschaftlichen Organisationen und hier in unterschiedlichen Positionen. Diesen Tätigkeiten - übrigens unentgeltlich und ohne Aufwandsentschädigung - geht er mit herausragender Expertise, großem Engagement, mit Kontinuität, Verlässlichkeit und Empathie nach."
Als Vorsitzendem der Landesvereinigung Kulturelle Jugendarbeit sei für Eichler "schwerpunktmäßig die kulturelle Bildung ein zentrales Aufgaben- und Handlungsfeld mit der Zielsetzung der Angebotsentwicklung und Partizipation von Kindern und Jugendlichen, besonders aus eher bildungsfernen Elternhäusern und aus prekären Verhältnissen." Eichlers Sachkenntnis im Bereich der gesamten Jugendhilfe sei landes- und bundesweit bekannt und anerkannt, schreibt Exner. Beide Vereine weisen darauf hin, dass es sich zudem um ein vertrauliches Verfahren gehandelt habe, das nicht in die Öffentlichkeit gehöre. Es gebe keinen Grund, der den Bruch der Vertraulichkeit rechtfertigen würde, so Vera Szibalski und Martin Werner. Es werde "nichts vertuscht, und niemand kommt zu Schaden."
"Eichler trägt die Fehler von nachgeordneten Stellen"
Die Freien Kulturzentren Theater Fletch Bizzel, depot Dortmund und Künstlerhaus Dortmund kritisieren die Berichterstattung ebenso. Sie werden über das Kulturbüro finanziell gefördert, das zu den Kulturbetrieben gehört. Kurt Eichler habe von Beginn an alle Bestrebungen unterstützt und mitgetragen und zum Teil auch initiiert, die die Vielfalt der Dortmunder Szene bis heute ausmachten.
"Das beginnt bei der Konzeption der Förderung der Freien Szene und geht weiter bis hin zu dem Modell der institutionellen Förderung der Freien Kulturszene", schrieben Horst Hanke-Lindemann (Fletch Bizzel), Claudia Schenk (depot), Pit Schmieder (Künstlerhaus). Dank Eichler gebe es heute eine lebendige Partnerschaft zwischen Stadt und Szene zum beiderseitigen Gewinn, "lebendiger und besser ausgestattet als in allen vergleichbaren Städten der Republik. Aus unserer Sicht wäre ein Orden dafür angemessen", heißt es unter anderem in ihrer Stellungnahme.
Mit seinen Verdiensten habe es Eichler "absolut nicht verdient, so geschmäht zu werden." Die Verantwortung "für Fehler von nachgeordneten Stellen trägt Eichler, ohne mit dem Finger auf die Schuldigen zu zeigen".
"Zu einem Selbstbedienungsladen verkommen"
Das sieht zum Beispiel Jörg Hübner, Geschäftsführer der Dortmunder Gesellschaft für Gerätebau, ganz anders. "Der Verdienstorden unseres Landes wird an ehrenamtlich aktive Bürger verliehen, die außerordentliche Verdienste für die Allgemeinheit erworben haben."
Für diese hohe Auszeichnung werde "ausgerechnet jener Kurt Eichler" vorgeschlagen, "der immer wieder mit den verschwundenen Kunstwerken bei den städtischen Kulturbetrieben in Zusammenhang gebracht wird". Der städtische Kulturbereich, so Hübner, sei anscheinend "zu einem Selbstbedienungsladen verkommen. Bevor dieser beispiellose kulturpolitische Skandal nicht lückenlos aufgedeckt ist, halte ich nichts davon, Herrn Eichler, von dem ich erwarte, endlich Licht ins Dunkel zu bringen, auch nur in die Nähe eines Ordens zu rücken."

