Als Isabell Werth mit ihrer Stute Wendy de Fontaine auf den vorläufigen zweiten Platz tanzte, schien es, als herrschte für Henri Ruoste endgültig Gewissheit. Die erste Teilnahme an einer Weltmeisterschaft würde für den in Menden beheimateten Dressurreiter – ausgerechnet fast vor der Haustür auf dem legendären CHIO-Gelände in Aachen – nach dem Grand Prix Special enden, weil er die Qualifikation für die Grand Prix Kür hauchdünn verpasste. Zwar ahnte der 44-Jährige dies bereits weit vor der Weltmeisterschaft, wie er schmunzelnd nach dem Wettbewerb verriet – doch wenige Stunden später war alles anders.

Ruoste fehlt weniger als ein Prozent

Mit 72,188 Prozent beendete Ruoste mit seiner Stute Tiffanys Diamond den Grand Prix Special im großen, aber nicht ausverkauften Reitstadion in Aachen auf dem 21. Platz. Hätte der Wahl-Sauerländer noch drei Paare hinter sich gelassen, hätte er seine starke WM-Premiere sogar mit der direkten Qualifikation für die Kür gekrönt. Nachdem sich die besten 30 Einzelpaare aus dem Mannschaftswettbewerb für den Grand Prix Special qualifizierten, schafften es dort die Top 18 in die Kür.

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Letztendlich fehlten dem für Finnland startenden Ruoste 0,669 Prozent auf den 18. Platz. Anstatt sich über kleine Fehler in den fliegenden Wechseln zu ärgern, zog Ruoste aber ein positives WM-Fazit. „Ich bin mit dem heutigen Tag, dem Pferd, dem gesamten Team und der ganzen finnischen Delegation hier sehr zufrieden. Es war wirklich eine großartige Reise“, sagte er.

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Diese begann für ihn mit dem Auftritt im Mannschaftswettbewerb. Mit 71,817 Prozent belegte der Wahl-Sauerländer in der Einzelwertung den 23. Platz und sorgte für das beste finnische Ergebnis. Der Ritt mit Tiffanys Diamond sei ein bisschen „hot und tricky“ gewesen, erklärte der 44-Jährige, der natürlich auch von seiner Ehefrau Senta Kirchhoff und den zwei Kindern angefeuert wurde. Auf seine Chance im Grand Prix Special angesprochen, scherzte er: „Wir haben im Stall ja die besten Nachbarn, die Dänen. Vielleicht lohnt sich ein Blick.“

Es war aber großartig zu sehen, wie gut sie mit einem so bedeutenden Wettkampftag, dem Austragungsort und der Atmosphäre umgehen kann – obwohl wir bislang nur wenig Routine und Wettkampfrhythmus hatten.

Henri Ruoste, Dressurreiter aus Menden

Die Dänen gewannen zum Auftakt der Weltmeisterschaft in Aachen hinter den siegreichen Deutschen und den zweitplatzierten Briten im Mannschaftswettbewerb die Bronzemedaille und stellten mit der Weltranglistenersten Cathrine Laudrup-Dufour auch die beste Reiterin. Laudrup-Dufour sicherte sich im Grand Prix Special schließlich die Silbermedaille hinter der Britin Charlotte Fry und vor der Deutschen Katharina Hemmer.

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Der Weg aus dem Dressurviereck mitten im großen Reitstadion in Aachen ist lang und führt über den legendären Rasen. Henri Ruoste lobt seine Stute Tiffanys Diamond für eine gute Vorstellung. © IMAGO/EMMA WALLSKOG

Das Trio knackte jeweils die 80-Prozent-Marke, von der Tiffanys Diamond und Henri Ruoste wie erwartet ein ganzes Stück entfernt blieben. „Die Fehler bei den Wechseln waren natürlich schade. Ansonsten war es aber gut, und auch die Galopplinie war im Vergleich zum ersten Tag überraschend gut. Ich bin wirklich sehr zufrieden“, sagte Ruoste, der mit „Tiffy“ bei den Olympischen Sommerspielen in Paris 2024 Rang 30 belegt hatte.

Noch keine Starts geplant

Wie es für Henri Ruoste nach der Heim-WM in Aachen weitergeht? „Das ist eine gute Frage“, antwortete er. „Eigentlich planen wir unsere Turniersaison immer nur bis zu den Meisterschaften und danach zunächst gar nichts. Wir müssen uns das also noch etwas genauer ansehen“, ergänzte der Wahl-Sauerländer: „Tiffi bekommt sicherlich eine kleine Pause.“ Außerdem habe er zu Hause in Menden einige jüngere Pferde, die grundsätzlich bereit für Turnierstarts seien. „Zu Hause warten jedenfalls einige zehnjährige Pferde darauf, ebenfalls ihr Glück im Viereck versuchen zu dürfen“, sagte Ruoste.

„Ich weiß nicht, ob ich wirklich etwas Neues gelernt habe“, sagte er in Aachen über die Auftritte seiner 14-jährigen Stute. „Es war aber großartig zu sehen, wie gut sie mit einem so bedeutenden Wettkampftag, dem Austragungsort und der Atmosphäre umgehen kann – obwohl wir bislang nur wenig Routine und Wettkampfrhythmus hatten“, ergänzte er. Eigentlich sei sie auf eine solche Umgebung kaum vorbereitet gewesen. „Trotzdem hat sie sich sehr gut konzentriert. Ich kann wirklich sehr stolz und zufrieden sein“, erzählte Ruoste.

Darum startet Ruoste in der Kür

Der in Menden auf Gut Bertingloh lebende Top-Dressurreiter erfüllte bei der WM in Aachen die Erwartungen. Er übererfüllte sie letztendlich, wie seine Planungen der kommenden Tage verrieten. „Am Sonntag fliegen wir mit der Familie in den Urlaub. Das ist der nächste größere Abschnitt, der vor uns liegt“, sagte Henri Ruoste schmunzelnd. Am Freitag.

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Denn am Samstagmorgen war Ruoste plötzlich der erste Nachrücker für die Kür am Samstagabend. Weil jeweils nur drei Paare pro Nation starten dürfen, schieden ein deutsches und ein dänisches Paar aus. Zudem verzichtete der Schwede Patrik Kittel, dessen Startplatz an Ruoste ging.