Der Wahnsinn ist zurück am Ischeland. Als Tim Uhlemann im letzten Hagener Angriff den Dreier zum 88:73 gegen die Basketball Löwen Braunschweig versenkte, hielt es in der ausverkauften Halle niemanden mehr auf seinem Platz. Die Partie war entschieden, doch diesen Treffer brauchte der Nachmittag noch: den Publikumsliebling, der den Schlusspunkt setzte, die jubelnden Mitspieler, die 3145 Zuschauer, die sich die Freude aus dem Leib sangen. „Oh, wie ist das schön, so was hat man lange nicht gesehen.“
Wie lange, das hing an diesem Sonntag davon ab, woran man sich erinnerte. An die Meisterfeier im Juni, als Phoenix Hagen zuletzt ein Heimspiel gewonnen hatte? Oder an den 1. Mai 2016 gegen Crailsheim, den letzten Heimsieg in der Basketball-Bundesliga (BBL)? Am sechsten Spieltag war nun auch dieses Warten vorbei. Nach den Erfolgen in Oldenburg und im Pokal in Ulm gelang der dritte Pflichtspielsieg in Folge. Phoenix ist im Oberhaus angekommen – und hat mit zwei weiteren Punkten im Kampf um den Klassenerhalt auch sportlich etwas Handfestes von diesem Fest.
Phoenix Hagen – Löwen Braunschweig 88:73 (48:37)
Phoenix Hagen: Gibson (22, 8 Rebounds), Polley (20, 6 Rebounds), Polite (8), Uhlemann (8), Kunkel (7), Krutwig (7, 13 Rebounds, 6 Assists), Garino (5, 7 Rebounds), Kraushaar (4, 8 Assists), Bleck (4), Omuvwie (3).
Topscorer Braunschweig: Reaves (18), Aydinoglu (13), Edwards (13).
Viertel: 20:25, 28:12, 16:24, 24:12.
Zuschauer: 3145 (ausverkauft).
Gibson stimmt die Humba auf dem Heuboden an
Die Bühne war schon vor dem ersten Korb bereitet gewesen. Phoenix bekam das Banner für die ProA-Meisterschaft überreicht, der frühere Kapitän Dennis Nawrocki wurde lautstark begrüßt. Inzwischen spielt er für SBB Wolmirstedt, diesmal saß er als Co-Kommentator für Dyn am Mikrofon. Später griff einer seiner Nachfolger als Hagener Publikumsliebling zum Megafon: Die Fans baten Trenton Gibson auf den Heuboden, wo er die Humba anstimmte.

Geschäftsführer Martin Schmidt hatte da selbst schon hörbar mitgefeiert. „Meine etwas angeschlagene Stimme zeigt schon, dass es mir auch ganz gut gefallen hat“, schmunzelte er. Vor allem freute ihn, dass sich die Mannschaft nach den guten Auftritten der vergangenen Wochen nun auch vor eigenem Publikum belohnt hatte. Und dass die Neuen etwas über ihren neuen Basketballstandort gelernt hatten: „Dass eine Humba zu Hause noch mehr Spaß macht als eine Humba auswärts. Ich hoffe, dass die Jungs jetzt so angeheizt und angefixt sind, dass sie Bock haben, davon ein bisschen mehr zu erleben.“
24 Assists erzählen von mehr als einem starken Gibson
Gibson hatte sich seinen Platz mitten unter den Fans mit 22 Punkten und acht Rebounds verdient. Wieder war er zur Stelle, als die Partie entschieden werden musste. Sein Dreier zum 74:69 und das Dreipunktspiel zum 79:69 halfen Phoenix, sich im Schlussviertel abzusetzen. Der Amerikaner kann schwierige Angriffe selbst zu Ende bringen und auch dann ruhig bleiben, wenn es um ihn herum hektisch wird. Ein „richtig guter Zocker“, wie Schmidt findet.

Doch auf die Frage nach Gibson lenkte der Geschäftsführer den Blick bewusst auf die ganze Mannschaft: „Am Ende muss man sagen: Wir haben wieder mal 24 Assists gespielt.“ Für Schmidt zeigt sich darin jener Basketball, den Trainer Chris Harris seit Jahren spielen lässt. Wie viele Hände dieser Sieg gebraucht hatte, ließ sich besonders unter den Körben erkennen. Phoenix gewann das Reboundduell mit 52:31, sicherte sich 22 Abpraller am offensiven Brett und erzielte 28 Punkte aus zweiten Chancen.
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Cameron Krutwig sammelte allein 13 Rebounds und verteilte sechs Assists, Bjarne Kraushaar bereitete acht Treffer vor. Patricio Garino setzte nach einem Fehlwurf zum wichtigen 76:69 nach, Fabian Bleck vollendete Kraushaars Zuspiel zum 83:72 und holte anschließend auch noch einen Defensivrebound. Marvin Omuvwie hatte zuvor mit einem Korbleger samt zusätzlichem Freiwurf geholfen. Es waren solche Beiträge, die Phoenix durch diesen Nachmittag trugen.
Sechseinhalb Minuten ohne einen Braunschweiger Punkt
Dabei hatte Hagen sich diesen Jubel hart erarbeiten müssen. Nach dem frühen 12:22-Rückstand riss vor allem Tyler Polley die Mannschaft mit. 15 seiner insgesamt 20 Punkte erzielte er vor der Pause. Noch eindrucksvoller als die Treffer war allerdings, was Phoenix im zweiten Viertel auf der anderen Seite des Feldes leistete: Sechseinhalb Minuten lang gelang Braunschweig kein einziger Punkt.
„Ich war mit meiner Mannschaft vor allem im zweiten Viertel sehr zufrieden. Wir haben es geschafft, die Halle mitzunehmen, und es wurde richtig laut“, sagte Harris. Das 28:12 in diesem Abschnitt war Ausdruck einer Verteidigung, die dem Gegner fast nichts erlaubte.

Dass Braunschweig nach der Pause trotzdem wieder herankam, lag vor allem an Gian Aydinoglu und De’Jour Reaves. Die beiden schnellen Aufbauspieler setzten Phoenix mit ihren Vorstößen zu; Reaves traf zudem den Dreier zum 59:59 und war mit 18 Punkten bester Braunschweiger Werfer. Umso wertvoller war die Hagener Antwort in der Schlussphase. Phoenix ließ sich weder von den eigenen Fehlern noch von den Guards der Löwen aus der Ruhe bringen und gewann das letzte Viertel mit 24:12. „Es war ein Kampf, kein schönes Spiel“, befand Harris.
Für die Fans war es am Ende trotzdem wunderschön. Und als Gibson oben auf dem Heuboden stand, war zwischen Spielern und Zuschauern auch räumlich kein Abstand mehr.














