Zwei Auswärtssiege haben Phoenix Hagen Rückenwind gegeben, nun soll in der Ischelandhalle der nächste Erfolg folgen. Am Sonntag, 25. Oktober, um 15 Uhr empfängt der Aufsteiger die Basketball Löwen Braunschweig in der Basketball-Bundesliga (BBL). Chris Harris erwartet einen schnellen Gegner, sieht aber auch eine konkrete Angriffsmöglichkeit unter dem Korb. Zuvor könnte der Trainer erstmals entscheiden müssen, welcher gesunde Importspieler zuschaut.
Mit dem Comeback von Anthony Polite und einer möglichen Rückkehr von Marcus Graves könnten sieben ausländische Profis einsatzbereit sein. Pro Partie dürfen aber nur sechs eingesetzt werden. Einen festen Ersatzspieler will Harris nicht bestimmen. Wie lange diese Auswahl besteht, hängt auch von Patricio Garino ab: Sein Vertrag läuft Mitte November aus, eine Verlängerung bis zum Saisonende ist für beide Seiten eine Option.
Polites Comeback ist noch nicht das Ende der Arbeit
Beim Pokalsieg in Ulm bestritt Polite nach seiner langen Verletzungspause sein erstes Pflichtspiel für Phoenix. Acht Punkte steuerte er zum 107:98-Sieg bei. Ein gelungener Einstand nach rund zwei Jahren Pause, dem weitere Arbeit an seiner körperlichen Verfassung folgt. „Er entwickelt sich toll, trainiert sehr gut und arbeitet jeden Tag viel im Kraftraum“, sagt Harris im Gespräch mit unserer Redaktion.

Bei aller Freude über das Comeback bleibt seine Belastung deshalb ein Thema. „Er befindet sich weiterhin im Aufbautraining. Es ist noch nicht so, dass wir ihn einfach 30 Minuten aufs Feld schicken können.“ Bis zum Saisonende sieht der Trainer noch erhebliches Entwicklungspotenzial: „Das ist ein fortlaufender Prozess, mit dem wir sehr zufrieden sind.“
Garino ist angekommen – und soll länger bleiben
Polites Rückkehr bedeutet nicht automatisch, dass Garino Phoenix nach drei Monaten wieder verlässt. Eine Verlängerung bis zum Saisonende ist für beide Seiten eine Option. Sein bisheriger Vertrag laufe Mitte November aus, erklärt Harris. „Er fühlt sich von Anfang an sehr wohl hier in Hagen. Ein erstes Gespräch hat bereits stattgefunden, weitere stehen noch an.“
Dass Garino zunächst Anlauf brauchte, hatte auch körperliche Gründe. Der Small Forward hatte sich zum Ende der vergangenen Saison in Spanien verletzt. Aufbautraining und Eingewöhnungszeit seien deshalb von Beginn an eingeplant gewesen, erläutert Harris. „Sein Fitnesslevel hat sich deutlich verbessert, auch wenn er noch an den Folgen der Verletzung arbeitet und noch nicht ganz dort ist, wo er sein kann. Aber ich würde sagen: Er ist angekommen.“
Ich würde sagen: Er ist angekommen.
Chris Harris, Phoenix-Trainer, über Patricio Garino
Hinzu kam die Umstellung auf das Hagener Spielsystem. „In Spanien ist es so, dass du über die Mittellinie läufst, zur Bank schaust und der Trainer einen Spielzug ansagt. Bei uns ist es freier, wir wollen mehr aus dem Spielfluss heraus entscheiden“, beschreibt Harris. Garino habe sich inzwischen daran gewöhnt.

Seine jüngsten Auftritte sprechen dafür. Beim Sieg in Oldenburg steuerte Garino zwölf Punkte und sieben Rebounds bei und traf zu Beginn des Schlussviertels zwei wichtige Dreier. Auch beim Pokalerfolg in Ulm saßen seine Distanzwürfe in wichtigen Momenten: Mit fünf Dreiern und insgesamt 17 Punkten hatte er großen Anteil am Weiterkommen. Bei der Frage nach seiner Bedeutung geht Harris aber über die Statistik hinaus: „Sein Charakter ist wahnsinnig gut. Er ist ein toller Mensch und ein toller Spieler, der unserer Mannschaft sehr viel gibt. Er ist auch unser einziger echter ‚Dreier.‘“
Sieben Imports: Harris will von Spiel zu Spiel rotieren
Mit einer Verlängerung würde Phoenix länger vor der Aufgabe stehen, sieben ausländische Profis auf sechs verfügbare Plätze zu verteilen. Erstmals könnte das bereits gegen die Basketball Löwen Braunschweig nötig werden – sofern Graves zurückkehrt und alle anderen Imports einsatzbereit sind. „Das ist für uns komplettes Neuland. Da gehört jetzt auch Learning by doing dazu“, sagt Harris. „Bisher hatten wir in dieser Saison immer wieder kleinere Beschwerden oder Verletzungen. Wenn alle fit sind, müssen wir entscheiden, wer aussetzt.“
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Einen dauerhaft überzähligen Spieler soll es bei Phoenix nicht geben. Harris kennt Mannschaften, in denen bereits festgelegt ist, welcher Profi als Ersatz bereitsteht und pausiert, sobald die übrigen gesund sind. Für Hagen kündigt er einen anderen Umgang an: „Wir werden von Spiel zu Spiel schauen und durchrotieren.“
Damit werden Gespräche nötig, die für einen ehrgeizigen Basketballer nicht angenehm sind. Harris sieht sich in der Pflicht, seine Entscheidung nachvollziehbar zu vermitteln: „Das geht nur mit tollen Menschen und Transparenz. Mit dem Spieler, der aussetzt, müssen wir ein offenes und ehrliches Gespräch führen. Es kommt darauf an, wie wir die Entscheidung vermitteln und dass der Umgang damit fair ist.“ Eine Pause könne zugleich der Erholung dienen. „Dann kann es auch heißen: Diese Woche ruhst du dich aus. Insgesamt gibt uns das mehr Tiefe im Kader.“
Phoenix will Braunschweigs Tempo bremsen und unter dem Korb angreifen
Nach den Erfolgen in Oldenburg und Ulm zählt für Harris weiterhin vor allem, wie sich seine Mannschaft entwickelt. Schon während der vier Niederlagen zum Saisonstart habe er Fortschritte gesehen. „Wir reden intern vor allem über Entwicklung. Wenn du die Fortschritte siehst, betrachtest du die Ergebnisse auch anders. Solange die Entwicklung stimmt, werden die Siege kommen.“
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Braunschweig stellt die Hagener nun besonders beim Umschalten auf die Probe. „Braunschweig ist eine sehr schnelle und gefährliche Mannschaft. Sie sind nicht besonders groß, aber schnell und agil“, sagt Harris. Phoenix muss nach eigenen Angriffen zügig zurück sein und bei den vielen Dreierwürfen der Löwen auch weite Rebounds sichern. Auf der anderen Seite des Feldes sieht der Trainer eine gewisse Anfälligkeit unter dem Korb. „Dort können wir ansetzen.“




