Zwei Wochen Urlaub hatte Ben Manga hinter sich, als er am Montagvormittag in sein Büro in der dritten Etage der Geschäftsstelle des FC Schalke 04 zurückkehrte. Was er dann von Sportvorstand Frank Baumann erfuhr, kam nicht nur für ihn, sondern für fast alle Schalker unerwartet: Der 51 Jahre alte Direktor Kaderplanung ist mit sofortiger Wirkung freigestellt. Es ist die nächste teure Trennung auf Schalke. Mangas Vertrag gilt noch bis 2028. Ein Abfindung in Höhe von rund 800.000 Euro ist in Mangas Vertrag festgeschrieben, Schalke hat diese Klausel aber noch nicht gezogen, weshalb Manga vorerst weiterbezahlt wird.

Schalke-Vorstand Baumann: „Wir haben sorgfältig analysiert“

Nach einem guten Saisonstart, der zu sehr viel Ruhe im Umfeld geführt hatte, ist das ein großer Knall. „Wie bei meinem Amtsantritt angekündigt, habe ich die vergangenen Monate genutzt, um mir ein umfassendes Bild unseres sportlichen Bereichs zu machen. Nach dem Ende der Haupttransferperiode haben wir sorgfältig analysiert, was gut funktioniert und wo wir Potenziale sehen“, erklärte Frank Baumann in einer Pressemitteilung. „Dabei haben wir sowohl die Ergebnisse der Arbeit als auch die zugrunde liegenden Prozesse bewertet. Mit den von uns identifizierten Maßnahmen werden wir Schalke 04 in diesen Bereichen zukunftsorientiert aufstellen.“ Er hätte auch sagen können: Schalke braucht Ben Manga nicht mehr.

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Nach Informationen dieser Redaktion äußerten sich Teile der Vereinsführung schon skeptisch über Mangas Amtsführung, als sie mit Baumann im April 2025 verhandelten. Und doch hielt Baumann am Kaderplaner fest, nachdem er am 1. Juni sein Amt übernommen hatte. Baumann wollte sich während seiner ersten Transferperiode ein eigenes Bild machen. Dabei offenbarten sich erhebliche Differenzen, zum Beispiel in der Art und Weise des Scoutings. Baumann hob nun hervor, der Ablauf der Kaderplanung sei Teamarbeit, ein erfolgreiches Zusammenspiel aus Live-, Video- und Datenscouting auf Basis der entwickelten Schalke-DNA wichtig. Manga hatte seinen ganz eigenen Stil und vertraute eher seinem persönlichen Netzwerk als der Klubführung.

Schalke-Kaderplaner Ben Manga - zu viele Flops

Manga war am 10. Mai 2024 nach Gelsenkirchen gekommen und von vielen Fans wie ein Messias empfangen worden. Die Schalker hatten ein Jahr Existenzkampf und Drittliga-Abstiegsangst hinter sich und sehnten sich nach einem neuen Ansatz der Kaderplanung. Manga brachte den neuen Knappenschmiede-Chef Raffael Tonello, etliche Scouts und eine klare Idee mit. „Ich habe meinen Scouts habe ich gesagt: Auf Schalke wollen wir vom Ansatz her einen Fußball sehen wie bei Atlético. Hinten kompromisslos agieren und vorne Show, aber effektive Show“, sagte Manga in einem Interview. Er holte überwiegend junge Spieler, stattete sie mit langfristigen Verträgen aus. Die Schalker hofften darauf, dass Manga seinen vor allem in Frankfurt erworbenen Ruf als „Perlentaucher“ bestätigt - auch wenn er nicht so viel Geld zur Verfügung hatte wie bei der Eintracht. 

Mangas Amtszeit war dann jedoch von einem weiteren Abstiegskampf 2024/2025 geprägt, er landete eher Transferflops als -tops. Dazu kamen Trainer- und Sportchefwechsel, für die er teilweise nichts konnte. Zum Abschied erkannte Baumann immerhin an, dass sich Schalke in einer schweren Krise befand, als Manga übernommen hatte: „Ben stieß in einer schwierigen Phase zum Klub und konnte Impulse in seinen Bereichen setzen. Wir danken ihm für seine Arbeit“, sagte Baumann.

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Doch wie geht es nun weiter? Baumann selbst übernimmt interimistisch Mangas Aufgaben. Die Planungen für die Winter-Transferperiode im Januar 2026 laufen, auch die Sommer-Transferperiode 2026 bereitet Baumann bereits vor. Zukünftig stellt sich Baumann eine etwas andere Struktur in seiner Abteilung vor. Er sieht drei unterschiedliche Abteilungen, nicht wie bisher zwei. Youri Mulder bleibt als Direktor Profifußball zuständig für das Profileistungszentrum und die Kommunikation. Mangas Nachfolger wird sich um Kaderplanung, Transfers, Leihspieler und Partnervereine kümmern. Die Knappenschmiede wird eine eigene Abteilung bekommen, bisher gehörte sie zu Mangas Aufgabengebiet

Schnell muss und soll es bei der Personalauswahl aber nicht gehen. „Wir haben die genauen Anforderungen definiert. Jetzt steht es im Fokus, konkrete Gespräche zu führen und die besten Kandidaten zu finden“, sagte Baumann. Und wie geht es mit den zahlreichen Manga-Vertrauten weiter? Knappenschmiede-Chef Raffael Tonello, seit Jahrzehnten einer der engsten Freunde Mangas, soll im Verein bleiben. Baumann ist mit Tonellos Arbeit zufrieden. Seine Scouts dürfte Manga aber zu seinem nächsten Klub mitnehmen.