Es war eines dieser typischen BVB-Aufregungsphänomene zum Wochenstart. Öffentlich kochte die Gerüchteküche mal wieder hoch. RB Salzburg, hieß es in mehreren Berichten, soll die Ablöseforderungen für Wunschverteidiger Joane Gadou nach oben geschraubt haben, was die Verhandlungen entscheidend ins Stocken gebracht haben könnte. In der Chefetage dürfte man die Meldungen gelassen zur Kenntnis genommen haben. Denn: Zu diesem Zeitpunkt absolvierte das 19 Jahre alte Top-Talent bereits unbemerkt den Medizincheck für den Wechsel zu Borussia Dortmund.

Die Bosse um den neuen Sportdirektor Ole Book und Geschäftsführer Lars Ricken hatten einen starken Deal ausverhandelt. Am Dienstagmittag machte der BVB diesen höchstoffiziell. Gadou unterschrieb bis 2031 im Ruhrgebiet.

Joane Gadou (r.) noch im Trikot von RB Salzburg in einem Zweikampf im Champions-League-Spiel gegen Brügge.
Joane Gadou (r.) wird ab der kommenden Saison für den BVB verteidigen.© dpa | Fahy

Rund 19,5 Millionen Euro Ablöse kostet der Innenverteidiger nun, hinzu könnten noch weitere 4 bis 5 Millionen Euro an Bonuszahlungen kommen. Auch eine Weiterverkaufsklausel für das Supertalent soll sich der Red-Bull-Klub dem Vernehmen nach gesichert haben, um am riesigen Potenzial irgendwann langfristig mitzuverdienen.

BVB verstärkt die beste Abwehr der Bundesliga

Das französische Abwehrjuwel ist damit in der Sockelzahlung ungefähr so teuer wie vor sechs Jahren ein gewisser Erling Haaland, der damals aus Salzburg kam und zweieinhalb Jahre später für über 60 Millionen Euro zu Manchester City weiterzog. Der BVB verstärkt mit Gadou nun aber nicht den Sturm, sondern die ohnehin unter Niko Kovac beste Abwehr der Bundesliga (nur 34 Gegentore in 33 Spielen). Für Book, der Ende März die Nachfolge von Sebastian Kehl antrat, ist es der erste große Deal, mit dem er ein Statement setzt: Borussia schaut wieder verstärkt auf Europas Top-Talente.

Der BVB-Kader nimmt Gestalt an: Sind das die ersten drei Transfers?

weitere Videos

    Der 1,95 Meter große Innenverteidiger stammt aus dem Nachwuchs von Paris Saint-Germain und wagte 2024 in Salzburg den Sprung in den Profifußball. Beim RB-Klub, bekannt als Sprungbrett für Toptalente, sammelte Gadou in der österreichischen Bundesliga regelmäßig Spielpraxis im Ligabetrieb und sammelte ebenso erste Erfahrungen auf internationaler Ebene. In Dortmund möchte er den nächsten Schritt gehen. „Wir kennen Joane schon sehr lange und haben ihn bereits während seiner Zeit bei Paris Saint-Germain beobachtet“, sagt Ricken. „Joane wird uns verstärken und direkt mit Beginn der neuen Saison eine wichtige Rolle bei uns einnehmen. Wir sind von seinen Qualitäten überzeugt und sehen in ihm enormes sportliches Entwicklungspotenzial.“

    Empfohlener externer Inhalt

    An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von Instagram, der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er ergänzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.
    Externer Inhalt
    Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es können dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

    In der Nacht meldete sich der französische U-Nationalspieler bereits selbst zu Wort. Er weilte ja im Ruhrgebiet, um grünes Licht für den Transfer zum deutschen Top-Klub zu bekommen. „Ich gehe mit starken Erinnerungen, Momenten, die ich niemals vergessen werde, und vor allem mit wunderbaren Menschen, die ich kennenlernen durfte“, sendete er Abschiedsworte in Richtung Salzburg. „Ich freue mich riesig, künftig Teil der BVB-Familie zu sein, und kann es kaum erwarten, zum ersten Mal das schwarzgelbe Trikot zu tragen. Gemeinsam mit meinen Mitspielern, dem ganzen Verein und unseren unglaublichen Fans möchte ich in den nächsten Jahren erfolgreich sein“, sagt er nach seinem Wechsel.

    Süle-Planstelle mit Talent Gadou besetzt

    Im Ruhrgebiet waren Book und die gesamte Scouting-Abteilung seit Tagen entschlossen: Diesen Spieler müssen sie verpflichten. In den Gesprächen gaben sie entsprechend Vollgas. Für den Sportdirektor steht fest, dass die ersten wichtigen Planstellen vor der Weltmeisterschaft in den USA, Kanada und Mexiko geschlossen sein sollen, und die Abwehr machte den Anfang. „Joane ist ein moderner und physisch starker Innenverteidiger. Er verfügt über einen guten Spielaufbau, ist extrem schnell und gleichzeitig auch noch entwicklungsfähig. Mit seinen Fähigkeiten ist Joane eine optimale Ergänzung für unsere Defensive“, betont Book.

    Darüber hinaus könnten in diesem Vorhaben noch ein defensiver Mittelfeldspieler und ein offensiver Kreativspieler folgen. Der erst 16-jährige Kennet Eichhorn von Hertha BSC wird als heißer Kandidat gehandelt. Auch die Gerüchte um eine mögliche Rückkehr von Jadon Sancho halten sich hartnäckig. Die Defensive aber stand zunächst im Fokus. Der Bedarf dort war akut: Niklas Süle beendet im Sommer seine Karriere, Aaron Anselmino hat den Klub bereits im Winter verlassen und Kapitän Emre Can fällt mit einem Kreuzbandriss langfristig aus.

    Lesen Sie auch

    Joane Gadou ist bereits der dritte Neuzugang für die kommende Saison. Schon länger steht fest, dass Borussia Dortmund sich die Dienste von zwei vielversprechenden Südamerika-Talenten gesichert hat: Justin Lerma (18 Jahre, aus Ecuador) und Kaua Prates (17 Jahre, aus Brasilien).