Für die großen Gefühle hätte es am Freitagabend gar kein Bundesliga-Spiel mehr gebraucht. Schon eine halbe Stunde vor dem Anpfiff der Partie zwischen Borussia Dortmund und Eintracht Frankfurt knisterte es an der Strobelallee. Sebastian Kehl erhielt bei seinem Abschied einen Gänsehaut-Applaus, bei dem der Ex-Boss vergeblich mit den Tränen kämpfte. 25 Jahre war er Teil des BVB, als Meister-Kapitän, Lizenzspieler-Chef und schließlich Sportdirektor. Sebastian war Borussia Dortmund nie egal. Nicht auf dem Platz, nicht daneben. Voller Leidenschaft, Kampf und Herz“, fand Stadionsprecher Norbert Dickel warme Worte. Auch die Profis Julian Brandt, Niklas Süle und Salih Özcan wurden für ihre Zeit im schwarz-gelben Trikot geehrt. Alle drei Verträge laufen aus und werden nicht verlängert.

Am Ende des letzten Heimspiels der Saison stimmte aus Dortmunder Sicht dann auch das Ergebnis. Mit 3:2 (2:1) gewann der BVB, obwohl die SGE durch das Tor von Can Uzun nach zwei Minuten zum Spielverderber zu werden drohte. Doch Serhou Guirassy (42.), Nico Schlotterbeck (45.+1) und Samuele Inacio (72.) drehten die Partie. Das 2:3 von Jonathan Burkardt (87.) kam zu spät. Vor dem Saisonfinale am kommenden Samstag bei Werder Bremen steht der BVB damit als Vize-Meister hinter Bayern München fest. Das Minimalziel Champions League hatte die Mannschaft von Trainer Niko Kovac bereits vor zwei Wochen durch das 4:0 gegen den SC Freiburg eingetütet.

Uzun schockt BVB in der zweite Minute

Anschließend hatte es eine 0:1-Niederlage bei Borussia Mönchengladbach gegeben, die die Frühlingsgefühle wieder vertrieb und die Zweifel trotz Platz zwei in der Bundesliga zurückbrachte. Trainer Niko Kovac erwartete eine Reaktion von seiner Gladbach-Elf und schickte die gleichen elf Profis auf den Rasen. Im Fokus stand dabei Brandt. Sieben Jahre trug er das schwarz-gelbe Trikot, was ihn zum dienstältesten Akteur des Kaders machte.

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Sein letztes Heimspiel, bei dem er noch mal die Kapitänsbinde tragen durfte, begann unglücklich mit einer halbherzigen Defensiv-Aktion, die von den Frankfurtern sofort bestraft wurde. Der Ex-Dortmunder Mo Dahoud bediente Uzun, der nach zwei Minuten zum 1:0 traf – zu diesem Zeitpunkt hatten die BVB-Ultras von The Unity ihre Choreo zum 25. Jubiläum der Gruppe gerade erst eingepackt.

Borussia Dortmund v Eintracht Frankfurt - Bundesliga
Emotionaler Abschied: Sebastian Kehl kämpft mit den Tränen.© Getty | Kügeler

Dortmund setzte der frühe Rückstand zu, nur ein ordentlicher Angriff sollte in den nächsten 40 Minuten gelingen. Brandt flankte bei diesem butterweich auf Samuele Inacios Kopf, doch der Abschluss des frei stehenden 18-Jährigen aus fünf Metern geriet viel zu unplatziert. Ansonsten erlebten die 81.365 Zuschauerinnen und Zuschauer die nächste zähe Darbietung ihrer Mannschaft.

BVB-Talent Inacio mit erstem Bundesliga-Tor

Dann aber hatte Brandt seinen Moment. Er behauptete sich im Mittelfeld, gab den Ball ab zu Marcel Sabitzer, der Julian Ryerson die rechte Seite entlang schickte. Serhou Guirassy brachte die Hereingabe mit perfekter Technik im linken Winkel unter, der Ausgleich in der 42. Minute. Und noch in der Nachspielzeit jubelte der BVB erneut, diesmal über die linke Seite. Maximilian Beier spielte den Pass von der Grundlinie in den Rücken der Abwehr, wo Nico Schlotterbeck den Ball zur 2:1-Führung über die Linie drückte.

Borussia Dortmund - Eintracht Frankfurt
Perfekte Technik: Serhou Guirassy trifft zum 1:1-Ausgleich.© dpa | Thissen

Wie würden sich die Frankfurter, bei denen Trainer Albert Riera vor dem Aus stehen soll, davon erholen? Für die Hessen ging es schließlich noch um die Conference-League-Qualifikation. Davon aber war nicht zu spüren. Dortmund dominierte die zweite Halbzeit, auch wenn klare Torchance Mangelware waren. Ryerson prüfte Torwart Michael Zetterer zum ersten Mal nach Wiederbeginn (59.). Ein erstes Frankfurter Lebenszeichen: Uzuns Schuss, den Gregor Kobel locker parierte (62.).

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Es sollten weitere emotionale BVB-Momente folgen: Das Dortmunder Publikum bejubelte Inacios erstes Bundesliga-Tor zum 3:1 (72.) und erhob sich dann, um Brandt bei seiner Auswechslung stehende Ovationen und Sprechchöre zu schenken. Burkardt gelang noch der Anschlusstreffer (87.).