Nico Schlotterbeck krempelte den kurzen Ärmel hoch und spannte den Bizeps an. Da war er wieder, der Markenzeichen-Jubel von Borussia Dortmunds Kapitän – in einem ganz wichtigen Moment. Mit seinem Kopfball-Tor in der elften Minute stellte er am Dienstagabend in einem zähen Hinrunden-Abschluss die Weichen auf einen 3:0 (1:0)-Sieg über den SV Werder Bremen. Marcel Sabitzer (76.) und der eingewechselte Serhou Guirassy (83.) legten nach. Damit hielten die Dortmunder den ebenfalls erfolgreichen VfB Stuttgart (3:2 gegen Eintracht Frankfurt) auf Vier-Punkte-Distanz und werden am Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen den FC St. Pauli als erster Verfolger von Bayern München in die Rückrunde starten.
Heiß diskutiert worden war in den Tagen vor der Partie die Stürmer-Frage beim BVB. Serhou Guirassy wartete ja seit Ende Oktober auf einen Bundesliga-Treffer, wirkte zuletzt wie ein Schatten seiner selbst. Fabio Silva hingegen brachte nach seinen Einwechslungen stets Schwung ins Dortmunder Spiel. Gegen 19.30 Uhr hatte man dann Gewissheit: Es kam zumindest für einen Fußball-Abend zur Wachablösung im schwarz-gelben Angriff. Guirassy habe die Entscheidung „sehr professionell“ aufgefasst, versicherte Trainer Niko Kovac. „Er kann ja auch 1 und 1 zusammenzählen und jetzt hat auch sein Mitspieler mal eine Chance verdient“, so Kovac, der aber gleichzeitig betonte, dass sich das Blatt auch wieder wenden könne: „Wir werden jetzt bis zum Ende dieses Monats noch sechs Spiele haben. Ich denke, er hat sich auch den Start verdient. Aber weiterhin vertraue ich meinem Stürmer.“
Drei Veränderungen in der BVB-Startelf
Vier Tage nach dem dramatischen wie unnötigen 3:3 zum Bundesliga-Wiederbeginn gegen Eintracht Frankfurt wählte Kovac gegen die seit sechs Spielen sieglosen Bremer, deren Jahres-Auftakt gegen die TSG Hoffenheim dem heftigen Schneefall zum Opfer fiel, einen noch etwas offensiveren und spielstärkeren Ansatz. Neben Silva rückten daher auch Yan Couto für Daniel Svensson und Carney Chukwuemeka, in Frankfurt umjubelter Schütze des 3:3 in der Nachspielzeit, für Julian Brandt in die Startelf.

So richtig beleben aber konnten die Neuen den BVB nicht. Die Dortmunder fielen stattdessen durch Ungenauigkeiten im Spielaufbau auf, die ein stärkerer Gegner wohl bestraft hätte. Gleich nach vier Minuten gab Justin Njinmah den ersten Schuss ab, Marco Grüll feuerte nur eine Minute später drüber, im Anschluss (18.) entwischte Njinmah den BVB-Verteidigern in Abseits verdächtiger Position. Torwart Gregor Kobel behielt bei beiden Njinmah-Chancen kühlen Kopf: erst per Flugeinlage, dann machte er sich beim Heber des Bremers lang. Dennoch: Dortmund wackelte immer wieder, weil Bremen hohe Ballgewinne erzwang und dann blitzschnell in Konter kam.
BVB-Stürmer Guirassy beendet Durststrecke
Der BVB erwischte selbst erneut eine zähe erste Halbzeit, die das Publikum mit unüberhörbaren Pfiffen quittierte. Was aber stimmte zur Pause war trotz sparsamer Fußball-Unterhaltung das Ergebnis aus Dortmunder Sicht. Die 1:0-Führung entstand passend zum Spielverlauf nach einer Ecke, die Julian Ryerson genau auf den Kopf von Nico Schlotterbeck schlug (11.). Weder die Verteidiger noch der zu zögerliche Torwart Mio Backhaus hinderten den Abwehrchef beim Abschluss im Fünf-Meter-Raum. Über Ansätze im Kombinationsspiel, wenn Chukwuemekea oder Silva beteiligt waren – wie im Angriff, der in den Führungs-Eckball resultierte – kam der BVB nicht hinaus.
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Bremen wurde nach der Pause mutiger, weil die Gäste aus dem Norden spürten, dass noch etwas drin war in diesem Spiel. Denn wieder verpassten die Dortmunder eine frühe Entscheidung, ein Sicherheit bringendes 2:0. Ganz nah dran war der BVB in der 55. Minute, als aus einem Konter heraus Maximilian Beier erst an Backhaus scheiterte und im zweiten Versuch an Amos Pieper, der vor der Linie klärte. Auch der mitgelaufene Silva brachten den Ball nicht ins Tor. Marcel Sabitzer zog knapp über die Latte (66.).
Um aber den BVB in Gefahr zu bringen, fehlte Werder vorne die Qualität. Chancen spielten sich Bremen nicht raus. Sabitzer machte mit seinem Schuss aus 16 Metern zum 2:0 dann alles klar – und Guirassy beendete auch noch seine Bundesliga-Durststrecke.




