Zusammenfassung
- Eine neue Harvard-Studie zeigt, dass die Thymusdrüse auch im Erwachsenenalter einen großen Einfluss auf die Gesundheit hat.
- Menschen mit einer gesunden Thymusdrüse haben ein deutlich geringeres Risiko für Krebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
- Die Forscher waren von diesen klaren Zusammenhängen überrascht und sehen darin neue Ansätze für weitere Untersuchungen.
Die Thymusdrüse spielt insbesondere im Kindesalter eine zentrale Rolle für die Entwicklung des Immunsystems. Nach der Pubertät bildet sich das Organ schrittweise zurück, weshalb seine Bedeutung für die Gesundheit Erwachsener lange Zeit als gering eingeschätzt wurde.
Eine aktuelle Studie von Forschern der Harvard University deutet jedoch darauf hin, dass die Thymusdrüse auch im Erwachsenenalter einen wesentlich größeren Einfluss auf Gesundheit und Lebenserwartung besitzt als bislang angenommen.
Schlüssel zu langem Leben: Die unterschätzte Thymusdrüse
Das ist das Ergebnis einer Studie von Wissenschaftlern der Harvard Medical School, über die auch „LiveScience“ berichtet. Den Forschern zufolge könnte das Organ langfristig dazu beitragen, Krankheitsrisiken zu verringern und insbesondere der Entstehung von Krebserkrankungen entgegenzuwirken. Darüber hinaus deuten die Ergebnisse auf einen möglichen Einfluss auf die Lebenserwartung hin.
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Für ihre Untersuchung analysierten der Onkologe Hugo Aerts von der Harvard Medical School und sein Forschungsteam des Programms „Artificial Intelligence in Medicine“ am Mass General Brigham die Gesundheitsdaten von mehr als 27.000 Personen aus zwei unabhängigen Kohorten. Grundlage bildeten die Framingham-Herz-Studie sowie das National Lung Screening Trial. Alle Teilnehmer hatten sich einer Computertomografie unterzogen, anhand derer Größe, Form und Gewebezusammensetzung der Thymusdrüse erfasst wurden.

Mithilfe künstlicher Intelligenz bewerteten die Forscher die Gesundheit der Thymusdrüse und ordneten sie den Kategorien niedrig, durchschnittlich oder hoch zu. Anschließend wurden die Ergebnisse unter Berücksichtigung möglicher Einflussfaktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchverhalten und Begleiterkrankungen statistisch ausgewertet. Dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Zustand der Thymusdrüse und verschiedenen Gesundheitsparametern.

Hohe Thymusgesundheit: Weniger Krebs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Die Auswertung der Studiendaten ergab einen bemerkenswert deutlichen Zusammenhang zwischen der Gesundheit der Thymusdrüse und verschiedenen Gesundheitsrisiken. In der NLST-Studie wiesen Teilnehmer mit einer hohen Thymusgesundheit innerhalb des zwölfjährigen Beobachtungszeitraums ein rund 50 Prozent geringeres relatives Sterberisiko auf als Personen mit einer niedrigen Thymusgesundheit.
Darüber hinaus war eine gut erhaltene Thymusfunktion mit einem geringeren Risiko für Lungenkrebs verbunden. Das Erkrankungsrisiko lag um etwa 36 Prozent niedriger, während das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, im Vergleich zur Gruppe mit geringer Thymusgesundheit um rund 50 Prozent reduziert war.
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Ein vergleichbarer Zusammenhang zeigte sich auch bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In der NLST-Studie war eine hohe Thymusgesundheit mit einem um etwa 63 Prozent geringeren Risiko verbunden, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben. In der Framingham-Herz-Studie fiel dieser Zusammenhang noch deutlicher aus. Dort war das Risiko für einen kardiovaskulären Todesfall bei Personen mit einer gesunden Thymusdrüse im Vergleich zu Teilnehmenden mit einer eingeschränkten Thymusfunktion um bis zu 92 Prozent geringer.
Die Forscher zeigten sich von der Deutlichkeit der Ergebnisse überrascht. Der Onkologe Hugo Aerts erklärt, dass nicht erwartet worden sei, über mehrere große und voneinander unabhängige Kohorten hinweg derart konsistente Zusammenhänge zwischen der Gesundheit der Thymusdrüse, der Lebenserwartung, der Häufigkeit von Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und dem Ansprechen auf Krebstherapien zu beobachten.
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Thymusdrüse verstärkt im Fokus
Obwohl die Studie ausschließlich statistische Zusammenhänge nachweist und keine Aussagen über einen ursächlichen Zusammenhang zulässt, liefern die Ergebnisse wertvolle Ansatzpunkte für zukünftige Forschungsarbeiten. Sie könnten dazu beitragen, das wissenschaftliche Verständnis der Rolle des Immunsystems im Alter grundlegend zu erweitern. Die Daten deuten darauf hin, dass die Gesundheit der Thymusdrüse ein wesentlicher Bestandteil einer langfristig leistungsfähigen Immunabwehr ist und sich mithilfe routinemäßiger bildgebender Verfahren objektiv erfassen lässt.







