Er ist das Gesprächsthema Nummer eins: Anfang März wurde „Timmy“ das erste Mal im Hafen von Wismar gesichtet. Seitdem ist das Tier nicht mehr aus der Berichterstattung wegzudenken. Der Meeressäuger strandete, wurde gerettet, strandete wieder. Nach tagelangen Debatten begann Anfang Mai schließlich eine große, privat finanzierte, Rettungsaktion. Ob es nun ein Happy End für „Timmy“ gibt, ist nach wie vor unklar.

Es ist beileibe nicht das erste Mal, dass ein Wal für Aufsehen sorgt. Vor rund einem Jahr machte ein verendeter Pottwal vor Sylt Schlagzeilen. Der Kadaver drohte zeitweise zu explodieren. Oder die über 160 Grindwale, die 2024 vor Australien gestrandet waren. Doch was sind das eigentlich für Lebewesen, die so oft in den Medien stehen? Fünf verschiedene, teils kuriose, Fakten geben Einblick.

Weitere Entwicklung zum Buckelwal in der Ostsee
Anfang Mai wurde Wal „Timmy“ in einer großen Rettungsaktion in die Nordsee gebracht. © Philip Dulian/dpa | Philip Dulian

Weltweit gibt es über 90 Walarten

Die Tierschutzorganisation Peta schreibt auf ihrer Webseite von mehr als 90 verschiedenen Walarten, die in den Weltmeeren leben. Unterschieden wird in zwei Arten. Die sogenannten Bartenwale ernähren sich von Plankton – also von marinen Kleinstlebewesen. Auf der anderen Seite stehen die Zahnwale – sie sind Raubtiere, die ihre Beute jagen.

Als die bekanntesten Wale gelten:

  • Blauwale
  • Beluga-Wale
  • Buckelwale
  • Pottwale
  • Orcas
  • Schweinswale
  • Delfine
Large whales swim in pairs in the blue ocean. People dive to mammals under water. Blue whale or sperm whale playing in blue water. Underwater shot of a wild whale panting. Aquatic marine animals
Pottwale gehören zu den Säugetieren, die mitunter am längsten und tiefsten tauchen können.© iStock | Stanislav Stelmakhovich

Größtes Tier der Welt: der Blauwal

Der Blauwal ist nicht nur einer der bekanntesten Wale, sondern hat noch eine weitere Besonderheit. Er gilt als das größte Tier der Erde. Nicht nur aktuell, sondern jemals, schreibt die Umweltorganisation WWF. Bis zu 33 Meter lang kann das Säugetier werden.

Der WWF nennt Vergleiche, um die Größe von Blauwalen anschaulicher zu machen:

  • „Doppelt so lang wie ein Bus“
  • „Ein Herz so groß wie ein Pkw“
  • „Eine Zunge schwerer als ein Elefant“
  • „2.000 Luftballons würde ein Atemzug füllen“
  • „Sein Ruf ist lauter als ein Düsenjet“

Wale spielen Schlüsselrolle für den Klimaschutz

Wale „spielen eine Schlüsselrolle für gesunde Ozeane – und für den Klimaschutz“, schreibt die Walschutzorganisation Whale and Dolphin Conversation (WDC). Wale seien Verbündete im Kampf gegen die Klimawandel. Denn: Sie haben die Fähigkeit, große Mengen Kohlenstoff in ihren Körpern zu speichern.

Besonders gut erforscht seien Buckelwale, schreibt WDC. Dazu zählt auch „Timmy“. Durch die Erderwärmung und „zunehmende menschliche Nutzung der Meere“ verändere sich der Lebensraum. Fischvorkommen werden verschoben, Meeresströmungen verändert, Ökosysteme drohen zu kippen. Dass sich Wale in ungewohnten Gewässern aufhalten, sei ein Zeichen dafür, dass „ökologische Gleichgewichte“ aus den Fugen geraten. Aber auch, dass Wale eine besondere Anpassungsfähigkeit besitzen.

In einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ bezeichnete die WDC-Direktorin in Nordamerika, Regina Asmutis-Silva, Wale als „gigantische Klimaschützer“. Der Grund: Der Kot der Tiere gilt als Dünger für Phytoplankton. Diese mikroskopisch kleinen Pflanzen produzieren Sauerstoff. Je mehr es von diesen Pflanzen gibt, desto mehr klimaschädliches Kohlendioxid kann zu Sauerstoff umgewandelt werden, erklärt Asmutis-Silva. Kurz: Die Tiere tragen so indirekt zum Klimaschutz bei.

Humpback Whale Calf
Wale gelten als Verbündete im Kampf gegen die Erderwärmung. © iStock | Mark Nyman

Substanz aus Pottwal-Darm in Luxusparfüms

Hätten Pottwale eine Verwendung für Geld, sie wären reich: Als „schwimmendes Gold“ wird Ambra auch bezeichnet. Dabei handelt es sich um eine Substanz aus dem Darmtrakt. Optisch erinnert es an einen beige-grauen Stein. Dieses Naturprodukt ist sehr selten und ein kostbarer Rohstoff in der Parfümerie. Ambra wird dabei überwiegend als Fixateur verwendet. Also als Stoff, der „die Verdunstung leicht flüchtiger ätherischer Öle“ verlangsamen soll, schreibt „Planet Wissen“. Aber auch, um blumige und süßliche Düfte zu verfeinern, bezaubernd und verführerisch zu machen.

Der Geruch von Ambra selbst entwickelt sich erst unter Einfluss von Sonnenlicht und Sauerstoff, wenn der ausgeschiedene Brocken auf der Meeresoberfläche treibt. Kommt Ambra direkt aus dem Darm, soll es ekelerregend riechen. Damit es für die Parfümherstellung genutzt werden kann, wird die Substanz zermahlen, mit Alkohol versetzt und muss anschließend mehrere Monate reifen.

Heutzutage wird Ambra aber nur noch selten in Luxusparfüms verwendet. Mittlerweile wurde der natürliche Rohstoff durch synthetische Substanzen ersetzt.

Toter Pottwal am Strand von Sylt
Im Februar 2025 ist vor Hörnum auf Sylt ein junger Pottwal gestrandet. Er drohte zu explodieren. © DPA Images | Lea Albert

Wal-Kadaver können explodieren

Wenn Wale sterben, sinken sie meist auf den Meeresboden. Dort werden die Kadaver dann von ganz unterschiedlichen Meerestieren zersetzt. Bei so einem großen Tier kann das aber eine längere Zeit in Anspruch nehmen. In diesem Prozess sammeln sich in dem toten Körper Gase an, die den inneren Druck erhöhen. „Blut und Innereien können dann ruckartig aus dem Wal gedrückt werden, wobei einzelne Stellen des Kadavers aufplatzen können“, schreibt das Magazin „National Geographic“. Sorge vor solch einer Explosion gab es zuletzt 2025, als ein Pottwal vor der Nordseeinsel Sylt angeschwemmt wurde.