Auch nach seiner Aussetzung in der Nordsee beschäftigt das Schicksal des über Wochen an der Ostseeküste gestrandeten Wals viele Menschen: Dabei ist das Interesse an seinem Aufenthaltsort besonders groß. Eigentlich war das Tier mit einem Peilsender ausgestattet worden, der Daten über seinen Verbleib an das Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern senden sollte.

Doch das ist offenbar nicht der Fall. Die private Rettungsinitiative für den Wal teilte mit, der Sender schicke keine Ortsdaten, sondern Vitalzeichen. Experten zweifeln jedoch an der Darstellung.

Wal Timmy: Experten decken Widersprüche um GPS-Tracker auf

Ein GPS- oder Satellitentracker liefere üblicherweise keine Vitalzeichen im medizinischen Sinne, hieß es vom Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW). „Echte Vitalparameter würden spezielle Sensorik voraussetzen.“

Thilo Maack von der Naturschutzorganisation Greenpeace bekräftigte, ein GPS-Tracker erfasse und übermittle keine Vitaldaten. Welcher Sendertyp konkret verwendet worden sein soll, teilten auf Anfrage weder die Initiative, noch Jeffrey Foster vom beteiligten Whale Sanctuary Project noch das zuständige Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns mit. Aus dem Ministerium hieß es am Montag, es lägen keine Daten vor. Man warte darauf.

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Wal-Tracker vor Freilassung offenbar nicht getestet worden

Der Tracker wurde laut der Kleintierärztin der Privatinitiative, Kirsten Tönnies, am Wal festgeschraubt: Das passiert in der Regel an der Rückenfinne, die durchstochen wird. Der Sender liefere nur Daten, wenn er an der Wasseroberfläche, also oben am Tier, angebracht werde, erklärte der Meeresbiologe Boris Culik, früher beim Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Ein so befestigter Tracker könne jedoch gar keine Vitaldaten wie Herz- und Atemfrequenz ermitteln, erklärte Maack.

Laut der Tierärztin Tönnies ist der Tracker vor der Freisetzung des Wals nicht getestet worden. Aus Sicht von Experten ist das sowohl unüblich als auch unverständlich. „Eine Funktionsprüfung vor dem Einsatz wäre aus fachlicher Sicht üblich und zu erwarten gewesen“, hieß es vom ITAW.

„Wenn sich bewahrheitet, dass der Peilsender keine Daten liefert, wäre das eine Katastrophe, auch für das Rettungsteam.“

Fabian Ritter, Meeresbiologe

„Wenn sich bewahrheitet, dass der Peilsender keine Daten liefert, wäre das eine Katastrophe, auch für das Rettungsteam“, meint der Walforscher und Meeresbiologe Fabian Ritter. Er hatte mehrfach seine Zweifel an der Professionalität des Rettungsteams angezweifelt. Dies wäre der in seinen Augen folgenschwerste. „Man muss hier wirklich von Fahrlässigkeit sprechen.“

Experte hat kein Verständnis für Rettungsinitiative: „sehr seltsam und unprofessionell“

Ohnehin war nie vorgesehen, dass die Allgemeinheit den Standort des Wals verfolgen kann. Die Initiative hatte schon vor der Rettungsaktion angekündigt, nur Teammitglieder und das Umweltministerium von Mecklenburg-Vorpommern mit den entsprechenden Daten zu versorgen. Es sei „sehr seltsam und unprofessionell“, solche Informationen nicht öffentlich zugänglich zu machen, sagte dazu der dänische Meeresbiologe Peter Madsen von der Universität Aarhus.

Diese Daten sind jedoch erheblich, um die Rettungsinitiative bewerten zu können. „Ohne zu wissen, wo sich das Tier befindet, und ohne zu wissen, dass es sich bewegt, lässt sich unmöglich sagen, ob es tot ist – womit die gesamte Aktion umsonst und Tierquälerei gewesen wäre“, sagte Madsen. Genauso ließe sich nie sagen, dass es noch lebt. „So oder so hat die Öffentlichkeit ein Recht darauf, dies zu erfahren.“

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Ohne Daten lasse sich die gesamte Mission nicht als erfolgreich oder fehlgeschlagen bezeichnen, betonte auch Ritter. „Das kann sich das Team nicht wünschen und es wäre auch für die deutsche und internationale Öffentlichkeit eine bittere Erkenntnis.“

Das Tier war am Samstagmorgen in der Nordsee ausgesetzt worden, nachdem es mehrfach an Ostseeküsten gestrandet war. Ungewiss ist, wie es dem Tier geht, ob es lebt und wo es hinschwimmt. Mehrere Tierschutzorganisationen hatten die Überlebenschancen des Wals vor seiner Rettung einhellig als gering eingestuft.

dpa/viv