Wissenschaftler haben neue Erkenntnisse der Krebsforschung auf der diesjährigen Jahrestagung der „American Association for Cancer Research“ (AACR) vorgestellt – darunter solche des Onkologen Vinod Balachandran. Im Zentrum seiner klinischen Phase-1 Studie-steht ein individuell auf einzelne Patienten zugeschnittener Impfstoff, der bei Personen mit Bauchspeicheldrüsenkrebs zu einer signifikanten Verlängerung der Überlebenszeit beitragen kann.

Neue Behandlungsmöglichkeiten bei Krebs: Impfstoff weckt Hoffnung

Bereits im Jahr 2022 äußerten sich die Biontech-Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci im Interview mit unserer Redaktion optimistisch über die Möglichkeit, bis zum Jahr 2030 eine Impfung gegen Krebs zu entwickeln. Aktuelle Forschungsergebnisse lassen dieses Ziel nun greifbarer erscheinen. In einer kürzlich vorgestellten Studie erhielten Patientinnen und Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs einen individuell angepassten mRNA-Impfstoff, was die Hoffnung stärkt, dass Krebserkrankungen künftig durch maßgeschneiderte Immuntherapien wirksam bekämpft werden können. Über die Studie berichtet das Wissenschaftsmagazin „Live Science“.

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Der eingesetzte Impfstoff basiert auf genetischem Material, das unmittelbar nach der operativen Entfernung aus den Tumoren gewonnen wird. Die Forscher gehen davon aus, dass das Immunsystem durch diese personalisierten Impfstoffe in die Lage versetzt wird, spezifische Krebszellen gezielt zu erkennen und zu bekämpfen. Die so aktivierten Immunzellen können potenziell über lange Zeiträume im Organismus verbleiben und dadurch einen Schutz vor einem erneuten Krankheitsausbruch bieten.

Besondere Aufmerksamkeit erregt ein individueller Fall innerhalb der Studie: Eine damals 66 Jahre alte Patientin erhielt insgesamt neun Dosen des Impfstoffs. Sie ist inzwischen 72 Jahre alt und berichtet über eine weitgehend uneingeschränkte Lebensführung. Diese Einzelfälle stehen im Kontrast zu den insgesamt weiterhin begrenzten Überlebenschancen bei fortgeschrittenem Krankheitsverlauf. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt in fortgeschrittenen Stadien bei lediglich 3,2 Prozent, wie im Rahmen der Studie berichtet wird.

Früherkennung: Impfstoff mit hoher Erfolgsquote

Onkologe Vinod Balachandran vom Memorial Sloan Kettering Cancer Center berichtet, dass nach einer Nachbeobachtungszeit von sechs Jahren rund neunzig Prozent der Patienten, bei denen eine Immunreaktion ausgelöst werden konnte, noch am Leben sind.

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An der klinischen Phase-1-Studie nahmen insgesamt sechzehn Personen mit operablem Pankreaskarzinom teil, bei denen der Tumor zum Zeitpunkt der Behandlung noch keine Metastasen in andere Körperregionen gebildet hatte. Diese Patientengruppe erhielt nach dem chirurgischen Eingriff einen neu entwickelten personalisierten Impfstoff gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ergänzend wurden eine Immuntherapie sowie eine Chemotherapie eingesetzt.

Im Verlauf der Studie zeigten acht der Teilnehmenden eine messbare Immunantwort auf die Impfung. Von diesen sogenannten Respondern lebten sieben auch sechs Jahre nach der Operation weiterhin. In der Gruppe der acht Nicht-Responder überlebten lediglich zwei Personen denselben Zeitraum. Gleichzeitig bleibt bislang offen, ob ein individuell angepasster Impfstoff auch bei bereits weit fortgeschrittenen Krankheitsstadien einen vergleichbaren Einfluss auf die Lebensverlängerung haben kann.

Bauchspeicheldrüsenkrebs als „stiller Killer“

Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den aggressivsten und tödlichsten Krebserkrankungen. Für den Behandlungserfolg ist eine möglichst frühe Diagnose entscheidend, da nur dann eine operative Entfernung des Tumors in Betracht kommt. Die Erkrankung verläuft häufig unauffällig und wird daher auch als „stiller Killer“ bezeichnet. Bei rund 90 Prozent der Betroffenen wird die Diagnose so spät gestellt, dass eine Operation nicht mehr möglich ist.

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In den Vereinigten Staaten stellt das Pankreaskarzinom nach Lungen und Darmkrebs die dritthäufigste krebsbedingte Todesursache dar. Prognosen zufolge könnte es bis zum Jahr 2030 den zweiten Platz einnehmen.

Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass eine frühzeitige Behandlung in Kombination mit einem individuell angepassten Impfstoff nach einer Operation das Risiko eines Krankheitsrückfalls möglicherweise reduzieren kann. Gleichzeitig betonen die Wissenschaftler, dass dieser Ansatz derzeit keine breit anwendbare Therapie für eine große Zahl von Patienten darstellt.