Schokoladenriegel oder ein paar Kekse gelten oft als effektive Nervennahrung. Der Zucker sorgt für einen Dopamin-Kick im Gehirn, und wir fühlen uns in einer Stresssituation kurzzeitig entspannter. Doch was wie Genuss wirkt, könnte unbemerkt das Stresssystem im Körper aktiv halten. Bislang war kaum erforscht, wie uns Zucker im entspannten Zustand beeinflusst. Jetzt zeigt eine neue Studie der Universität Konstanz: Wer vor einer Massage ein zuckerhaltiges Getränk oder einen Snack zu sich nimmt, schaltet die körpereigene Erholung womöglich aus.

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Zucker hemmt Entspannung: Sympathikus bleibt nach Konsum aktiv

Für das Experiment untersuchte das Forscherteam um den Neuropsychologen Jens Pruessner, wie Zucker das Zusammenspiel von Herz, Stress und Entspannung beeinflusst. „Entspannungsübungen wirken nicht so gut bei vollem Magen“, fasst Jens Pruessner die Ergebnisse zusammen. Das Team ließ jeweils einen Teil der 94 Probanden Wasser und einen anderen Teil ein zuckerhaltiges Getränk trinken. Danach folgte entweder eine Massage oder eine ruhige Pause. Anschließend wurde gemessen, wie entspannt das Herz tatsächlich reagierte.

Das Ergebnis ist eindeutig: Zwar fühlten sich alle Probanden nach Massage oder Ruhephase subjektiv entspannt – doch nach Zuckerkonsum blieb der aktivierende Teil des vegetativen Nervensystems (Sympathikus) „angeschaltet“ (der Sympathikus steuert Stress- und Aktivierungsreaktionen, während der Parasympathikus das Entspannen fördert). Das bestätige auch die Messung der Herzaktivität.

„Obwohl sich die Probanden subjektiv entspannt fühlten, fuhr der Sympathikus nicht herunter, sondern hielt den Körper in einem höheren Erregungszustand. Wir schließen daher aus unseren Testergebnissen, dass Zucker die Entspannungsfähigkeit des Körpers beeinträchtigt“, erklärt Neuropsychologin Maria Meier in einer offiziellen Mitteilung. Der Körper kommt also nicht so gut zur Ruhe, wie wenn man davor Wasser trinkt.

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Wer also vor Yoga, Massage oder anderen Entspannungsroutinen zu süßen Snacks oder Getränken greift, profitiert zwar möglicherweise von besserer Stimmung, blockiert aber paradoxerweise die bestmögliche Erholung für Herz und Körper. Für Pruessner steht fest: „Wenn bewusst entspannt werden soll, z.B. durch eine Meditationsübung oder progressive Muskelrelaxation, sollte auf die Einnahme eines explizit zuckerhaltigen Nahrungsmittels vorher verzichtet werden.“

Wichtig: Die Studie nutzte eine relativ hohe Zuckerdosis und es wurden junge, gesunde Erwachsene untersucht. Wie groß der Effekt bei älteren Menschen oder mit chronischem Stress ist, muss noch erforscht werden.