Zucker in Softdrinks ist seit Jahren in der Kritik – wegen Übergewicht, Diabetes und Herzproblemen. Doch inzwischen geht es nicht mehr nur um Bauch und Blutzucker. Immer mehr Studien deuten darauf hin, dass zuckergesüßte Getränke auch die psychische Gesundheit belasten können. Eine neue Auswertung aus Großbritannien richtet den Blick besonders auf Jugendliche – und stößt auf ein beunruhigendes Muster.

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Forscherinnen und Forscher der Bournemouth University wollten genauer wissen, ob hinter diesem Eindruck mehr steckt als ein Bauchgefühl. Sie haben deshalb vorhandene Studien zum Thema erstmals systematisch zusammengetragen und geprüft. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse im „Journal of Human Nutrition and Dietetics“. Eine solche Übersichtsarbeit ist, vereinfacht gesagt, eine „Studie über Studien“: Sie bündelt, was viele Untersuchungen zusammen zeigen – und sortiert aus, was methodisch zu schwach ist.

Am Ende blieben neun Studien übrig, die den Konsum zuckergesüßter Getränke mit Angstsymptomen bei Teenagern in Beziehung setzten. Sieben davon fanden einen Zusammenhang, heißt es in der Auswertung: Je häufiger Jugendliche Softdrinks tranken, desto häufiger berichteten sie über Angst oder starke Nervosität. Zwei Studien fanden keinen eindeutigen Effekt.

Mitautorin Dr. Chloe Casey bremst trotzdem die schnellen Schlussfolgerungen. In einer Mitteilung der Universität sagt sie sinngemäß, man könne noch nicht beweisen, dass Zucker die Ursache sei. Aber die Analyse zeige eine „problematische Verbindung“ zwischen zuckerhaltigen Getränken und Angststörungen bei jungen Menschen.

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Der Knackpunkt liegt in der Art der Daten. Viele der ausgewerteten Arbeiten sind sogenannte Beobachtungsstudien: Sie schauen Menschen im Alltag zu und messen, was zusammen auftritt. Das kann Hinweise liefern, aber es beantwortet oft nicht sicher die Frage, was zuerst da war. Möglich ist, dass viel Zucker Unruhe begünstigt. Genauso gut kann es umgekehrt sein, dass Jugendliche mit Angst häufiger zu süßen Getränken greifen – weil sie schnell verfügbar sind, kurz ablenken und sich wie eine kleine Belohnung anfühlen. Und es gibt noch eine dritte Möglichkeit: Stress in der Familie, Schlafmangel oder Leistungsdruck könnten beides zugleich antreiben – den Griff zur Dose und die Angst.

Trotzdem sind die Zahlen, von denen die Übersichtsarbeit berichtet, schwer zu übersehen. In einzelnen Studien war ein hoher Konsum stark zuckerhaltiger Getränke mit einem bis zu 34 Prozent höheren Risiko für Angstsymptome verbunden. Das heißt nicht: „Jeder Softdrink macht Angst.“ Es heißt: In Gruppen, die viel davon trinken, kommen Angstsymptome häufiger vor. Deshalb halten die Forschenden es für möglich, dass ein geringerer Zuckerkonsum zumindest bei manchen Jugendlichen die Angstsymptome abschwächen könnte. Dass psychische Belastungen bei Kindern und Jugendlichen zunehmen, wird auch in Deutschland berichtet: Der Kinder- und Jugendreport 2025 der DAK-Gesundheit zeigt, dass Angststörungen bei jungen Menschen häufiger werden. Casey verweist ebenfalls darauf, dass Angststörungen im Jugendalter in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hätten – umso wichtiger sei es, veränderbare Gewohnheiten zu finden, die diesen Trend bremsen könnten.

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Andere Studien gehen einen Schritt weiter und berichten von deutlicheren Zusammenhängen. Eine 2025 veröffentlichte Untersuchung, an der das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung (DZD) beteiligt war, fand zum Beispiel einen Zusammenhang zwischen Softdrink-Konsum und Depression – sowohl bei der Diagnose als auch bei der Stärke der Symptome. Besonders auffällig war der Befund bei Frauen: Wer viel Softdrinks trank, hatte eine um 17 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit für eine Depression.

Das wirft die nächste, naheliegende Frage auf: Wie sollen Getränke überhaupt die Stimmung beeinflussen? Als mögliche Erklärung nennen Forschende des DZD den Darm. Zuckerhaltige Getränke liefern nicht nur viel Zucker, sondern oft auch Zusatzstoffe. Beides zusammen kann die Darmflora verändern – also die Bakterien im Verdauungssystem. Dabei können Bakterien zunehmen, die Entzündungen begünstigen, während andere nützliche Stoffe seltener bilden. Solche Veränderungen stehen in der Forschung im Verdacht, auch Stimmung und Antrieb zu beeinflussen. In der Studie selbst finden sich dazu passende Hinweise: Die Forschenden fanden bei Frauen mit Depression häufiger Bakterien der Gattung Eggerthella, die auch in anderen Studien öfter bei Depressionen auftauchen.

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Übertragen auf Jugendliche ergibt sich daraus eine plausible Vermutung: Viel Zucker könnte Angstsymptome auch indirekt begünstigen, etwa über solche Prozesse im Darm. Dass Jugendliche dafür besonders anfällig sein könnten, erklären Forschende des DZD auch mit der Hirnentwicklung: In dieser Phase reagieren Systeme für Belohnung und Stress besonders stark, während die Selbstkontrolle noch nicht voll ausgereift ist.