Ob Cola, bunte Limonaden oder der tägliche Energy-Drink – süße Getränke sind aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Die Regale im Supermarkt quellen über vor Auswahl, und Deutschland ist sogar europäischer Spitzenreiter im Softdrink-Konsum. Nach aktuellen Zahlen der AOK landen bei uns täglich rund acht Zuckerwürfel allein durch Softdrinks im Glas – mehr als in Italien oder Großbritannien.

Viele wissen inzwischen: Wer oft zu diesen zuckerhaltigen Getränken greift, lebt gefährlich, denn das Risiko für Diabetes und Übergewicht steigt deutlich. Doch eine neue Studie zeigt, dass die Gefahren noch weiter reichen – bis in unsere Psyche. Wie stark beeinflussen Cola und Co. unsere seelische Gesundheit?

Studie: Softdrinks als Gefahr für unsere Psyche

Im Fokus der aktuellen Studie mit Beteiligung des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung (DZD) stand die Frage: Gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Konsum von Softdrinks und schweren Depressionen? Denn längst vermuten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass nicht nur das Gewicht oder der Blutzucker leiden – sondern auch unsere mentale Gesundheit.

Eine Frau trinkt einen Softdrink.
Süßgetränke wirken nicht nur auf den Körper, sondern auch auf die Seele. Die neue Studie enthüllt überraschende Zusammenhänge.© iStock | rachasuk

Besonders spannend: Die Forscher nahmen in der neuen Studie nicht nur die süßen Getränke, sondern auch das Darmmikrobiom ins Visier. Immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass unser „inneres Ökosystem“ im Bauch ein Schlüssel zu psychischen Krankheiten sein könnte. Die Studie nutzte Daten aus der Marburg-Münster Affective Cohort Study (MACS) – einer Querschnittstudie, bei der zwischen 2014 und 2018 insgesamt 932 Erwachsene im Alter von 18 bis 65 Jahren rekrutiert wurden. Darunter waren 405 Menschen, die an einer schweren depressiven Störung litten und 527 gesunde Kontrollpersonen.

Erhöhtes Risiko für Depressionen: Frauen besonders betroffen

Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig: Wer regelmäßig zu zuckerhaltigen Softdrinks greift, erhöht nicht nur sein Risiko für eine Depression, sondern auch die Wahrscheinlichkeit schwererer Symptome. Besonders auffällig war dieser Zusammenhang bei Frauen: Ein hoher Softdrink-Konsum ging bei ihnen mit einem um 17 Prozent größeren Risiko für eine depressive Erkrankung einher – und die Symptome fielen oft deutlich schwerer aus.

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Doch wie erklären sich die Forscher diesen Effekt? Die Studie liefert eine mögliche Erklärung – dabei spielt das Mikrobiom eine zentrale Rolle, und zwar das Bakterium namens Eggerthella. Bei Frauen, die regelmäßig Softdrinks trinken, fanden die Wissenschaftler deutlich mehr von diesen Bakterien. Das ist besonders brisant, denn frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass Eggerthella bei Menschen mit Depressionen häufiger vorkommt.

Die aktuelle Studie deutet darauf hin, dass dieses Bakterium das fehlende Bindeglied sein könnte – der biologische „Mittelsmann“ zwischen Softdrink-Konsum und depressiven Symptomen. „Unsere Daten legen nahe, dass der Zusammenhang zwischen Softdrinks und depressiven Symptomen über den Einfluss des Mikrobioms entsteht“, sagt Studienleiterin Dr. Sharmili Edwin Thanarajah vom Universitätsklinikum Frankfurt.

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Süße Drinks enthalten nicht nur Glukose und Fruktose, sondern oft auch Zusatzstoffe wie Konservierungsmittel und künstliche Süßstoffe, so die Studienleiter. Diese Mischung kann das Gleichgewicht der Darmbakterien stören: Entzündungsfördernde Bakterien wie Eggerthella vermehren sich, während zugleich die für uns schützenden, kurzkettigen Fettsäuren weniger produziert werden. Tierversuche zeigen, dass dieser „Umbau“ im Darm sogar das Gehirn beeinflussen und Entzündungen im Nervensystem auslösen kann – was wiederum depressives Verhalten verstärken kann, wie die Studienautoren erklären.

Bei Männern, die regelmäßig zu Softdrinks greifen, konnten die Forscher keinen Anstieg von Eggerthella und auch keinen klaren Zusammenhang mit depressiven Symptomen entdecken. Warum dieser Effekt offenbar nur bei Frauen auftritt, ist bislang ein Rätsel. Möglicherweise spielen hier hormonelle Unterschiede oder unterschiedliche Immunreaktionen eine Rolle.

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„Die Studienergebnisse eröffnen neue Perspektiven für die Prävention und Behandlung depressiver Erkrankungen“, so DZD-Forscherin Rachel Lippert vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DIfE). „Mikrobiombasierte Ansätze – wie gezielte Ernährungstherapien oder probiotische Strategien – könnten künftig dazu beitragen, depressive Symptome wirksam zu lindern.“ 

Die Forscher betonen: Die Ernährung sollte viel mehr beachtet werden, wenn es um unsere psychische Gesundheit geht. „Veränderungen im Mikrobiom können durch die Ernährung beeinflusst werden – und sind daher ein potenzielles therapeutisches Ziel“, erklärt Studienleiterin Edwin. „Schon kleine Anpassungen im Verbraucherverhalten können große Auswirkungen haben – insbesondere angesichts des weit verbreiteten Konsums von Softdrinks.“