Großeltern holen ihre Enkel von der Kita ab, helfen spontan im Krankheitsfall der Eltern aus und sind in vielen Familien in Sachen Kinderbetreuung unverzichtbar. Umso überraschender ist das Ergebnis einer neuen Studie am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB). Wenn Oma und Opa auf ihre Enkel aufpassen, hat das demnach negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder, berichtet die „Zeit“.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass es zumindest nicht direkt förderlich für die Gesundheit von Kindern ist, wenn die Großeltern sie betreuen“, sagt Petra Ziege, eine der Studienautorinnen. Dies gelte insbesondere für Kinder im Grundschulalter. Für die Studie haben Wissenschaftler die Angaben von Eltern, wie sie die mentale und physische Gesundheit ihrer Kinder einschätzen, ausgewertet. So läge die Kindergesundheit auf einer Skala von 1 bis 5 im Schnitt bei 4,4. Bei Kindern, die von Oma und Opa betreut werden, sinke dieser Wert auf 4,16. „Kein riesiger, aber ein signifikanter Unterschied“, so Ziege in der „Zeit“.

Kinderbetreuunug durch Großeltern: Einfluss auf Jungen deutlich größer
Ob die Verschlechterung im Bereich der mentalen oder physischen Gesundheit auftritt, konnte die Studie nicht herausfinden. Jedoch ist der Einfluss der Kinderbetreuung durch Großeltern bei Jungen deutlich größer als bei Mädchen. Ziege erklärte, dass Jungen „stärker auf Instabilität und Stressfaktoren reagieren“, während Mädchen diese Faktoren besser wegstecken.
Unsere Studie belegt tatsächlich einen kausalen Zusammenhang: Kinder, die von Oma und Opa betreut werden, sind weniger gesund.
Petra Ziege, wissenschaftliche MItarbeiterin am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB)
Warum die Kindergesundheit bei Oma und Opa sinkt, hat mehrere Ursachen. Zum einen seien Großeltern bei der Bildschirmzeit weniger streng. Zum anderen sind jene Kinder im Gegenzug weniger oft ganztägig in der Schule oder Kita, wo eher Aktivitäten im Freien auf dem Plan stehen. „Keine Sachen, die man typischerweise mit den Großeltern macht“, sagt Ziege.
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Ein weiterer Aspekt könnte die fehlende Struktur im Alltag sein, so Ziege. Kinder, die öfter auch von ihren Großeltern betreut werden, müssen sich neben den eigenen Eltern und Pädagogen noch auf weitere Personen bei der Betreuung einstellen. Aus der Forschung wisse man demnach, dass diese vielen Wechsel zu Instabilität führen, die sich wiederum nachweislich negativ auf die psychische Gesundheit auswirken.
Vor allem Mütter profitieren von Kinderbetreung durch Oma und Opa
Die Studie stützt sich nur auf Aussagen der Eltern, was die Frage aufwirft: Kann so wirklich ein Zusammenhang zwischen der Gesundheit der Kleinsten und ihrer Zeit bei den Großeltern hergestellt werden? Ziege meint dazu: „Unsere Studie belegt tatsächlich einen kausalen Zusammenhang: Kinder, die von Oma und Opa betreut werden, sind weniger gesund.“ Die in der Studie beschriebenen Aspekt treten eher bei jüngeren Großeltern auf. Mutmaßlich, weil diese selbst noch erwerbstätig sind und somit weniger Zeit für eine qualitativ hochwertige Betreuung bleibt.
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Wenn die Beziehung zu den eigenen Eltern gut ist, wird die Hilfe von Oma und Opa auch gern in Anspruch genommen, um schlichtweg mehr Zeit für eigene Aktivitäten zu haben. Und genau diesen positiven Einfluss der Betreuung durch Großeltern zeigen auch die Ergebnisse der Studie. „Vor allem die Mütter profitieren, sind zufriedener mit ihrer Freizeit, der Kinderbetreuung und auch der Karriere“, so Ziege. Für Väter gelte das hingegen nicht, da sie ohnehin im Schnitt weniger Zeit mit der Kinderbetreuung verbringen würden.




