Es ist ein Satz, der sitzt. Wenn Forschungsministerin Dorothee Bär sagt, Deutschland sei bei der Frauengesundheit ein „Entwicklungsland“, dann ist das keine Provokation um der Provokation willen. Es ist eine nüchterne Bestandsaufnahme – und eine längst überfällige. Denn ein Gesundheitssystem, das die Hälfte der Bevölkerung systematisch schlechter erforscht, ist weder modern noch leistungsfähig.
Jahrzehntelang wurde der weibliche Körper in der Medizin vor allem als Abweichung vom männlichen „Normalfall“ betrachtet. Krankheiten, die ausschließlich oder überwiegend Frauen betreffen, wurden marginalisiert, bagatellisiert oder schlicht ignoriert. Das rächt sich bis heute.
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Millionen Frauen in Deutschland leiden an Krankheiten wie Endometriose, Lipödem oder Hashimoto. Sie kämpfen mit chronischen Schmerzen, eingeschränkter Lebensqualität und Odysseen durch Arztpraxen. Und sie hören immer wieder Sätze wie: „Da kann man nicht viel machen“. Was sie selten hören, ist: „Wir wissen genug darüber und wir unternehmen etwas dagegen.“ Denn das tun wir nicht. Dass diese Erkrankungen, aber auch Wechseljahre, die wirklich jede Frau betreffen, bis heute nicht hinreichend erforscht sind, ist kein medizinisches Versehen, sondern Ausdruck struktureller Blindheit.

Dorothee Bär spricht aus, was viele denken, aber selten so klar benennen: Wären diese Krankheiten Männerleiden, stünde die Forschung an einem ganz anderen Punkt. Mehr Geld, mehr Studien, mehr Aufmerksamkeit. Investitionen in Frauengesundheit sind daher keine Nischenförderung und kein identitätspolitisches Projekt. Sie sind eine Frage von Gerechtigkeit.






