• Endometriose ist eine tückische Krankheit, die auch die Fruchtbarkeit beeinflussen kann
  • Eine Endometriose-Expertin erklärt hier, was sie Betroffenen mit Kinderwunsch rät
  • Und warum eine OP nicht immer die beste Methode ist

Endometriose ist eine der häufigsten Unterleibserkrankungen bei Frauen. Laut der deutschen Endometriose-Vereinigung e.V. leiden alleine in Deutschland rund zwei Millionen Frauen darunter. Dabei wächst das Gewebe, welches der Gebärmutterschleimhaut ähnelt, außerhalb der Gebärmutter. Im Gegensatz zur Gebärmutterschleimhaut kann das Gewebe nicht während einer Menstruation abfließen. Dadurch können Zysten und Blutansammlungen entstehen, das Gewebe kann zusätzlich vernarben oder sich entzünden.

Doch damit nicht genug: Endometriose kann auch eine Auswirkung auf die Fruchtbarkeit der Frau haben. Prof. Dr. med. Sylvia Mechsner ist Leiterin des Endometriosezentrum am Charité Campus Virchow-Klinikum. Im Interview erklärt sie, wie es mit einem Baby trotzdem klappen kann und welcher Irrglaube Frauen unnötig leiden lässt.

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Endometriose: Diagnose ist oft besonders langwierig

Frau Dr. Mechsner, rund zwei Millionen Frauen in Deutschland leiden unter Endometriose. Trotzdem wird die Krankheit oft erst spät erkannt. Warum ist das so?

Mechsner: Problem ist, dass über 70 Prozent aller Frauen Regelschmerzen haben und es schwer ist, die normalen Regelschmerzen von pathologischen abzugrenzen. Endometriose ist ein schleichender Prozess, der anfangs bei einer Untersuchung nicht auffällt und erst bei fortgeschrittener Situation im Ultraschall sichtbar wird. Leider kann man die Erkrankung erst dann im Ultraschall deutlich erkennen, wenn sie fortgeschritten ist und sich bereits mehrere Herde gebildet haben.

Prof. Dr. med. Sylvia Mechsner ist Leiterin des Endometriosezentrum am Charité Campus Virchow-Klinikum
Prof. Dr. med. Sylvia Mechsner ist Leiterin des Endometriosezentrum am Charité Campus Virchow-Klinikum© privat | Privat

Auch die Tatsache, dass Regelschmerzen als Symptom gerne übersehen werden, trägt zu einer verschleppten Diagnose bei. Regelschmerzen wurden nun mal gesellschaftlich normalisiert. Junge Frauen wachsen mit dem Gedanken auf, man müsste Schmerzen während der Periode ertragen, da muss man eben durch und sich nicht so anstellen. Aber das stimmt nicht. Starke Regelschmerzen sind nie normal und man sollte sie auch nie aushalten. Und wenn eine Schmerztablette die Schmerzen nicht still, dann ist es ein möglicher Hinweis auf Endometriose und das sollte stets ärztlich abgeklärt werden. Aber eine Schmerzanamnese dauert seine Zeit, die fehlt in Arztpraxen oft.

Welche Symptome treten noch auf, außer starken Regelschmerzen?

Mechsner: Die Symptome können sehr vielfältig sein. Neben starken Regelschmerzen können auch Schmerzen beim Geschlechtsverkehr auftreten. Aber auch Schmerzen bei Wasserlassen oder Stuhlgang sind typisch. Viele Betroffene klagen zudem über Übelkeit oder Erbrechen.

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Warum Endometriose eine Schwangerschaft erschweren kann

Endometriose kann auch die Fruchtbarkeit beeinflussen. Können betroffene Frauen auf natürlichem Weg überhaupt schwanger werden?

Mechsner: Ja, selbstverständlich. Im weltweiten Vergleich haben Frauen mit Endometriose nicht häufiger Fruchtbarkeitsprobleme als Frauen ohne Endometriose. Das heißt aber nicht, dass diese Krankheit die Fruchtbarkeit nicht beeinflusst, sondern zeigt nur die Tatsache, dass in anderen Teilen der Welt Frauen viel früher Kinder bekommen als in Deutschland und es im jüngeren Alter noch keine so ausgeprägte Probleme mit Endometriose gibt.

Das Alter spielt also auch bei der Endometriose eine wichtige Rolle?

Mechsner: Absolut. Das Alter spielt bei Frauen mit Kinderwunsch immer eine Rolle und bei Endometriose im Besonderen. Ab 35 Jahren nehmen sowohl die Anzahl als auch die Qualität der Eizellen ab. Wenn dazu noch vernarbtes Gewebe oder Zysten in den Eierstöcken kommen, erschwert es die Empfängnis zusätzlich. Das Schlimmste ist also, wenn bei der Frau eine schwere Endometriose erst mit Ende 30 diagnostiziert wird. Grundsätzlich gilt: je fortgeschrittener eine Endometriose ist, desto höher ist auch das Risiko, dass eine Frau nicht schwanger werden kann. 

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Können Sie erklären, inwiefern Endometriose das Kinderkriegen überhaupt beeinflussen kann?

Mechsner: Bei der Endometriose entstehen häufig Zysten an den Eierstöcken, diese können die Eizellreifung stören und darunter leidet die Qualität der Eizellen. Früher dachte man, es hilft, diese Zysten operativ zu entfernen und so das Problem zu beheben. Doch oft wird damit genau das Gegenteil erreicht. Bei solchen Operationen wird häufig auch das gesunde Gewebe entfernt, weil die Zysten sehr eng damit verbunden sind. Das kann wiederum die Anzahl der Eizellen reduzieren.

Darüber hinaus kann es in den Eileitern zu Verklebungen und Verwachsungen kommen und so den Transport der Eizelle zur Gebärmutter behindern. Wir wissen mittlerweile auch, dass Endometriose zudem den gerichteten Transport von Spermien stören kann. Das Spermium kann deswegen oft gar nicht zur Eizelle gelangen.

Eizellen einfrieren: Wann es sich lohnt und wer die Kosten übernimmt

Was raten Sie Frauen, die unter Endometriose leiden und einen Kinderwunsch haben?

Mechsner: Am besten wäre es natürlich, den Kinderwunsch vorzuziehen oder zumindest nicht weit nach hinten zu verschieben. Ich weiß aber auch, dass mit dieser Empfehlung viele Frauen in ihren Zwanzigern nichts anfangen können. Sie haben oft noch nicht den richtigen Partner gefunden oder können sich Kinder schlichtweg finanziell nicht leisten. Sollte man den Kinderwunsch nicht vorziehen können, besteht noch die Möglichkeit eines sogenannten Medical Freezing. Dabei werden eigene Eizellen eingefroren und für später eingelagert. Haben Frauen Endometriosezysten und brauchen sie eine Operation, übernehmen sogar die Krankenkassen die Kosten für Medical Freezing.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Endometriose?

Mechsner: Es ist wichtig zu wissen, dass Endometriose eine chronische Krankheit ist. Sie ist also nicht heilbar, auch wenn die Symptome mit dem Einsetzen der Wechseljahre oft besser werden. Zur Behandlung von Symptomen empfiehlt sich eine hormonelle Therapie. Wir verschreiben den Frauen meist ein Gestagen-Präparat, das ist anders als die Antibabypille östrogenfrei, führt aber genauso zur Unterdrückung des Eisprungs, damit sich die Gebärmutterschleimhaut nicht aufbaut und die Frauen so ihre Periode nicht mehr bekommen. Wenn die hormonelle Therapie nicht hilft und die Frauen weiterhin Schmerzen haben, sollte man auch über eine OP sprechen und die Vor- und Nachteile individuell abwägen.