Rund 1,8 Millionen Menschen leben in Deutschland mit Demenz – ohne effektive Präventionsmaßnahmen könnte diese Zahl bis 2050 auf 2,7 Millionen ansteigen. Demenz, darunter auch Alzheimer, geht mit dem Verlust geistiger Fähigkeiten einher und ist derzeit unheilbar.
Forscher des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen und der Harvard Medical School zeigen nun jedoch in einer neu veröffentlichten Studie auf, dass 36 Prozent der Demenzfälle in Deutschland auf zwölf veränderbare Risikofaktoren zurückzuführen sind – und damit potentiell vermeidbar wären. Grundlage der Studie sind aktuelle Daten des Deutschen Alterssurveys 2023 (DEAS), einer bundesweit repräsentativen Befragung von Menschen ab 40 Jahren.
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Diese Faktoren können Demenz begünstigen
- Geringe Bildung
- Hörverlust
- Hoher LDL-Cholesterinspiegel
- Depressionen
- Bewegungsmangel
- Rauchen
- Diabetes
- Bluthochdruck
- Adipositas
- Alkoholkonsum
- Soziale Isolation
- Sehbehinderung
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Die neuen Ergebnisse bestätigen die Einschätzungen der renommierten Lancet-Kommission, die bereits 2020 darauf hingewiesen hatte, dass sich weltweit rund 45 Prozent aller Demenzerkrankungen verhindern oder zumindest deutlich hinauszögern lassen, wenn 14 bekannte Risikofaktoren konsequent reduziert werden – darunter auch weniger offensichtliche wie traumatische Kopfverletzungen oder Luftverschmutzung.
Demenzrisiko senken: Hunderttausende Erkrankungen bis 2050 vermeidbar
Die aktuelle Analyse geht sogar noch einen Schritt weiter: Schon eine Senkung dieser Risiken um lediglich 15 Prozent könnte bis zum Jahr 2050 etwa 170.000 Demenzfälle in Deutschland verhindern – bei einer Reduktion um 30 Prozent wären es mehr als 330.000 vermeidbare Erkrankungen. Auch Herzkrankheiten, Schlaganfällen oder Krebs könnte man so entgegenwirken.
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Die Studie zeigt klar: Einige Risikofaktoren tragen in Deutschland besonders stark zur Verbreitung von Demenzerkrankungen bei. Allen voran Depressionen, gefolgt von Hörverlust, geringer Bildung, Übergewicht bzw. Adipositas sowie Diabetes. Bemerkenswert ist, dass viele dieser Faktoren nicht allein durch individuelles Verhalten beeinflusst werden können. Auch die medizinische Versorgung und gesellschaftliche Rahmenbedingungen spielen eine entscheidende Rolle – etwa der Zugang zu psychotherapeutischer Hilfe, zu Hörgeräten oder zu Angeboten der Gesundheitsbildung.
Risikomuster bei Demenz: Forschende identifizieren verschiedene Gruppen
Nicht alle Menschen tragen das gleiche Risiko, an Demenz zu erkranken. Deshalb analysierten die Forschenden nicht nur das Gesamtrisiko, sondern identifizierten mithilfe einer sogenannten Latent-Class-Analyse typische Risikomuster in der Bevölkerung.

Es entstanden vier klar abgegrenzte Profile:
- Metabolisches Profil (ca. 18 Prozent): geprägt von Bluthochdruck, Übergewicht/Adipositas, erhöhten Cholesterinwerten und Diabetes.
- Sensorisches Profil (ca. 23 Prozent): vor allem Menschen mit Hör- und Sehbeeinträchtigungen.
- Alkoholprofil (ca. 24 Prozent): erhöhter Konsum und alkoholverbundene Gesundheitsrisiken.
- Niedrigrisikoprofil (ca. 36 Prozent): insgesamt wenige belastende Faktoren.
Diese Risikoprofile sind eng verknüpft mit sozialen und regionalen Merkmalen wie Alter, Bildungsstand und Wohnort. Besonders häufig finden sich hohe Risikokombinationen in Ostdeutschland und in ländlichen Regionen. Ältere Männer und Menschen mit niedriger Bildung sind ebenfalls überdurchschnittlich vertreten.
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Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN), hebt gegenüber der „Apotheken-Umschau“ hervor, dass Prävention weit über kognitives Training wie Fremdsprachenlernen oder Kreuzworträtsel hinausgeht. Mindestens ebenso wichtig sei ein gesunder Lebensstil. Sein Fazit: „Das ist alles wichtig. Genauso ist aber belegt, dass die richtige Ernährung zum Beispiel in Form der mediterranen Kost, möglichst wenig Alkohol, ausreichend körperliche Bewegung und ein gesundes Körpergewicht das Demenzrisiko senken.“ Schon in jungen Jahren sei es wichtig, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen.
Die Studie stützt sich auf aktuelle, repräsentative Daten des Deutschen Alterssurveys 2023, an dem fast 5.000 Personen ab 40 Jahren teilnahmen. Auf Basis dieser Erhebung ermittelte das Forschungsteam, wie häufig die 14 von der Lancet-Kommission definierten, veränderbaren Demenzrisikofaktoren in Deutschland vorkommen. Diese Prävalenzen wurden anschließend mit internationalen Risikoschätzungen kombiniert, um das nationale Präventionspotenzial zu berechnen und typische Risikogruppen datenbasiert zu identifizieren.
lcz








