Es war ein Einbruch, der wie aus einem Film wirkt. Und doch ist er bittere Realität: Innerhalb von nur vier Minuten haben Unbekannte am Sonntagvormittag acht Schmuckstücke aus der Galerie d’Apollon im Pariser Louvre gestohlen – jenem prunkvollen Saal, in dem Frankreich seine Kronjuwelen präsentiert.

Die Beute: Diademe, Broschen und Ketten, die einst Kaiserinnen und Königinnen gehörten. Nach Angaben des französischen Kulturministeriums handelt es sich um Objekte „von unschätzbarem kulturellem Wert“.

Saphirdiadem aus dem Louvre – Glanz der Königinnen Hortense und Marie-Amélie

Unter den gestohlenen Juwelen befindet sich eines der kostbarsten Stücke der französischen Kronsammlung: ein Diadem, gefertigt im frühen 19. Jahrhundert, besetzt mit 24 Ceylon-Saphiren und 1.083 Diamanten. Es wurde zunächst von Königin Hortense de Beauharnais, der Tochter Joséphines, getragen, später von Marie-Amélie, der Ehefrau von König Louis Philippe I. Der Louvre zählt das Diadem zu den bedeutendsten Werken französischer Juwelierkunst.

Das aus Saphiren und Diamanten gefertigte Schmuckstück wurde zunächst von Königin Hortense, später von Marie-Amélie getragen.
Das aus Saphiren und Diamanten gefertigte Schmuckstück wurde zunächst von Königin Hortense, später von Marie-Amélie getragen.© AFP | Stephane De Sakutin

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Saphirhalskette und Ohrringe – das königliche Ensemble

Zum selben Ensemble wie das Diadem gehörte eine Halskette mit acht Saphiren, eingefasst in kunstvoll gearbeitetes Gold, begleitet von einem Paar filigraner Ohrringe. Nach Angaben des französischen Kulturministeriums wurde nur einer der beiden Ohrringe entwendet.

Collier de la parure de saphirs de la reine Marie-Amélie et de la Reine Hortense
Diese Kette gehört zur gleichen Parure, die bis 1985 im Besitz der Familie Orléans verblieb.© Département des Objets d'art du Moyen Age, de la Renaissance et des temps modernes

Dieses prachtvolle Schmuckset blieb bis 1985 im Besitz der Familie Orléans, bevor sie in den Louvre gelangte. Einer alten Legende zufolge soll das Ensemble einst Marie-Antoinette gehört haben – ein Mythos, der den Verlust umso symbolischer macht.

Saphir­ohrringe der königlichen Parure
Teil des Saphir-Schmucksets; beim Diebstahl wurde einer der beiden Ohrringe entwendet.© Mus e du Louvre uvre | © 2016 GrandPalaisRmn (musée du Louvre) / Stéphane Maréchalle

Louvre-Diebstahl: Smaragdkette Napoleons I. – Hochzeitsgeschenk für Marie-Louise

Nicht nur die Juwelen der Königinnen, auch die Beute aus dem napoleonischen Zeitalter ist von herausragender Bedeutung. Besonders kostbar: die Smaragdkette der Kaiserin Marie-Louise, ein Hochzeitsgeschenk Napoleons I. an seine zweite Ehefrau im Jahr 1810.

Nach Angaben des Louvre besteht das Schmuckstück aus 32 Smaragden, darunter zehn in Tropfenform, sowie 1138 Diamanten. Gefertigt wurde es vom Pariser Hofjuwelier François-Régnault Nitot, einem der berühmtesten Goldschmiede seiner Zeit. Zur Feier der Vermählung ließ Napoleon gleich zwei prunkvolle Schmucksets anfertigen – eines mit Smaragden, das andere mit Opalen und Diamanten.

Juwelendiebstahl im Louvre
Napoleon I. schenkte das Smaragdensemble 1810 seiner zweiten Ehefrau. Die Kette ziert eine Fassung aus 32 Smaragden und 1138 Diamanten.© Stephane De Sakutin/AFP/dpa | Stephane De Sakutin

Ebenfalls von Nitot geschaffen waren die dazugehörigen Smaragdohrringe, die zu den wertvollsten Exponaten der Sammlung zählten. Seit 2004 befanden sich Kette und Ohrringe im Besitz des Louvre und galten als Herzstück der Smaragdparure der Kaiserin Marie-Louise – auch sie gehören nun zur Beute der Täter. Eine Parure ist ein Schmuckset, das häufig aus Ketten, Ohrringen und dazugehörigen Armreifen besteht.

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Diadem der Kaiserin Eugénie – Schmuckikone des Zweiten Kaiserreichs

Nach den Juwelen der Kaiserinnen Joséphine und Marie-Louise traf es auch den Glanz des Zweiten Kaiserreichs: das prachtvolle Diadem der Kaiserin Eugénie de Montijo. Die gebürtige Spanierin, Ehefrau Napoleons III., vereinte Stilbewusstsein mit politischer Symbolkraft und prägte das Modeideal ihrer Zeit.

Inspiriert von der Ästhetik Marie-Antoinettes, ließ sie ein Diadem fertigen, das mit 212 Perlen und fast 3000 Diamanten nicht nur höfischen Prunk verkörperte, sondern auch das Selbstverständnis einer modernen Monarchin spiegelte.

Das Diadem der Kaiserin Eugénie
Ein glanzvolles Relikt des Zweiten Kaiserreichs – das Diadem der Kaiserin Eugénie de Montijo.© Département des Objets d'art du Moyen Age, de la Renaissance et des temps modernes | © 2015 GrandPalaisRmn (musée du Louvre) / Stéphane Maréchalle

Miederschleife der Kaiserin Eugénie – Diamantbesetztes Meisterwerk aus dem Louvre

Doch die Kaiserin liebte nicht nur Diademe: Ein weiteres Juwel aus ihrer Hofgarderobe zeugt von der verschwenderischen Pracht des Zweiten Kaiserreichs – die Miederschleife der Kaiserin Eugénie.

Die Miederschleife der Kaiserin Eugénie de Montijo
Zwischen 1852 und 1870 aus Silber, Gold und Diamanten gefertigt – Teil der prachtvollen Hofgarderobe der Kaiserin Eugénie de Montijo.© imago images/IP3press | Aurelien Morissard via www.imago-images.de

Zwischen 1852 und 1870 aus Silber, Gold und über 2.400 Diamanten gefertigt, war sie ein glitzerndes Prunkstück höfischer Mode und zählte zu den bekanntesten Schmuckstücken ihrer Zeit. Der Louvre erwarb das außergewöhnliche Stück im Jahr 2008.

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Reliquienbrosche der Kaiserin Eugénie

Neben den prunkvollen Paruren verschwand auch ein kleineres, aber nicht minder kostbares Schmuckstück aus der Sammlung der Kaiserin: eine Diamantbrosche aus dem Jahr 1855.

Der Louvre führt sie in seinen Beständen als sogenannte „Reliquienbrosche“, betont jedoch, dass das kunstvoll gearbeitete Objekt keine Fassung für eine echte Reliquie besitzt – der Name verweist allein auf die religiös inspirierte Formensprache des Designs. Die filigrane Brosche gehörte zu den ältesten Objekten des Diebstahls.

Diamantbrosche der Kaiserin Eugénie
Diamantbesetztes Schmuckstück von 1855, das einst Eugénie de Montijo gehörte – im Louvre als "Reliquienbrosche" bezeichnet.© Département des Objets d'art du Moyen Age, de la Renaissance et des temps modernes | © 2022 GrandPalaisRmn (musée du Louvre) / Stéphane Maréchalle

Krone der Kaiserin Eugénie – Wiedergefundenes Prunkstück des Louvre-Raubs

Nach Tagen voller Hiobsbotschaften gab es schließlich ein kleines Aufatmen: Ein neuntes Schmuckstück ist wieder aufgetaucht – die Krone der Kaiserin Eugénie, besetzt mit 1354 Diamanten und 56 Smaragden.

Juwelendiebstahl im Louvre
Ein Stück Geschichte kehrt zurück: die Krone der Kaiserin Eugénie, geschmückt mit 1.354 Diamanten und 56 Smaragden, wurde nach dem Diebstahl wieder aufgefunden.© Stephane De Sakutin/AFP/dpa | Stephane De Sakutin

Laut dem französischen Kulturministerium wurde sie unweit des Museums in einem Etui gefunden, offenbar während der Flucht verloren. Nach Informationen aus Ermittlerkreisen weist die Krone leichte Beschädigungen auf; ihr Zustand werde derzeit im Louvre untersucht.

Kulturministerin Rachida Dati sprach gegenüber dem Sender „TF1“ von einem „kleinen Trost inmitten eines großen Verlusts“. Der Fund wecke Hoffnung, sagte sie, dass auch weitere der gestohlenen Juwelen wieder auftauchen könnten.