Die verwelkten Tulpen? Na klar, wandern in die Biotonne! Die Eierschalen, der Kaffeefilter, der Apfelrest ebenso. Der im geöffneten Becher schlecht gewordene Quark auch, allerdings nur der Inhalt, nicht der Becher selbst. Plastik hat in der Biotonne nichts zu suchen. Nur: Es landet trotzdem darin.
Seit heute (15.09.) schauen die Entsorgungsbetriebe im Norden daher noch genauer hin: Wer Plastik, Glas oder andere Fremdstoffe in der Biotonne entsorgt, riskiert, dass die Tonne einfach stehen bleibt. Hintergrund sind strengere Vorgaben zur Reinheit von Bioabfällen, die seit Mai bundesweit gelten.
Unter dem Motto „Dein Biomüll ist wichtig fürs Klima“ beteiligen sich zahlreiche Kommunen an der gemeinsamen Aktion. Sie ist Teil der bundesweiten Kampagne „Wir für Bio“, an der mittlerweile mehr als 80 Abfallwirtschaftsbetriebe teilnehmen. Ziel ist es, Bürgerinnen und Bürger für die saubere Trennung von Bioabfällen zu sensibilisieren.
Biomüll trennen: Warum sich die Mülltrennung lohnt
Viele Bürger stellen sich die Frage: „Wird aller akribisch gesammelter Müll am Ende nicht doch nur wieder zusammengeschmissen und verbrannt?“ Tim Hermann ist Experte für Bioabfall im Umweltbundesamt (UBA) und sagt: „Nein, Trennen lohnt sich.“ Die Müllabfuhr bringe den Biomüll in Kompostwerke, wo er zu Humus verrotte, oder zu einer Biogasanlage, wo er zunächst vergäre, sodass Biogas entstehe, aus dem Strom oder Wärme gewonnen würden. Und die Gärreste würden auch noch zu Kompost verarbeitet.
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Biomüll und Plastik: Warum Fremdstoffe im Bioabfall zum Problem werden
„Aus Biomüll entstehen wertvolle Rohstoffe“, sagt Hermann. Landwirte und Gärtner nutzten den Humus, um ihre Böden zu düngen. Nur: Werde Kunststoff mit den Essensresten oder sonstigem organischen Abfall in die Biotonne geworfen, könne er oft nicht richtig aussortiert werden. Er zerreißt in Fitzel, wird noch kleiner zerrieben. So landeten am Ende Plastikschnipsel mit dem Kompost auf Acker und Beeten. Das soll jetzt gestoppt werden.
Bioabfallverordnung: Neue Regeln für Biomüll seit Mai
Ab dem 1. Mai greift ein neuer Passus in der Bioabfallverordnung – eine Art Reinheitsformel. Dann dürfen im Bioabfall, den die Müllabfuhren bei den Kompostierungs- oder Vergärungsanlagen abladen, nur noch maximal drei Prozent Fremdstoffe enthalten sein. Seit dem 15. September kontrollieren viele Kommunen nordweit gezielt, ob diese Vorgaben eingehalten werden.
Wird dies nicht eingehalten, können die Betreiber der Anlagen den Abfall künftig zurückweisen oder mit einem Aufkleber zur Nachsortierung versehen. Neben Plastik zählen zum Beispiel Glas und Metalle zu Fremdstoffen und damit auch Kronkorken und Blechdosen. Oder Zigarettenstummel, mineralisches Katzenstreu und Babywindeln. Um die neuen Vorgaben einhalten zu können, wird die Müllabfuhr künftig schauen, was in den Biotonnen steckt, die sie abholen.
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Dünne Plastiktüten im Biomüll sind ein großes Problem
„In innerstädtischen Gebieten und in großen Wohnanlagen findet sich im Biomüll häufig besonders viel, was nicht reingehört“, sagt UBA-Mann Hermann. Besser sei es überall, „wo jede Tonne einem einzelnen Haushalt zuzuordnen ist wie in Siedlungen mit Einfamilienhäusern.“ In Ordnung ist aber auch dort nicht alles. Hermann sagt: „Essensreste werden oft in dünnen durchsichtigen Plastiktüten vom Gemüsestand oder der Obstabteilung im Supermarkt gesammelt, damit es nicht stinkt, und dann wird alles zusammen in die Biotonne geworfen.“
Diese Tüten seien Verpackungen zuzurechnen. Sie gehörten in den gelben Sack, extra gekaufte Müllbeutel indes in die Restmülltonne. Letzteres gelte meist auch für jene aus biologisch abbaubarem Kunststoff. Denn der werde in vielen Kompostierungsanlagen nicht schnell genug zersetzt. Wer wolle, könne den Abfall einfach in Papiertüten sammeln oder in Zeitungspapier einwickeln, in kleinen Mengen schade beides im Biomüll nicht.

Biomüll richtig trennen: Was in die Biotonne darf und was nicht
Die Grundregel sei einfach, sagt eine Sprecherin des Verbandes kommunaler Unternehmen, zu denen viele Müllentsorger zählen. „Alles, was nicht bio ist, gehört nicht in den Biomüll.“ Alle pflanzlichen Küchenabfälle dürften also hinein, darüber hinaus auch Gartenabfälle. Nur der Schnitt von Sträuchern oder die Äste von Bäumen seien zu einer kommunalen Annahmestelle zu bringen. Und was heißt das im Detail, etwa für die Zitronenschale?
„Biotonne“, meint die Sprecherin, „auch wenn sie gewachst ist, das ist meist nur eine sehr dünne Schicht.“ Auch die unbehandelten Holzstäbchen aus dem Asia-Restaurant, gehörten in die Biotonne, die Zahnbürste aus Bambus aber nicht. „Alles aus Bambus verrottet zu langsam, muss in den Restmüll, also in die schwarze Tonne.“ Der Dreck aus dem Staubsaugerbeutel ebenfalls, denn in ihm stecken oft Kunststoffkrümel. Genaue Informationen lieferten Entsorger oder kommunale Abfallberatungsstellen auf ihren Internetseiten, sagt die Sprecherin.
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Biomüll-Kontrollen: So prüfen Entsorger die Biotonnen
Die Müllabfuhr kann die Biotonne einfach aufmachen, um sich oberflächlich einen Eindruck zu verschaffen. Andere Möglichkeit: Entsorger bringen Detektoren an den Müllwagen an, die noch vor dem Entleeren der Tonne erkennen, ob in ihr Metall liegt. „Piepst es, kann man davon ausgehen, dass insgesamt nicht sauber gesammelt wurde“, sagt UBA-Experte Hermann. Es gebe zudem Müllfahrzeuge mit Kameras, die die geöffnete Tonne kurz vor dem Auskippen knipsten. Das Foto werde mithilfe künstlicher Intelligenz sofort ausgewertet. In manchen Regionen gibt es sogar einen positiven Anreiz: Ist der Biomüll korrekt sortiert, hängt die Müllabfuhr nach der Leerung einen kleinen Dankeschön-Anhänger an die Tonne.
Kontrollen sind vielerorts schon Alltag – künftig dürfte ihre Zahl jedoch weiter steigen. In Niedersachsen beteiligen sich derzeit die Abfallwirtschaftsbetriebe der Landkreise Göttingen, Emsland, Osnabrück und Heidekreis an der gemeinsamen Aktion. Auch außerhalb nehmen Kommunen regelmäßig Biotonnen ins Visier, etwa in Wolfenbüttel oder im Landkreis Göttingen.
Die strikteren Kontrollen beim Biomüll zeigen, wie ernst es Kommunen mit Umwelt- und Ressourcenschutz meinen. Doch nicht nur im Abfallbereich, auch in anderen Feldern rücken Umweltdelikte stärker in den Fokus. Ein Blick nach Berlin zeigt, wie sich die Umweltkriminalität dort entwickelt hat: So hat sich die Umweltkriminalität in Berlin entwickelt
Falsche Mülltrennung: Welche Strafen drohen?
Wird falsch sortiert, seien zwar Bußgelder denkbar, eher aber bekomme man zunächst eine gelbe Karte, meint Hermann. Heißt: Die Tonne wird zwar nochmal geleert, an sie wird aber ein Anhänger für eine Verwarnung gehängt. Bessere sich bei der nächsten Sammlung nichts, könne dann bei einer der nächsten Leerungen eine rote Karte folgen, so der UBA-Experte. „Die Tonne bleibt samt Inhalt stehen und wird später als Restmüll abgeholt.“ Für die Extratour fielen Extrakosten an. Diese müsse man selbst tragen.






