Eine einzige Mutation des Vogelgrippevirus H5N1, das mittlerweile auch in Deutschland stark grassiert, könnte ausreichen, um die Übertragung auf Menschen zu erleichtern. Dies zeigt eine Studie aus vergangenem Dezember, die im Fachjournal „Science“ erschienen ist.
Die Forscherinnen und Forscher um Ting-Hui Lin vom Scripps Research Institute aus Kalifornien (USA) modifizierten den Angaben zufolge das erste bekannte H5N1-Virus aus Rindern, das im Frühjahr 2024 bei einem Menschen im US-Bundesstaat Texas nachgewiesen worden war. Dazu veränderten sie die Bindungsstelle des Virus, mit dem es an die Zelloberfläche des Wirtes andockt.
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Mit nur einer einzelnen Veränderung des sogenannten Hämagglutinin-Proteins, so Lin, sei es gelungen, die Bindungspräferenz des Virus auf menschliche Rezeptoren umzustellen. Das bedeute jedoch nicht, dass das aktuelle H5N1-Virus allein mit dieser Mutation auch zwischen Menschen übertragbar wäre. Allerdings: Die Bindung sei robuster gewesen als im Falle des humanen H1N1-Schweinegrippevirus, das im Jahr 2009/2010 eine Pandemie ausgelöst hatte. Ähnliche Mutationen sind der Studie zufolge auch von den Grippe-Pandemien 1918, 1957 und 1968 bekannt.
2024 gab bereits mehrere bestätigte Fälle von menschlichen Infektionen. Meist brauchte es dazu einen engen Kontakt zu den Tieren. Auch ein Jugendlicher in British Columbia (Kanada) infizierte sich und erkrankte schwer. Die Infektionsquelle des Teenagers bleibt unklar, er hatte keinen Kontakt zu Wildvögeln oder Geflügel- und Rinderfarmen.
Vogelgrippe: Wissenschaftler aus Deutschland fordern Früherkennung und Testungen
Für Wissenschaftler in Deutschland waren die Studie aus Kalifornien und der Fall des infizierten Jugendlichen in Kanada Belege dafür, dass H5N1 Pandemie-Potenzial hat und es notwendig sei, die H5N1-Ausbreitung vor allem in den USA intensiv zu überwachen. Eine vollständige Anpassung an den menschlichen Rezeptor sei möglich, auch wenn H5N1 dazu weitere Hürden überwinden müsste, sagte Prof. Martin Beer vom Friedrich-Loeffler-Institut, dem Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit. Das müsse bei der Risikoeinschätzung unbedingt beachtet werden.
„Menschen, die in infizierten Betrieben tätig sind, müssen unbedingt entsprechend geschützt werden. In allen Bereichen sind zudem engmaschige Früherkennungs- und Beobachtungs-Maßnahmen notwendig“, so Beer. Dazu gehörten auch umfassende Testungen und Untersuchungen des kompletten genetischen Materials des Virus.
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„Das Infektionsgeschehen in den USA macht eine engmaschige Überwachung von Virusisolaten aus Menschen und anderen Tieren unbedingt erforderlich“, sagte auch Prof. Martin Schwemmle vom Institut für Virologie am Universitätsklinikum in Freiburg. Nur so könne das Auftreten weiterer Mutationen, die das Risiko für den Menschen erhöhen, frühzeitig erkannt werden. Dem Experten zufolge ist dies vor allem im Hinblick auf die bevorstehende Grippewelle und die Möglichkeit eines Austauschs genetischer Informationen zwischen H5N1-Viren und humanen Influenzaviren von Bedeutung.
Expertin beunruhigt: Vogelgrippe-Virus H5N1 grassiert in mehreren Bundesländern
Prof. Dr. Christa Kühn erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion: „Das Virus ist nach wie vor ein Vogelvirus. Es gibt hohe Hürden, bevor es auf den Menschen übergehen kann. Infektionen des Menschen bei starker Exposition, etwa beim Bergen verendeter infizierter Vögel, sind aber nicht auszuschließen.“
Sie mahnt: „Deshalb ist für solche Fälle das Anlegen einer Schutzausrüstung essenziell. Entscheidend ist, den ungeschützten Kontakt zu infizierten Wildtieren und Geflügel zu vermeiden – auch, damit bei Infektionen des Menschen keine sogenannten ‚Säugetieradaptionen‘ entstehen, also eine Anpassung des Virus an andere Tierarten.“
Das volle Interview lesen Sie hier: Vogelgrippe: Kraniche sterben in Massen – „Uns beunruhigt die Dynamik“





