• Bei der Bundeswehr kommt es überraschend zu ersten Zwangsmusterungen
  • Junge Männer erhalten aktuell Einladungen – auch wenn sie keinen Wehrdienst ableisten wollen
  • Damit drückt die Bundeswehr deutlich aufs Tempo

Überraschung für viele 18-jährige Männer, die gar nicht zur Bundeswehr wollen: Sie werden jetzt zur Zwangsmusterung eingeladen – auch wenn sie im Fragebogen der Bundeswehr angegeben hatten, kein Interesse an einem Dienst in der Truppe zu haben. Das berichtete das Bundesverteidigungsministerium am Freitag in seiner aktuellen Bilanz zur Personalentwicklung.

Bereits seit Juli seien entsprechend der gesetzlichen Vorgaben und im Rahmen freier Kapazitäten bei den Karrierecentern der Bundeswehr fast tausend 18-jährige Männer von dieser verpflichtenden Aufforderung betroffen gewesen.

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Bundeswehr macht bei Musterungen Tempo

Mit dem neuen Wehrdienstgesetz, das Anfang des Jahres in Kraft getreten ist, soll zwar eine flächendeckende Musterung für alle 18-jährigen Männer eingeführt werden. Doch die soll erst im Juli 2027 greifen. Bis dahin baut die Bundeswehr bundesweit 24 moderne Musterungszentren auf. Erst mit dieser fertigen Infrastruktur wird die lückenlose und flächendeckende Musterung ganzer Jahrgänge möglich sein – beginnend mit den Männern des Geburtsjahrgangs 2008.

Bundeswehr: Musterung im Kreiswehrersatzamt
Im Kreiswehrersatzamt in Münster macht ein junger Mann während der Musterung einen Sehtest.© picture-alliance/ dpa | Friso Gentsch

Einstweilen werden vor allem jene Personen gemustert, die in dem Fragebogen Interesse am Dienst in der Bundeswehr äußern. Doch jetzt macht die Bundeswehr Tempo: Die verpflichtenden Musterungen würden „kontinuierlich entlang der sich stetig erweiterten Musterungskapazitäten weiter erhöht“, hieß es.

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Bundeswehr meldet mehr Bewerbungen als im Vorjahr

Die Bundeswehr zieht knapp neun Monate nach Inkrafttreten des neuen Wehrdienstgesetzes zugleich eine positive Bilanz des Fragebogen-Rücklaufs und der Wehrerfassung: Bis Ende August seien 451.400 Personen im Alter von 18 Jahren angeschrieben worden – davon 231. 700 Männer. Innerhalb der Frist hätten rund 96 Prozent der Männer den Fragebogen beantwortet.

Bei den Frauen, die anders als Männer zur Beantwortung nicht verpflichtet sind, liegt die Rücklaufquote allerdings bei extrem niedrigen 3,5 Prozent. Von allen Interessierten hätten bis Ende August rund 3400 Personen ein Assessment durchlaufen, 1155 Bewerber und Bewerberinnen seien danach für eine Verwendung in der Bundeswehr eingeplant worden, der allergrößte Teil von ihnen wird noch dieses Jahr einberufen.

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Nach Bundeswehr-Angaben wächst auch insgesamt die Zahl der Männer und Frauen, die sich für den Dienst in der Truppe bewerben – also auch jenseits der Fragebogen-Erfassung. Mit rund 53.100 Bewerbungen gebe es im August eine Steigerung um rund 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Insgesamt 17.000 Neueinstellungen im August bedeuteten ein Plus von 13 Prozent. Ende August lag demnach die personelle Gesamtstärke des militärischen Personals mit 186.400 Soldatinnen und Soldaten um rund 4000 Personen über dem Niveau von August 2025 – und damit im gesetzlichen Zielkorridor für den Aufwuchs in diesem Jahr.