Die Menschen in Deutschland bringen dem Staat immer weniger Vertrauen entgegen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa für den dbb Beamtenbund und Tarifunion am Donnerstag vorstellte. Nur noch 17 Prozent der Bürgerinnen und Bürger trauen dem Staat zu, seine Aufgaben erfüllen zu können, schreibt der Gewerkschaftsdachverband in der „dbb Bürgerbefragung Öffentlicher Dienst 2026“.
Dies sei ein historischer Tiefpunkt, sagte der Bundesvorsitzende des dbb, Volker Geyer, bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Forsa-Chef Manfred Güllner in Berlin. „Das ist extrem alarmierend. So kann und darf das nicht weitergehen, und ein solcher Vertrauensverlust ist eine Gefahr für unsere Demokratie.“ Güllner nannte die 17 Prozent „eine sehr erschreckende Zahl“.
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Bürgerbefragung: 79 Prozent sehen Staat als überfordert an
Die Zahlen schwanken seit Jahren und gingen zeitweise sogar mal nach oben. 2019 sprachen 34 Prozent der Bürgerinnen und Bürger dem Staat ihr Vertrauen aus. Ein Jahr später stieg der Zuspruch auf 56 Prozent, seitdem sinkt er kontinuierlich. 2021 waren es immerhin noch 45 Prozent, 2022 – im Dezember zuvor war die Ampelkoalition an die Regierung gekommen, und Russland begann seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine – fiel sie auf 29 Prozent. Danach ging es jedes Jahr um zwei Prozentpunkte runter. 2025 – in dem Jahr, als die Merz-Regierung startete – waren 23 Prozent erreicht. Und jetzt also 17 Prozent.
Die Autoren der Umfrage schreiben, dass im Umkehrschluss 79 Prozent (2025: 73 Prozent) der Befragten den Staat angesichts der Fülle seiner Aufgaben und Probleme als überfordert ansehen. Das sind fast doppelt so viele wie noch im Jahr 2020 (40 Prozent).
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AfD-Anhänger sehen Staat besonders kritisch
Besonders groß sind die Unterschiede, wenn man die Zahlen nach Parteipräferenz sortiert. Anhänger der CDU/CSU sprachen dem Staat am meisten Vertrauen aus (38 Prozent). Anhänger der AfD waren am kritischsten (2 Prozent). SPD (33), Grüne (26) und Linke (14) liegen dazwischen.

Was ist der Grund für so viel Misstrauen? Laut dbb sind für diesen Vertrauensverlust die Politikerinnen und Politiker verantwortlich – und nicht die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, wie manche vielleicht meinen würden. Das Vertrauen in die Beschäftigten im öffentlichen Dienst ist nach wie vor hoch, aber auch dieser Wert sinkt. 59 Prozent der Befragten nehmen die Mitarbeiter als verantwortungsbewusst wahr. Das ist eine ordentliche Mehrheit, jedoch der schlechteste Wert seit Jahren. 2025 lag er schon mit 61 Prozent auf einem Tiefpunkt, 2007 waren es noch 70 Prozent.
„Gefordert ist jetzt also die Politik“, so Geyer. „Die Menschen erwarten Verbesserungen.“ Sie würden Reformen erwarten, die sich positiv auf ihr Leben auswirken.
Soziale Sicherungssysteme, Rente und Wirtschaft am wichtigsten
Laut Geyer erwarten die Bürgerinnen und Bürger vor allem in drei Bereichen Verbesserungen. Erstens bei den sozialen Sicherungssystemen, „also insbesondere bei der Rente“. Zweitens bei der wirtschaftlichen Entwicklung. „Die Bürgerinnen und Bürger erwarten zurecht mehr Wirtschaftswachstum und vor allem mehr Sicherheit für die Arbeitsplätze.“ Und drittens sei ihnen „eine spürbare Verbesserung der Infrastruktur“ wichtig.

In Zahlen bedeutet das: Vor allem als sehr wichtig oder wichtig erachten die Befragten die Reform und Stabilisierung der sozialen Sicherungssysteme (55 Prozent/36 Prozent), die Sicherung von Wirtschaftswachstum und Arbeitsplätzen (54/38) und die Verbesserung der Infra- und Verkehrsstruktur (53/39).
Zuwanderungspolitik nicht mehr das wichtigste Thema
Dazu passt, dass die Befragten die größten Probleme bei den derzeit aktuellen Reformthemen sehen: soziale Sicherungssysteme und Rente (26) sowie Steuer- und Finanzpolitik (18). Beide Werte stiegen im Vergleich zum Vorjahr (2025: 16 beziehungsweise 13). Die Asylpolitik war in den Jahren zuvor das bestimmende Thema. Dieser Wert fiel jedoch von 2025 bis 2026 von 30 Prozent auf 16 Prozent.
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Die Zuwanderungspolitik werde „nicht mehr als das mit Abstand größte Problem“ gesehen, so dbb-Chef Geyer. „Daran lässt sich möglicherweise erkennen, dass konsequentes politisches Handeln Wirkung zeigt. Die Maßnahmen des Bundesinnenministers in der Zuwanderungspolitik haben offensichtlich dazu beigetragen, den negativen Trend in den Umfragen zu stoppen“, sagte er.
Forsa befragte für die Erhebung im Juli dieses Jahres 2018 repräsentativ ausgewählte Bürgerinnen und Bürger.


![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)



