Wenn Chinas Staatschef den US-Präsidenten empfängt, wirkt er bedacht, in sich ruhend, selbstbewusst. Zweifelsohne: Xi Jinping agiert aus einer Position innerer Stärke. Und diese ist keineswegs gespielt.
Denn der 72-Jährige weiß, dass er derzeit die besseren Trümpfe in der Hand hält. Er muss weder Midterm-Wahlen fürchten, noch hat er sein Militär in einem erschöpfenden Konflikt in Nahost verheddert. Und sobald sein Kontrahent Donald Trump auf Konfrontation geht, kann er ihn jederzeit vom chinesischen De-facto-Monopol auf Seltene Erden abschneiden.
Lesen Sie auch
Xi Jinping nutzt das US-Chaos für Chinas Aufstieg zur Weltmacht
Xi ist von einer historischen Mission getrieben. Er möchte die chinesische Nation zu alter, in seinen Augen rechtmäßiger Größe führen.
Und derzeit scheint der Plan des Parteivorsitzenden erstaunlich gut aufzugehen: Je stärker der US-Präsident gegen seine Alliierten wettert, desto wirksamer kann sich die Volksrepublik als alternative, scheinbar verlässliche Weltmacht präsentieren. Dafür muss Xi Jinping nicht viel mehr tun, als von der Seitenlinie aus zuzuschauen, wie sich die alte Weltmacht zunehmend selbst demontiert.
Dass Xi im Systemwettbewerb momentan am längeren Hebel sitzt, hat das Gipfeltreffen in Peking deutlich offenbart. Während Chinas Staatschef vor den Fernsehkameras eine scharfe Warnung gegen Trump ausgesprochen hatte, in der Taiwan-Frage keine roten Linien zu überschreiten, überhäuft der US-Präsident seinen Gastgeber mit ausschweifenden Komplimenten – jener fast schon unterwürfigen Rhetorik, die Trump normalerweise für sich selbst einfordert.





