Was ist Propaganda? Was ist Lüge? Was wird von der Zensur unterdrückt? Was ist gefälscht? In einer fragilen Welt mit unzähligen Konflikten und einer Demokratie, die unter Druck gerät, sind diese Fragen schwer zu beantworten. Für die Antworten braucht es Menschen mit Mut, die ihr Leben riskieren und die für ihre Leserinnen und Leser genau hinsehen, um die Wahrheit herauszufinden. Um diese Menschen ging es bei einem feierlichen Abend des „Medienverbandes der Freien Presse“ (MVFP) und des „Bundesverbandes Digitalpublisher und Zeitungsverleger“ (BDZV) in der bayerischen Landesvertretung Berlin.

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Unter der Schirmherrschaft von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner verliehen die großen deutschen Medienverbände den Pressefreiheitspreis des „Bündnisses Zukunft Presse“. Ausgezeichnet wurden Jan Jessen, Kriegsreporter der FUNKE Mediengruppe, zu der auch diese Zeitung gehört, Cathrin Kahlweit, Korrespondentin der „Süddeutschen Zeitung“, und der Hongkonger Verleger Jimmy Lai, der nach einem Skandalurteil der chinesischen Justiz zu 20 Jahren Haft verurteilt worden war. 

Inmitten der Stadt Cherson, Ukraine, schauen FUNKE Krisen- und Konfliktreporter Jan Jessen, rechts, und André Hirtz, links, in die Kamera am 04. August 2024.
FUNKE-Krisen- und Konfliktreporter Jan Jessen (r.) und Fotograf André Hirtz im August 2024 in der ukrainischen Stadt Cherson.© FUNKE Foto Services | André Hirtz

FUNKE-Kriegsreporter Jan Jessen berichtet seit Jahren aus Krisenländern

Für die Verbände erklärten die Vorsitzenden, worum es geht. Der Vorstandsvorsitzende des MVFP, Philipp Welte, sagte in seiner Begrüßung: „Für uns in der Welt der Verlage ist Pressefreiheit nicht nur ein Recht – sie ist den Verlagen und den Familien, die hinter ihnen stehen, Verpflichtung.“ Sein Kollege Matthias Ditzen-Blanke vom BDZV unterstrich, dass „diese Form von Journalismus Rahmenbedingungen braucht, die die Arbeit von Journalistinnen und Journalisten ermöglichen und sichern“. 

Mehr Reportagen von Kriegsreporter Jan Jessen

Preisträger Jan Jessen, Politikchef bei der NRZ, berichtet seit Jahren aus Syrien, dem Irak, Israel, Afghanistan und anderen Krisenländern. Während des Ukraine-Kriegs reiste er Dutzende Male in das überfallene Land, berichtete von der Front, aus Lazaretten, Kommandoständen, aber auch aus dem harten Alltag der Bevölkerung. Bei seinen Reisen in die Ukraine wurde Jessen auch von den Fotografen Reto Klar und André Hirtz begleitet.

Reto Klar, Jan Jessen und André Hirtz machen ein Selfie.
Reto Klar, Jan Jessen und André Hirtz (v.l.) nach der Verleihung des Pressefreiheitspreises 2026.© Reto Klar / Funke Foto Services | Reto Klar / Funke Foto Services

FUNKE-Verlegerin Julia Becker über Jan Jessen: „Macht unsere FUNKE-Vision erlebbar“

FUNKE-Verlegerin Julia Becker lobt: „Jan Jessen berichtet nicht einfach nur über Krisen – er hat bei seinen Reportagen immer die Menschen im Blick und macht unsere FUNKE‑Vision mit jedem Artikel erlebbar: Journalismus für eine offene, informierte Gesellschaft.“ Laudatorin Susanne Koelbl vom „Spiegel“ nannte Jessen ein „Vorbild für die Branche“. Seine Arbeit zeige „etwas, das die Künstliche Intelligenz niemals ersetzen wird“. 

Verleihung Pressefreiheitspreis 2026: Jan Jessen gestikuliert auf der Bühne.
FUNKE-Krisenreporter Jan Jessen bei der Verleihung des Pressefreiheitspreises 2026.© FUNKE Foto Services | André Hirtz

Jan Jessen selbst nutzte den Abend für einen Appell an die Verlage: „Schickt uns weiter nach draußen, dahin, wo Berichterstatterinnen und Berichterstatter gebraucht werden. Lasst uns gemeinsam den Lügen und der Desinformation etwas entgegensetzen.“ 

Cathrin Kahlweit von der „Süddeutschen Zeitung“ reist seit Jahrzehnten allein in Krisenländer und ist Ukraine-Expertin. Ihre Kollegin Annette Ramelsberger lobte in ihrer Laudatio Kahlweit, die „nicht nur eine mutige, eine furchtlose Krisenreporterin“ sei, sondern „viel mehr glasklare Analytikerin, unbestechliche Beobachterin“.

Verleihung Pressefreiheitspreis 2026
Die Preisträger des Pressefreiheitspreises 2026 in Berlin: Cathrin Kahlweit, Korrespondentin der „Süddeutschen Zeitung“, FUNKE-Kriegsreporter Jan Jessen und Sebastian Lai, Sohn des inhaftierten Hongkonger Verlegers Jimmy Lai. Schirmherrin des Preises der großen deutschen Medienverbände ist Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (v.l.n.r.).© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Julia Klöckner hält leidenschaftliche Rede zur Pressefreiheit

Sehr bewegend war die Preisübergabe an den inhaftierten Verleger Jimmy Lai, dessen Sohn Sebastian den mit 10.000 Euro dotierten Preis entgegennahm. Er beschrieb, wie dringend Jimmy Lai internationale Unterstützung braucht: „Mein Vater ist ein Mann von Stärke, Mut und Überzeugung. Doch nachdem er nun fast 2000 Tage in Einzelhaft verbracht hat, steht sein Leben auf dem Spiel.“ Oksana Brovko, Vorsitzende des Verbands der unabhängigen Regionalverleger in der Ukraine, sagte in ihrer Laudatio, dass „Freiheit nicht verloren ist, wenn sie attackiert wird. Sie ist verloren, wenn wir aufgeben, sie zu verteidigen“. 

Mit einer sehr leidenschaftlichen Rede zur Pressefreiheit hatte die Schirmherrin, Bundestagspräsidentin Julia Klöckner, die Gäste zum Auftakt der Veranstaltung überrascht. Sie erinnerte daran, dass Pressefreiheit nicht nur weit entfernt, sondern auch in Deutschland mit Gewalt und Drohungen konfrontiert sein kann. Allein zwischen April 2024 und November 2025 habe es „818 Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten in Deutschland gegeben, 89 davon waren Gewaltdelikte“. 

Verleihung Pressefreiheitspreis 2026
Die Preisträger und ihre Laudatoren. Links: Philipp Welte, Vorstandsvorsitzender des MVFP und Sprecher des Bündnisses. Rechts: Matthias Ditzen-Blanke, Vorstandsvorsitzender BDZV, ebenfalls Sprecher des Bündnisses.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Klöckner erinnerte die Verlage und Redaktionen daran, dass es „nicht nur die Verantwortung des Staates für die Medien“ gebe, sondern auch die Verantwortung der Medien zur Pressefreiheit. Schwindendes Vertrauen laste „nicht nur auf uns Politikern, sondern auch auf Journalisten“. Aufgabe von Journalismus sei es, „offen zu prüfen, wohin die Fakten führen“. Denn wer „mit einem fertigen Ziel recherchiert, findet am Ende nur das, was er ohnehin zeigen wollte“. 

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Libanon am Limit: Krieg, Flucht und bröckelnde Waffenruhe – Hilfe aus NRW
Im Krisenmodus
 

Klöckner, die selbst Journalistin war, ließ trotz der kritischen Worte keinen Zweifel an ihrer Haltung aufkommen und brachte es auf den Punkt: „Pressefreiheit ist kein Luxus. Sie ist die Bedingung dafür, dass Demokratie atmen kann.“ Dieser Feststellung konnten Verleger und Journalisten uneingeschränkt zustimmen.