Die CDU hat die sicher geglaubte Wahl in Baden-Württemberg hauchdünn verloren, das muss furchtbar wehtun. Die Gründe dafür, dass sich der Grüne Cem Özdemir auf den letzten Metern vor CDU-Mann Manuel Hagel geschoben hat, können Wahlforscher gut erklären. Da wäre etwa die Enttäuschung der CDU-Stammklientel über die Bundespolitik: „Viel versprochen, aber wenig gehalten.“ – „Zu wenig für die Senkung von Steuern und Abgaben getan.“ Und da ist das Profil des grünen Kandidaten, den viele Wähler sympathischer, glaubwürdiger und kompetenter als seinen jungen Gegner fanden.

Was also lief da schief? Wieso konnte man mit Hagels Jugend nicht punkten, wie lässt sich ein Kandidat besser inszenieren? Wie stimmt man eine Kampagne wie im Ländle optimal auf die Lage im Bund ab? Wie mit kommunikativen Krisen umgehen? Alles politisch lebenswichtige Fragen, denen sich die CDU angesichts der nächsten Wahlen dringend stellen müsste.

Dr.  Melanie Amann 
Chefredakteurin Digital
Melanie Amann ist Chefredakteurin Digital der FUNKE Zentralredaktion.© Peter Rigaud | Peter Rigaud

CDU spricht von „Schmutzkampagne“: Das lässt wenig Gutes hoffen

Doch die CDU verkriecht sich im Sumpf des Selbstmitleids. Schuld scheint für sie primär die „unanständige“ grüne „Schmutzkampagne“ zu sein. Dabei waren die Grünen in Umfragen schon auf einen Punkt an die CDU herangerückt, als eine Grüne das „Rehaugen-Video“ verbreitete. Der Auftritt war so echt wie peinlich, ein gefundenes Fressen, das die CDU auch ausgeschlachtet hätte. Man denke daran, wie die Partei einst ihre Spitzenfrau Annette Schavan mit einer echten Schmutzkampagne aus dem Rennen um die Spitzenkandidatur warf.

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„Grünes Gift“ nennt CDU-Mann Thomas Strobl die Aktion sogar. Das lässt wenig Gutes hoffen, weder für die künftige Koalition im Ländle noch für die innere Stabilität der CDU.