Die USA sind im internationalen Vergleich bei der Korruptionswahrnehmung so schlecht bewertet worden wie nie zuvor. Im aktuellen Korruptionswahrnehmungsindex (Corruption Perceptions Index, CPI) von Transparency International belegen sie nur noch Rang 29 von 182 Staaten – und damit den niedrigsten Platz seit der methodischen Neuausrichtung des Index im Jahr 2012.

Mit 64 von 100 möglichen Punkten – 100 steht für „sehr sauber“, 0 für „sehr korrupt“ – setzen die USA ihren seit Jahren anhaltenden Abwärtstrend fort. Im Vorjahr lagen sie noch einen Platz höher. In der aktuellen Rangliste befinden sie sich nun auf einer Stufe mit den Bahamas und hinter Ländern wie Litauen (28), Barbados (24) und Uruguay (17).

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Der CPI misst nicht tatsächliche Korruptionsfälle, sondern die Wahrnehmung von Korruption im öffentlichen Sektor durch unabhängige Fachleute und Wirtschaftsvertreter.

Kritik an politischer Entwicklung in den USA

Transparency International zeigt sich besorgt über die Entwicklung. „Wir sind sehr besorgt über die Situation in den Vereinigten Staaten“, sagte Maíra Martini, CEO von Transparency International, gegenüber CNN. „Dieser Abwärtstrend könnte sich fortsetzen.“

In einer Stellungnahme erklärte die Organisation, auch jüngste politische Entscheidungen gäben Anlass zur Sorge. „Obwohl die Entwicklungen bis 2025 noch nicht vollständig berücksichtigt sind, geben Maßnahmen, die unabhängige Stimmen ins Visier nehmen und die Unabhängigkeit der Justiz untergraben, Anlass zu ernster Besorgnis.“

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Kritisch bewertet wird unter anderem das zeitweise Aussetzen und Abschwächen der Durchsetzung des Foreign Corrupt Practices Act (FCPA), eines zentralen US-Gesetzes zur Bekämpfung von Bestechung im Ausland. Transparency International betont: „Über die Ergebnisse des CPI hinaus signalisieren das vorübergehende Aussetzen und die Abschwächung der Durchsetzung des Foreign Corrupt Practices Act eine Toleranz gegenüber korrupten Geschäftspraktiken, während Kürzungen der US-Hilfe für die Zivilgesellschaft im Ausland die globalen Antikorruptionsbemühungen geschwächt haben.“

Auch andere Demokratien verlieren an Boden

Nicht nur die USA verzeichnen Rückgänge. Laut Transparency International zeigen mehrere etablierte Demokratien einen „besorgniserregenden Leistungsabfall“, darunter Kanada und Großbritannien.

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Großbritannien erreicht mit 70 Punkten ebenfalls seinen bislang niedrigsten Wert, bleibt jedoch auf Rang 20. Daniel Bruce, Geschäftsführer von Transparency International UK, kritisierte strukturelle Probleme im politischen System: „Wir gehen die eigentlichen Ursachen der Korruption in unserer Politik nicht an.“ Er verwies auf „Megaspender“ politischer Parteien und „fragwürdige öffentliche Ernennungen“.

Weltweiter Negativtrend

Auch global betrachtet verschlechtert sich die Lage. Der weltweite Durchschnittswert fiel auf 42 Punkte – der niedrigste Stand seit über einem Jahrzehnt. „Die überwiegende Mehrheit der Länder scheitert daran, die Korruption unter Kontrolle zu halten“, so Transparency International.

An der Spitze des Rankings steht erneut Dänemark mit 89 Punkten, gefolgt von Finnland und Singapur. Allerdings weist die Organisation darauf hin, dass hohe CPI-Werte nicht automatisch ein insgesamt korruptionsfreies Umfeld garantieren. So stünden etwa die Finanzplätze in der Schweiz und Singapur „im Verdacht, die Geldwäsche erleichtert zu haben“.

Der Index gilt als einer der wichtigsten internationalen Gradmesser für Integrität im öffentlichen Sektor. Für die USA markiert das aktuelle Abschneiden einen weiteren Rückschlag im internationalen Vergleich.