Die vielen Konflikte und Unsicherheit rund um den Erdball begünstigen offenkundig die Verbreitung von Bestechung. „Korruption ist weltweit auf dem Vormarsch“, sagt Alexandra Herzog, Chefin der deutschen Sektion der Organisation Transparency International (TI). Einmal im Jahr stellt TI einen Index vor, der die von Experten und Führungskräften wahrgenommene Korruption in 182 Ländern erfasst. 

Deutschland hat sich im Ranking verbessert und rückte um fünf Plätze auf Rang zehn der am wenigsten anfälligen Staaten vor. Allerdings ist der Erfolg laut TI darauf zurückzuführen, dass sich die Situation in anderen Ländern wie Kanada, Großbritannien oder Uruguay im vergangenen Jahr verschlechtert hat. Im Vergleich zur Lage vor zehn Jahren hat auch Deutschland Pluspunkte eingebüßt.

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Am saubersten laufen Geschäfte und öffentliche Dienste erneut in Dänemark. Das Land erreicht bei der Korruptionsbekämpfung 89 von 100 möglichen Punkten. Dicht darauf folgt Finnland, gefolgt von Singapur, Neuseeland, Norwegen und Schweden. Auch die Schweiz, Luxemburg und die Niederlande schneiden noch besser ab als Deutschland.

Korruption breitet sich in Krisenländern und Autokratien aus

Am Ende der Rangliste finden sich Krisenländer. Auf den letzten Plätzen liegen Libyen, der Jemen, Venezuela, Somalia und das Schlusslicht Südsudan. Generell sind Bestechlichkeit und Vorteilsnahme in Kriegsgebieten besonders stark verbreitet. Aber auch unter autoritären Regierungen gehe es häufige unsauber zu als in funktionierenden Demokratien, berichtet Herzog: „Wo der Rechtsstaat geschwächt, die Freiheit der Medien und der Zivilgesellschaft beschnitten werden, breitet sich Korruption rasch aus, weil es keine Kontrollinstanzen mehr gibt.“ Das zeige sich besonders stark in Ungarn. Mit nur 40 von 100 Punkten liegt das Land auf dem letzten Platz der EU-Staaten.

Das zweifelhafte Geschäftsgebaren von US-Präsident Donald Trump macht sich laut TI noch nicht in der Einschätzung der Vereinigten Staaten bemerkbar. So ließ sich Trump zum Beispiel einen Boeing-Jet schenken. Der Trend in den USA ist für TI jedoch eindeutig erkennbar. „Es ist gravierend“, sagt Herzog, „was dort passiert“. Unter Präsident Joe Biden habe die Bekämpfung der Korruption höchste Priorität genossen. Jetzt gebe es die maximale Kehrtwende.

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Aber auch in Deutschland sieht TI kritische Tendenzen. Vor allem die geplante Abbau von Bürokratie bereitet der Organisation Sorgen. Damit würden teilweise zentrale Kontrollmechanismen gegen Korruption abgebaut, warnt TI. Gerade die Gesetze zur Beschleunigung der Vergabe öffentlicher Aufträge, etwa durch die Bundeswehr, könnten sich demnach als Einfallstor für unsaubere Machenschaften erweisen. TI fordert daher mehr Engagement für die Bekämpfung von Korruption. „Die Bundesregierung sollte sich als Ziel setzen, unter den Top fünf zu sein“, sagt TI-Vize Margarete Bause. Notwendig sei eine nationale Anti-Korruptionsstrategie. Es müssten zudem wirksame Maßnahmen gegen die strukturelle Einflussnahme auf die deutsche Politik aus anderen Ländern eingeleitet werden.