Der mit Spannung erwartete „Grönland Gipfel“ in Washington endete erwartungsgemäß in einer Sackgasse. Und die Reaktion aus Berlin ließ nicht lange auf sich warten. Bereits am Donnerstag wird sich Deutschland gemeinsam mit anderen europäischen Ländern an einer Erkundung in Grönland beteiligen. Ziel wird es nach Angaben des Verteidigungsministeriums sein, „die Rahmenbedingungen für mögliche militärische Beiträge zur Unterstützung Dänemarks bei der Gewährleistung der Sicherheit in der Region zu erkunden.“ Dazu zähle unter anderem die Seeraumüberwachung. Folglich wird ein Erkundungsteam mit 13 Angehörigen der Bundeswehr in die grönländische Hauptstadt Nuuk fliegen und dort Beratungen mit Partnerländern aufnehmen.

Ein Grund für die prompte Antwort seitens der Bundesregierung dürfte der unerfreuliche Gesprächsverlauf in Washington gewesen sein. Das größte Interesse hatte im Vorfeld der Frage gegolten: Würden die Gastgeber, US-Vizepräsident J.D. Vance und Außenminister Marco Rubio, einen versöhnlichen Ton anschlagen? Oder würden sie den Topdiplomaten aus Kopenhagen und Nuuk, den Außenministern Lars Rokke Rasmussen und Vivian Motzfeldt, die Pistole auf die Brust setzen? Schließlich hatte US-Präsident Donald Trump keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit aufkommen lassen. „Wir können den leichten Weg wählen, um Grönland zu übernehmen, oder den harten Weg“. Ganz im Stile eines Mafia-Bosses, der mit Gewalt droht, um seinen Willen durchzusetzen.

Der versöhnliche Ton lag Vance aber fern. Aus regierungsnahen Kreisen verlautete vielmehr, dass der Vizepräsident zwar nicht so rabiat vorging wie im vergangenen Februar. Damals hatte er im Weißen Haus den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wie einen schlecht erzogenen Schuljungen zurechtgewiesen. Entgegenkommend war Vance aber auch nicht, während Rubio offenbar zweite Geige spielte und sich eher bedeckt hielt. Das Gespräch sei „deutlich gewesen“ und es fundamentale Differenzen gab, hieß es anschließend auf beiden Seiten. Im Diplomaten-Jargon heißt das: alles andere als freundlich.

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Gäste aus Kopenhagen und Nuuk sprachen Klartext

Deutlicher hätten die Gäste aus dem hohen Norden nach ihrer Begegnung mit US-Vizepräsident JD Vance und Außenminister Marco Rubio tatsächlich kaum werden können. „Wir wollen nicht, dass die USA uns besitzen“, sagte Motzfeldt. Und ihr dänischer Ressortkollege fügte hinzu: „Es ist absolut nicht notwendig, dass die USA uns kontrollieren“. Rasmussen räumte zwar ein, dass er einige von Trumps sicherheitspolitischen Bedenken nachvollziehen kann. Insbesondere die Tatsache, dass als Folge der globalen Erwärmung arktische Schifffahrtswege zugänglicher werden. Dadurch erhalte die nordatlantische Sicherheitskomponente eine neue Dimension, meinte Rasmussen. 

Beide Gäste machten aber klar, dass sie sich nicht in die Knie zwingen lassen. „Wir haben mit den USA seit 225 Jahren eine Allianz, länger als jedes andere Land“, stellte der Rasmussen fest. Gerade wegen der gemeinsamen Interessen sei es wichtig, „uns auf höchster Ebene an einen Verhandlungstisch zu setzen“. Gleichwohl sei es „völlig inakzeptabel, dass Grönlands Territorium nicht respektiert wird“.

Außenminister von Grönland und Dänemark in Washington
Der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen (l) und die grönländische Außenministerin Vivian Motzfeldt sprechen auf einer Pressekonferenz in der dänischen Botschaft.© John McDonnell/AP/dpa | John McDonnell

Sicher ist damit, dass es US-Präsident Donald Trump nicht gelingen wird, die nordatlantische Insel auf dem Verhandlungsweg zu übernehmen. Was aber kommt nun? Greift er zur Gewalt? Den Weg für eine mögliche Annexion Grönlands hatte zuvor Trumps republikanischer Parteifreund Randy Fine geebnet. Der Kongressabgeordnete veröffentlichte am Montag den „Greenland Annexation Statehood Act“. Der Gesetzesentwurf würde den Präsidenten ermächtigen, „alle notwendigen Schritte“ einzuleiten, um die Insel als 51. Staat in die USA zu integrieren. Dazu zählt im Bedarfsfall auch Gewaltanwendung. Fine begründete sein Ansinnen damit, dass „Grönland kein entlegener Außenposten ist, sondern ein nationales Sicherheitsgut“. 

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Demokraten und auch mehrere Republikaner geißelten den Vorstoß des Republikaners. Sollte es keine Verhandlungslösung zur Übernahme der Insel geben, dann müsste das Gesetz sowohl vom Repräsentantenhaus als auch vom Senat verabschiedet werden. Anzunehmen ist wegen des großen Widerstands, dass der Entwurf trotz der republikanischen Mehrheiten in beiden Kammern nur geringe Chancen hätte, tatsächlich in Gesetzesform gegossen zu werden. 

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Warum greift Trump nach Grönland?

Unterdessen stellt sich die Frage, welche Motivation sich hinter Trumps sehnlichem und keineswegs neuem Wunsch verbirgt, Grönland zu vereinnahmen. Schließlich hat der Präsident schon während seiner ersten Amtszeit entsprechende Begehrlichkeiten artikuliert. Nachdem Hurrikan Maria 2018 weite Teile von Puerto Rico in Trümmer gelegt hatte, wollte Trump ein Tauschgeschäft in die Wege leiten. Er bot der dänischen Regierung das autonome US-Territorium an. Der Präsident wollte sich von Puerto Rico distanzieren, dessen Bevölkerung er „schmutzig“ nannte. Als Gegenleistung forderte Trump von Rasmussen, der damals Ministerpräsident war, dass die Dänen Grönland an die USA abtreten. 

Zwischenzeitlich sind auch andere Beweggründe hinter Trumps Drohgebärden ans Tageslicht gekommen. So geht es zum einen um die Kontrolle über die arktischen Schifffahrtswege. Auch möchte der Präsident Zugang zu seltenen Erden und Rohstoffen haben. Damit will er sich von Chinas marktbeherrschenden Stellung auf diesem Gebiet befreien. Eine geologische Studie der dänischen Regierung aus dem Jahr 2023 hatte ergeben, dass Grönland über Vorkommen von 25 der 34 „kritischen Rohstoffe“ verfügt, die für Elektromobilität und Digitalisierung notwendig sind.