Im Fallschirmjägerregiment 26 der Bundeswehr in Zweibrücken laufen derzeit umfangreiche Ermittlungen wegen des Verdachts auf Rechtsextremismus, sexualisiertes Fehlverhalten, Mobbing und Drogenmissbrauch. Mehrere Soldaten wurden bereits entlassen, weitere Disziplinarmaßnahmen sind eingeleitet. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen 19 Soldaten.

Auslöser für die Ermittlungen seien mehrere Mitteilungen von Soldatinnen des Fallschirmjägerregiments 26 an den Wehrbeauftragten des Bundestages im Juni gewesen. Medienberichte sprechen von Hitlergrüßen, rechtsextremen Gruppenaktivitäten, Übergriffen auf Frauen sowie Gewaltritualen und Drogenkonsum. Insgesamt gibt es Hinweise auf mehr als 200 einzelne Delikte.

Der Kommandeur des Feldheeres, Harald Gante, zeigte sich über die Vorfälle „schier sprachlos“. „Schlechte Führung wird im Heer nicht geduldet“, betonte er. Das Verteidigungsministerium kündigte einen Aktionsplan für die Luftlandetruppe an, der Maßnahmen in Ausbildung, Führung und Prävention bündeln soll.

Rechtsextreme Vorwürfe: Ermittlungen gegen Soldaten in Zweibrücken


Unter Berufung auf Regimentsinsider berichtete die „FAZ“ über „Hitlergrüße und eine angebliche Nazi-Party“. Es habe in Zweibrücken eine „rechtsextreme, offen antisemitische Clique“ gegeben. Frauen in der Truppe hätten Exhibitionismus erlebt und sich Pornowitze und Vergewaltigungsfantasien anhören müssen.

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Der zuständige Pressesprecher der Luftlandebrigade 1 in Saarlouis sagte, solange Staatsanwaltschaft und Wehrdisziplinaranwaltschaft am Ermitteln seien, könnten keine einzelnen Sachverhalte bestätigt oder dementiert werden. 

Boris Pistorius fordert umfassende Aufklärung

Verteidigungsminister Boris Pistorius bezeichnete die Vorfälle als „erschütternd“ und forderte eine umfassende Aufklärung. „Es muss klar sein, dass Extremismus, sexuelles Fehlverhalten und Drogenkonsum in der Bundeswehr nichts verloren haben“, sagte der Minister. Er verlangt, dass das Vertrauen in die militärische Führung wiederhergestellt und die Taten konsequent geahndet werden.

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Pistorius zeigte sich aber unzufrieden, wie die militärische Führung vor Ort zunächst auf die gemeldeten Fälle reagierte. Zwar sei sofort ermittelt worden und der gesamte Sachverhalt werde seither umfassend aufgeklärt, mit ersten harten Konsequenzen. „Was nicht geht, ist, dass das Fehlverhalten vor Ort offenbar nicht sofort als solches erkannt und damit auch nicht mit der erforderlichen Konsequenz verfolgt wurde. Das muss ausgeschlossen sein“, sagte Pistorius.

Disziplinarmaßnahmen wurden bereits gegen 55 Beschuldigte eingeleitet, darunter Entlassungen und Vorermittlungen. Das Verteidigungsministerium kündigte zudem strukturelle Maßnahmen an, um künftige Fehlentwicklungen zu verhindern und Verantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen.

kmh/dpa