Eine zweite Tranche der Jeffrey Epstein-Akten ist kurz vor Weihnachten vom US-Justiz-Ministerium veröffentlicht worden. Einige Informationen in den Tausenden oft redigierten Dokumenten sind dazu angetan, Donald Trump, Präsident der Vereinigten Staaten und Ex-Freund des Serien-Sexualstraftäters, die Festtagslaune einzutrüben. Die Erkenntnisse:
Allen voran steht ein wie so oft, was Namen angeht, heftig geschwärztes Dokuments der Bundespolizei FBI. Danach hatte ein Chauffeur von einem „sehr beunruhigenden“ Telefongespräch berichtet, das Trump 1995 führte, als er ihn zum Flughafen fuhr. „[Name geschwärzt] bemerkte, dass Trump während des Telefonats immer wieder den Namen „Jeffrey“ erwähnte und von „dem Missbrauch eines Mädchens“ sprach. [Name geschwärzt] war sich nicht sicher, mit wem er sprach und auf wen er sich bezog”, heißt es in der Akte.
„Sie werden mich umbringen“
Anschließend wird auf eine namentlich nicht genannte Frau Bezug genommen, die Trump angeblich getroffen habe, nachdem „ein Mädchen mit einem komischen Namen” sie in „ein schickes Hotel oder Gebäude” gebracht habe. „Donald J. Trump habe sie zusammen mit Jeffrey Epstein vergewaltigt”, heißt es in der Erklärung gegenüber dem FBI. Der betreffenden Person sei geraten worden, die Polizei zu benachrichtigen, doch sie habe erwidert: „Ich kann das nicht, sie werden mich umbringen.“
Ob das FBI den Hinweis untersucht hat und wenn ja, mit welchem Ergebnis, geht aus den bisher veröffentlichten Akten nicht hervor.
weitere Videos
Epsteins Bruder glaubt, Trump hätte „Mord“ an Jeffrey Epstein angeordnet
Jeffrey Epsteins Bruder, Mark Epstein, teilte dem FBI 2023 mit, dass Epstein in seiner Gefängniszelle ermordet wurde, weil er im Begriff war, „Namen zu nennen“. Der 71-jährige Mark Epstein, der seit langem davon überzeugt ist, dass sein Bruder im Sommer 2019 in einem New Yorker Bundesgefängnis keines natürlichen Todes gestorben ist, behauptet in dem schriftlich vorliegenden Hinweis, dass Präsident Donald Trump „den Mord angeordnet hat”.
Auch interessant
Der New Yorker Gerichtsmediziner stufte Epsteins Tod seinerzeit als Suizid durch Erhängen ein. Um seinen Hals habe Epstein eine „behelfsmäßige Schlinge“ getragen. Aber die Untersuchung seines Todes ergab, dass die Gefängniszelle, in der Epstein gefunden wurde, nie ordnungsgemäß als potenzieller Tatort behandelt wurde. Ob Mark Epstein zu seinem massiven Vorwurf befragt wurde, ist unbekannt.
Mehr zum Fall Epstein
Trump flog öfters mit Epstein und Maxwell
Auch nicht ohne ist die Information eines Staatsanwalts in New York aus 2020. Dort heißt es, dass Trump viel häufiger in Epsteins Privatflugzeug mit an Bord war, als dies damals bekannt war. Bei den mindestens acht Flügen in den 1990er Jahren sei eine 20-jährige Frau dabei gewesen. Bei vier Flügen war Ghislaine Maxwell, die wegen Menschenhandels eine 20-jährige Haftstrafe verbüßt, ebenfalls auf der Passagierliste.

Potenziell brisant ist auch die Enthüllung, dass die Bundespolizei FBI eine Liste mit zehn möglichen „Mitverschwörern“ der Verbrechen von Epstein und seiner Partnerin Ghislaine Maxwell hatte. Ein Ermittler des FBI aus der Abteilung für Verbrechen gegen Kinder und Menschenhandel stellte im Juli 2019 fest, dass sich drei der Mitverschwörer in Florida, einer in Boston, einer in New York City und einer in Connecticut befänden. Außerdem wurde festgestellt, dass einer davon ein wohlhabender Geschäftsmann in Ohio ist.

Für Trump macht das Justizministerium einen Warnhinweis
Was aus dieser Liste geworden ist, ob die betreffenden Personen ausermittelt und womöglich entlastet wurden oder nicht, ist unklar. Diese Information ist relevant, weil Justizministerin Pam Bondi und FBI-Direktor Kash Patel im Frühsommer dieses Jahres erklärten: „Wir haben keine Beweise gefunden, die eine Untersuchung gegen nicht angeklagte Dritte rechtfertigen würden.“
Anders als am ersten Tag der scheibchenweise Veröffentlichung der Akten am vergangenen Freitag, als Ex-Präsident Bill Clinton kommentarlos mehrfach durch Fotos in zumindest fragwürdige Kontexte gerückt wurde (Schwimmen in einem Pool mit Epsteins Komplizin Maxwell etc.), gab das Justizministerium diesmal eine explizite Vorwarnung zugunsten Trumps heraus.
Justizministerium übt Vorwärtsverteidigung für Trump
In einer Erklärung heißt es, dass eine Reihe der veröffentlichten Dokumente, die den amtierenden Präsidenten betreffen, „unwahre und sensationslüsterne Behauptungen“ seien, die vor der Wahl 2020 gegen Trump vorgebracht wurden. „Die Behauptungen sind unbegründet und falsch, und wenn sie auch nur einen Funken Glaubwürdigkeit hätten, wären sie sicherlich bereits gegen Präsident Trump eingesetzt worden.“
weitere Videos
Der demokratische Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, brachte unterdessen einen Antrag ein, der den Senat anweisen würde, rechtliche Schritte gegen die Trump-Regierung einzuleiten, weil sie „sich illegal weigert, die vollständigen Epstein-Akten zu veröffentlichen, und die veröffentlichten Akten stark redigiert“.
Eine Gruppe von Epstein-Opfern veröffentlichte einen Brief, in dem sie das Justizministerium dafür kritisierte, dass es nicht mehr Dokumente offengelegt und die Namen der Opfer in einigen Akten nicht geschwärzt habe, während andere Akten „mit abnormalen und extremen Schwärzungen ohne Erklärung” veröffentlicht worden seien.

Ministerium war verpflichtet, alle Akten freizugeben
Gemäß dem „Epstein Files Transparency Act” war das Ministerium verpflichtet, alle seine Akten bis vergangenen Freitag freizugeben. Die Opfer von Epstein – laut Justizministerium etwa 1200 Frauen – fordern seit langem mehr Rechenschaftspflicht für die mächtigen Freunde und Komplizen von Epstein und mehr Transparenz von einem Ministerium, das sie über einen von Epstein 2007 ausgehandelten Deal im Unklaren gelassen hat, der es ihm ermöglichte, einer harten Strafe für den sexuellen Missbrauch von Mädchen in Florida zu entgehen.

Trump wurde nie wegen Fehlverhaltens in Bezug auf Epstein angeklagt und äußerte sich diese Woche bestürzt darüber, dass der Ruf von Menschen, die den in Ungnade gefallenen Finanzier Epstein vor Jahren „unschuldig“ getroffen hatten, geschädigt werden könnte. „Ich finde das schrecklich“, sagte der Präsident gegenüber Journalisten in seinem Florida-Domizil Mar-a-Lago.







