Zum ersten Mal seit 27 Jahren ist ein deutscher Bundespräsident in Großbritannien auf Staatsvisite. Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender trafen am Mittwochmorgen zu einem dreitägigen Besuch auf der Insel ein. Im Vordergrund standen die gegenseitige Annäherung sowie die Sicherheitslage in Europa.
Es begann mit einem vollen Tag. Steinmeier wurde am Flughafen Heathrow von William, Prince of Wales, und seiner Frau Catherine empfangen, danach ging es direkt nach Windsor, wo das Präsidentenpaar nach einer Kutschenfahrt mit König Charles und Königin Camilla eine Ehrengarde inspizierte. Am Nachmittag stand eine private Unterredung mit Premierminister Keir Starmer in der Downing Street an.
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Der Bundespräsident zeigte sich erfreut, dass sich die deutsch-britischen Beziehungen seit den „schwierigen“ Jahren nach dem Brexit-Votum von 2016 deutlich verbessert hätten, wie er zu Starmer sagte. Aber es brauche mehr: „Wir haben eine neue Sicherheitslage in Europa, wenn nicht in der ganzen Welt“, sagte Steinmeier. „Darum brauchen wir eine stärkere Kooperation.“ Bereits im Juli gab es konkrete Schritte hin zu diesem Ziel: Großbritannien und Deutschland unterzeichneten einen Freundschaftsvertrag, die Kensington Treaty. Sie verpflichten sich darin einer stärkeren Kooperation bei Sicherheitsfragen, in der Migrationspolitik und in der Unterstützung der Ukraine.

Steinmeier: Royals feiern Staatsbankett mit festlichem Weihnachtsflair auf Windsor
Nach dem Besuch bei Starmer folgte der zeremonielle Teil: das Staatsbankett beim König auf Schloss Windsor. Wie üblich sparten die Royals nicht mit aufwändigem Pomp, diesmal mit weihnachtlichem Einschlag – Mini-Tannenbäume, Adventssterne, rote Beeren. Am einen Ende des großen Saals stand ein sechs Meter hoher Weihnachtsbaum mit 3000 Lichtern; er erinnerte daran, dass die Baumtradition direkt von Prinz Albert, dem deutschen Gatten von Königin Victoria, im 19. Jahrhundert von Deutschland nach Großbritannien importiert wurde.
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So warm wie die Dekoration waren auch die Worte, die Gastgeber und Gast füreinander übrighatten. Der König begrüßte Steinmeier und Büdenbender in perfektem Deutsch und bedankte sich für die „Herzlichkeit“, mit der Steinmeier und seine Frau den König Anfang 2023 in Deutschland empfangen hatten – es war die erste Auslandsreise des neuen Monarchen. Die beiden Länder seien durch eine „besondere Freundschaft“ verbunden, hätten „gemeinsame Werte“ und eine „gemeinsame Vision für die Zukunft unserer modernen Welt“.
Steinmeier-Besuch: Starmer forciert enge Beziehungen zum Rest der Welt
Auch Steinmeier sprach von der Partnerschaft der beiden Länder, die er auf „eine neue Grundlage stellen“ wolle. „Wir arbeiten zusammen für Sicherheit und Verteidigung, Seite an Seite für ein freies, friedliches Europa, Seite an Seite auch bei der Unterstützung der Ukraine“, sagte er.
Am Donnerstag hielt Steinmeier eine Rede im Unterhaus. „Wir müssen gemeinsam für das einstehen, was uns ausmacht“, sagte er in einem leidenschaftlichen Appell. „Wir halten dagegen, wenn unsere Werte bedroht sind. Wir verteidigen die Demokratie. Wir verteidigen die Freiheit. Wir stehen zusammen, als Verbündete, als Partner, als Freunde.“ Steinmeiers Rede vor Mitgliedern beider Kammern des Parlaments in der Royal Gallery in Westminster war der Höhepunkt des zweiten Besuchstages. Er sprach von einer „großen Ehre“, hier sprechen zu dürfen.
Für den dritten und letzten Tag ist unter anderem ein Besuch in der im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen stark zerstörten Stadt Coventry und in der Universitätsstadt Oxford geplant.
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Für die Briten ist es die dritte Visite eines Staatsoberhaupts in diesem Jahr. Zuvor waren bereits Emmanuel Macron und Donald Trump eingeladen worden. Es ist mehr als dreißig Jahre her, dass die hohen Besuche so schnell aufeinander folgten – das zeigt auch, wie sehr der Regierung Starmer daran liegt, in der Nach-Brexit-Zeit die Beziehungen zum Rest der Welt wiederaufzubauen.





