Es brodelt in der Medienbranche. Grund dafür sind die Schlagzeilen der vergangenen Wochen rund um Kulturstaatsminister Wolfram Weimer. Dessen Weimar Media Group soll bei der Ausrichtung des Ludwig-Erhard-Gipfels hohe Summen für Kontakte zu Spitzenpolitikern aufgerufen haben – 80.000 Euro für eine „Intensivvernetzung“ werden kolportiert. Diese und noch weitere Ungereimtheiten greift Jürgen Kaube, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), nun in einem Kommentar auf, in dem er den Finger beherzt in die Wunde legt.
Auch interessant
Wolfram Weimer unter Druck: Die Weimer Media Group macht Schlagzeilen
Der 63-jährige Journalist und Soziologe nimmt die jüngste Unterstützung des Bundeskanzlers Friedrich Merz als Aufhänger, um die Irritationen zusammenzutragen. „Die Vorwürfe, die gegen Wolfram Weimer erhoben worden sind, haben sich alle als falsch erwiesen“, hatte Merz in einem ARD-Interview erklärt. Laut Kaube ein mögliches Indiz dafür, dass der Kanzler diese gar nicht kenne. Zwar sei die kostspielige Vernetzung ein gängiges Geschäftsmodell, doch sei fraglich, ob dies auch anständig und für die Politik qualifiziert sei. „Wenn er (Merz, Anm. d. R.) hinzufügt, da werde nichts verkauft, müsste er aber schon das Preisniveau erklären“, schreibt Kaube.

Und so holt der FAZ-Herausgeber zum Rundumschlag aus. Er führt unter anderem die Text-Tricksereien des zur Weimer Media Group gehörenden Magazins „The European“ an, bei denen unter anderen Reden von Politikern als Autoren-Artikel erschienen. Auch weitere Kooperationen seien bedenklich. So habe die Mediengruppe, deren Führung zur Zeit die Ehefrau von Wolfram Weimer inne hat, auf ihrer Internetseite etwa die FAZ als Medienpartner genannt. Doch „diese Partnerschaft war erfunden, eine weitere Windbeutelei der Firma des Ministers.“
Mehr Politik-News
Kritik an Weimer: Interessiert sich der Kulturstaatsminister gar nicht wirklich für seine Aufgaben?
Auch an der Arbeit des Kulturstaatsministers lässt Kaube kein gutes Haar. Eine „Luftnummer“ sei auch die Behauptung, Weimer habe mit der bayerischen Landesführung über eine Außenstelle von Harvard gesprochen. Auch beim Restitutionsgesetz oder bei der Finanzierung der Bayreuther Festspiele habe es keine vorzeigbare Ergebnisse gegeben. „Er interessiere sich nicht, heißt es von Nahestehenden“, bilanziert Kaube und schreibt von Kopfschütteln bei den Beteiligten. Gespräche würden kurzfristig abgesagt und Finanzierungen zurückgezogen. Eine kulturpolitische Agenda habe Weimer nicht.
Lesen Sie auch: Möglicher Interessenkonflikt: Die Causa Weimer ist auch eine Causa Merz
Zudem betreibe der Minister eine merkwürdige „situationsabhängige Selbstvermarktung“. Er soll sich als Germanist vorstellen, die Disziplin allerdings nur im Nebenfach studiert und aber abgesehen von seinem „konservativen Manifest“ nichts zu ihr beigetragen haben. „Weimer kennt die Sachen eben oft nur vom Hörensagen, zitiert gern falsch und ohne Anführungszeichen, bewegt sich aber in einem Milieu, in dem er damit durchkommt.“ Doch könne man Weimer das noch durchgehen lassen, meint Kaube. Politik sei ein schwieriges Geschäft, vor allem für einen Parteilosen. Vielleicht gebe der Staatsminister aber genau deshalb „kompensatorisch den Intellektuellen“.





![Friedrich Merz (CDU) und Bärbel Bas (SPD) im Juni im Bundeskanzleramt. Pressekonferenz [press conference] nach der ?bergabe des Berichts der Altersicherungskommission zur Rentenreform in Berlin](https://img.sparknews.funkemedien.de/413277497/413277497_1790592399_v16_9_1200.jpeg)

