• Im September war der weltweit größte Flugzeugträger im Auftrag der Nato in der Nordsee
  • Nun steuerte die USS „Gerald R. Ford“ ein neues Ziel an: Venezuela
  • Durch die Entsendung des Flugzeugsträgers verschärfen sich die Spannungen in die Karibik

Unsere Reporter waren im September auf dem Kriegsschiff, als es im Auftrag der Nato in der Nordsee unterwegs war. Venezuela reagierte auf die Ankunft des Flugzeugträgers mit einer Verstärkung ihres Militärs.

13 Grad, Sonnenschein und kaum Wind auf der Nordsee, irgendwo zwischen der Küste Dänemarks und Norwegens. Der Geruch von Kerosin liegt in der Luft. Unter lautem Dröhnen zischt ein Kampfjet über die Startbahn und hebt binnen Sekunden vom Flugzeugträger USS „Gerald R. Ford“ ab.

Ein elektromagnetisches Katapultsystem (EMALS) beschleunigt das Flugzeug in Sekunden auf etwa 240 Kilometer pro Stunde. Dabei entsteht ein Grollen, das über die Beine aufsteigt und den Brustkorb vibrieren lässt. Der Kampfjet schießt nur dadurch über das 337 Meter lange Deck.

US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Auf dem Flugzeugträger USS „Gerald R. Ford“ ist Platz für etwa 90 Kampfflugzeuge. Das Flugdeck ist 337 Meter lang und 78 Meter breit – Zentimeterarbeit ist gefragt.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Nach Nato-Einsatz: USS „Gerald R. Ford“ steuert neues Ziel an – es geht nach Mallorca

Der US-amerikanische Flugzeugträger „Gerald R. Ford“ ist Teil des Neptune Strike. Eine Nato-„Aktivität“, wie es offiziell heißt. Im Klartext wird der Ernstfall erprobt: Können die Nato-Partner nahtlos zusammenarbeiten, wenn Russland angreifen sollte? Insgesamt sind 13 Nationen mit 20 Schiffen, mehreren U-Booten, Spezialeinheiten sowie mehr als 10.000 Soldaten beteiligt.

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Nicht nur in der Nordsee, auch in der Ostsee, im Mittel- und Adriatischen Meer wird trainiert. Es ist die dritte von vier geplanten Nato-Aktivitäten dieser Art in diesem Jahr. Auch scharfe Waffen kommen zum Einsatz – testweise. In Lettland hat am Donnerstag ein Kampfflugzeug auf einem Übungsplatz mehrere Raketen abgefeuert. Aber eine der größten und wichtigsten Waffen ist der Flugzeugträger.

Er ist eine stählerne Machtdemonstration, ein schwimmendes Waffenarsenal mit Platz für Unmengen Munition und rund 90 Flugzeuge. An Deck stehen mehrere Kampfjet-Typen, Aufklärungsflugzeuge, Hubschrauber. Insgesamt vier der Katapultsysteme gibt es, wenige Meter nebeneinander. Theoretisch, sagt ein Offizier später, soll ein Jet inklusive Vorbereitungen innerhalb von zehn Minuten starten können.

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Weltweit einmalig: Auf Flugzeugträger USS „Gerald R. Ford“ starten und landen Jets parallel

Gespräche an Deck sind kaum möglich. Die Turbinen dröhnen, immer wieder startet oder landet hier ein Kampfflugzeug. Das alles binnen Minuten. Die USS „Gerald R. Ford“ kann Starts und Landungen parallel durchführen – das ist weltweit einmalig.

An Deck geht es zu wie im Ameisenhaufen: Ein Jet wird am Startpunkt von Mechanikern ans Katapult gedockt, zu einem anderen fährt ein Tankfahrzeug, ein drittes wird mit Raketen beladen. Ein anderes Fahrzeug befeuchtet die Startbahn. Fluglotsen weisen die Jets ein, das ist Zentimeterarbeit. Sie haben Techniker und Treiben im Blick, kommunizieren per Handzeichen miteinander und mit den Piloten.

„Gerald R. Ford“: So sieht es an Bord des US-Flugzeugträgers aus

US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Der US-Flugzeugträger USS „Gerald R. Ford“ war bis Freitag in der Nordsee an einer „Aktivität“ der Nato beteiligt.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Soldaten der Trägerdeck-Gruppe beladen einen Kampfjet.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Ein Pilot besteigt seinen Jet.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Auf dem Flugzeugträger USS „Gerald R. Ford“ sind unter anderem der Kampfjet F35, das auf elektronische Kriegsführung spezialisierte EA-18-Flugzeug, das Frühwarnflugzeug E2D sowie die Helikopterflugzeuge MH-60 „Romeo“ und MH-60 „Sierra“ im Einsatz. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Eine Boeing F/A-18E/F Super Hornet der US Navy rollt über das Flugdeck.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Fluglotsen und Piloten kommunizieren vor allem durch Handzeichen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Eine Boeing F/A-18E/F Super Hornet der US Navy startet vom Flugdeck, nachdem sie durch ein elektromagnetisches Katapult beschleunigt wurde.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Zahlreiche Fluglotsen, Mechaniker und Sicherheitsleute arbeiten an Deck des Flugzeugträgers.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Hinter den Jets werden vor dem Start Klappen hochgefahren.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Soldaten der Trägerdeck-Gruppe in feuerfesten Anzügen laufen über das Flugdeck.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Eine Boeing F/A-18E/F Super Hornet der US Navy im Landeanflug auf den Flugzeugträger. Das Deck ist 337 Meter lang. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Mit dem Fanghaken ihres Flugzeugs steuern Piloten eines von mehreren quer auf Deck liegenden Stahlseilen an. Nach rund 100 Metern kommt das Flugzeug zum Stehen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Eine Formation aus vier dänischen Lockheed F35-Kampfflugzeugen, vier Boeing F/A-18E/F Super Hornet der US Navy, zwei General Dynamics F-16 Fighting Falcon und ein Grumman E-2 Hawkeye der Navy überfliegen den Träger.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Dänische Lockheed F35-Kampfflugzeuge überfliegen den US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Der Kommandant des Carrier Air Wing Eight, Captain David J. Dartez, ist für die Luftstreitkräfte an Bord zuständig.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Im Hangardeck werden die Flugzeuge geparkt und gewartet. Hier das Frühwarnflugzeug Grumman E-2 Hawkeye.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Kommandeur David W. Skarosi im Hangardeck des Flugzeugträgers.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
An Bord lebt die Hündin „Captain Sage". Sie ist ein Expeditionshund, der eine dreijährige Ausbildung abgeschlossen hat.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Die Aufgaben der flauschigen Mitarbeiterin: Seeleuten und Marinesoldaten während ihrer Einsätze bei der emotionalen Regulierung helfen, Stress abbauen und moralische Unterstützung bieten.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Die Brücke des Flugzeugträgers liegt 34 Meter über dem Flugdeck. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Kommandeur David W. Skarosi, auf die Frage ob die Provokationen durch Russland Spuren an Bord hinterlassen: „Angst herrscht hier jedenfalls nicht, falls Sie das fragen.“© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Mechaniker arbeiten im Hangardeck. Hier werden die Flugzeuge geparkt und gewartet.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Der US-Flugzeugträger USS „Gerald R. Ford“ ist nicht mehr lange in der Nordsee vor Norwegen. Der nächste Einsatzort ist unbekannt.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

USS „Gerald R. Ford“ als schwimmender Flughafen: Stahlseile fangen die Kampfjets

Auch die Landungen laufen in Windeseile ab: Die Piloten steuern mit dem Fanghaken ihres Flugzeugs eines von mehreren quer auf Deck liegenden Stahlseilen an. Es bringt das Flugzeug innerhalb von rund 100 Metern zum Stehen. Von außen sieht das ganz einfach aus.

Das Wetter ist gut. Vor allem der Wind auf dem Wasser muss stimmen. Die Jets starten und landen auf dem schwimmenden Flughafen, der mit etwa 15 Knoten (rund 28 Kilometer pro Stunde) unterwegs ist. Zu viel Seegang oder Wind aus der falschen Richtung würden das erschweren. Auch die Technik muss funktionieren. Der Teufel steckt hier im Detail: Schon eine kleine Münze auf der Landebahn könnte zur tödlichen Gefahr werden, erklärt ein Brückenoffizier.

Durch enge Gänge und über Leitern geht es zum Hangar des Trägers. Hier stehen weitere Kampfjets, die gewartet werden müssen. Der Hangar ist an einer Stelle offen und gibt den Blick auf die vorbeiziehende Nordsee frei, ansonsten sieht es aus wie in einer üblichen Fahrzeughalle. Etwas irritiert von der Frage, ob die Provokationen durch Russland Spuren beim Personal hinterlassen, sagt der kommandierende Offizier David Skarosi: „Angst herrscht hier jedenfalls nicht, falls Sie das fragen.“

In Dänemark ist erneut ein Flughafen wegen eines Drohnenüberflugs gesperrt worden. Wie bei den Vorfällen der vergangenen Tage sind die Täter bislang unklar. Die Behörden hatten mitgeteilt, dass sie von einem professionellen Akteur ausgehen. Ziel der Aktionen sei es demnach, Angst in der Bevölkerung zu verbreiten.

Lesen Sie auch: Russland besiegen, Jets abschießen – das neue Muster des US-Präsidenten

Dabei nehmen die Nadelstiche, die Wladimir Putin setzt, in besorgniserregender Frequenz zu. Die Frage, die über allem schwebt: Wie reagieren die Nato-Staaten auf Abschreckungsversuche von Russland? Flugzeuge abschießen – das hatte US-Präsident Donald Trump Anfang der Woche gefordert. So einfach sei das nicht, sagt ein Sprecher der Nato. Wie auf Luftraumverletzungen zu reagieren ist, folgt einem Protokoll.

„Wir werden immer vorbereitet sein und das Recht auf Selbstverteidigung wird immer auf unserer Seite sein.“

US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
David J. Dartez, Kommandeur auf der USS „Gerald R. Ford“

Aber, so sagt der Kommandeur der Luftstreitkräfte auf der USS „Gerald R. Ford“, David J. Dartez, man spiele sich auf viele Szenarien ein und könne darauf reagieren: „Wir werden immer vorbereitet sein und das Recht auf Selbstverteidigung wird immer auf unserer Seite sein.“ Während er spricht, ist mehrmals das Grollen vom Flugdeck zu hören.

Dartez steht im Bereitschaftsraum einer der Flugeinheiten, dem sogenannten „Ready Room“. Der Raum ist dunkel und eng, an der Decke hängen Tarnnetze, dazwischen ein Beamer. In vier Sitzreihen stehen bequeme Sessel, sie sind mit den Namen der Kampfpiloten beschriftet. Hier bereiten sich die Piloten auf geplante Manöver vor, sprechen Taktiken durch. An der Wand hängen zwei kleine Modelle von russischen Kampfflugzeugen. Den Aggressor hat man dabei im Blick.

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Nato-Aktivität in der Nordsee „ist fantastisch gelaufen“, sagt ein US-Kommandeur

Die Nato-Aktivität klappe großartig, lobt Dartez. Man erprobe die Interoperabilität, also ob die Nato-Streitkräfte technisch, kommunikativ und menschlich nahtlos zusammenarbeiten können, ob Systeme kompatibel sind und der Informationsaustausch funktioniert. „Es ist fantastisch gelaufen“, sagt Captain David J. Dartez. „Wir finden dadurch heraus, wo wir unsere Taktik noch verbessern können und wo Innovationen möglich sind.“

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#23 Jan van Aken über Waffen, Viren und das Geheimnis von Heidi Reichinnek
Meine schwerste Entscheidung
 

Der große Vorteil an einem Flugzeugträger ist laut Dartez, dass er als Basis fungieren kann. Von dort habe man eine große Reichweite. Je nachdem, wo der Träger steht, können die Kampfjets an Bord in unter einer Stunde auch in Russland sein. Oder eher: konnten. Bis Freitag war die USS „Gerald R. Ford“ im Auftrag der Nato in der Nordsee zwischen Dänemark und Norwegen unterwegs. Inzwischen geht es wieder Richtung Westen.