Die bayerische Landeshauptstadt München ist vieles, aber ein Hotspot der Weltpolitik ist sie nicht. Einmal im Jahr, immer Mitte Februar, ändert sich das allerdings für ein Wochenende. Dann findet die Münchner Sicherheitskonferenz statt, die nach ihrem englischen Namen häufig auch knapp als „MSC“ (Munich Security Conference) bezeichnet wird. In der außenpolitischen Szene hat sich zudem das Akronym „Siko“ etabliert.
Münchner Sicherheitskonferenz 2026: Auf die Diskussionen kommt es an

In diesem Jahr findet die 62. Ausgabe der MSC statt. Unter den mehreren Hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern sind stets etliche Staats- und Regierungschefs, Minister, Chefs internationaler Organisationen, Wissenschaftler, Militärs, Parlamentarier und Wirtschaftsführer aus aller Welt. Tagungsort ist wie immer das Luxushotel Bayerischer Hof am Rande der Münchner Innenstadt. Der Auftakt ist an diesem Freitag, das Ende am Sonntag.
Die Sicherheitskonferenz ist ein Forum zur Diskussion aktueller Fragen der internationalen Politik. Wichtig ist das Wort „Diskussion“: Denn wer auf der Konferenz das Wort ergreift, muss sich auch der Debatte stellen. Das dient dem Ziel, unter den Teilnehmern das Verständnis für die jeweiligen Standpunkte zu schärfen sowie Gemeinsamkeiten und Unterschiede herauszuarbeiten.
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Leiter der Konferenz ist der pensionierte Top-Diplomat Wolfgang Ischinger – wieder, um exakt zu sein: Ischinger, der im April 80 Jahre alt wird, stand der MSC bereits von 2008 bis 2022 vor und übergab das Amt dann an Christoph Heusgen, der ebenfalls Diplomat ist und der ehemaligen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) als außenpolitischer Berater gedient hatte. Heusgen wiederum sollte nach nur drei Jahren gegen seinen Willen durch den ehemaligen norwegischen Ministerpräsidenten und Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ersetzt werden. Der trat dann aber kurzfristig noch einmal als Finanzminister in die Regierung seines Heimatlandes ein. Jetzt ist Stoltenberg „designierter Vorsitzender“. Ischinger, zugleich Präsident des MSC-Stiftungsrats, soll den Job machen, bis der Norweger tatsächlich verfügbar ist.
Sicherheitskonferenz: Am Anfang war sie eine „Wehrkundetagung“
Ins Leben gerufen wurde die Sicherheitskonferenz Anfang der 1960er Jahre, damals hieß sie noch „Wehrkundetagung“. In den frühen Jahren ging es vor allem darum, westdeutsche Politiker und Militärvertreter mit Kollegen aus den USA und Westeuropa zusammenzubringen. Es war eine Veranstaltung der Transatlantiker.

Die transatlantischen Beziehungen sind zwar heute immer noch ein Schwerpunkt der Sicherheitskonferenz. Aber das Themenspektrum hat sich spätestens seit Ende des Kalten Kriegs enorm erweitert. China, Nahost, Klimakrise, Cyber-Sicherheit, die Krise der Demokratie: Was weltpolitisch von Belang ist, wird in München behandelt. Und weil so viele wichtige Leute zur selben Zeit am selben Ort zusammenkommen, werden am Rande der öffentlichen Veranstaltungen immer auch diskret politische Gespräche und Verhandlungen geführt.
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Selbstverständlich bleibt auch Russland ein Dauer-Thema – erst recht in Zeiten, in denen Präsident Wladimir Putin einen Angriffskrieg gegen den Nachbarn Ukraine führen lässt. Russische Regierungsvertreter werden jetzt abermals nicht in München zugegen sein. Ischinger sagt, vonseiten der Botschaft habe es keine Kontaktaufnahme mit Einladungswünschen gegeben. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj allerdings wird bei der MSC erwartet.
Und was die transatlantischen Beziehungen betrifft, so sind diese seit dem zweiten Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump selbst ein Krisenherd der Weltpolitik. Im vergangenen Jahr kam es bei der Sicherheitskonferenz zum Eklat, als Trumps Vize JD Vance den Europäern in seiner Rede gewissermaßen den Kulturkrieg erklärte, ihnen vorwarf, die freie Meinungsäußerung zu unterdrücken und zudem offen extrem rechte Parteien unterstütze. Am Rande der Konferenz traf sich Vance mit AfD-Chefin Alice Weidel. In diesem Jahr soll Außenminister Marco Rubio die US-Delegation anführen, er gilt als gemäßigte Kraft in der Trump-Regierung. Nun wird mit Spannung erwartet, ob sich das auch in seiner Rede niederschlägt oder Rubio in Ton und Inhalt nahtlos an den Auftritt Vances aus dem Vorjahr anknüpft.

Wichtig ist, dass die Sicherheitskonferenz keine staatliche Veranstaltung ist: Bund und Freistaat Bayern fördern die Veranstaltung zwar nach Kräften. Ursprünglich war sie eine Privatinitiative des Konferenzgründers Ewald von Kleist, seit 2018 sichert eine Stiftung die Unabhängigkeit.








