Bei einem schweren Zugunglück in Spanien sind am Mittwoch (28. Oktober) nach Behördenangaben mindestens 46 Menschen ums Leben gekommen. Zahlreiche weitere wurden verletzt. Nahe dem Ort Urda in der Provinz Toledo sind demnach gegen neun Uhr zwei Hochgeschwindigkeitszüge zusammengestoßen. Beide seien in die gleiche Richtung unterwegs gewesen. Der Zusammenstoß war so heftig, dass mehrere Waggons eines der Züge einen Bahndamm hinabstürzten. Laut ersten Analysen soll vermutlich ein menschliches Versagen die Ursache für den Zusammenstoß sein. Die zuständige Leitstelle hatte dem nachfolgenden Hochgeschwindigkeitszug offenbar die Weiterfahrt erlaubt, während der andere Zug weiterhin auf dem Gleis gestanden hatte.
Erst im Januar dieses Jahres kam es in Adamuz in Andalusien zu einem schweren Zugunglück. Damals entgleiste ein Hochgeschwindigkeitszug und stieß mit einem entgegenkommenden Zug zusammen. Bei dem Unglück kamen 46 Menschen ums Leben, mehr als 150 wurden verletzt. Laut Birgit Jaekel, Fachbereichsleiterin Sicherheit und kritische Infrastruktur am Deutschen Zentrum für Schienenverkehrsforschung in Dresden, sei es noch zu früh, um Parallelen zu diesem Unfall zu ziehen. Denn noch sei die Ursache des aktuellen Unfalls nicht bekannt, sagt die Expertin im Gespräch mit dieser Redaktion. Doch wie kann es aus ihrer Sicht überhaupt passieren, dass zwei Schnellzüge, die in dieselbe Richtung fahren, zusammenstoßen?
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Sicherheit auf der Schiene: So schützen Gleisfreimeldung und Signalsysteme
„Im modernen Zugverkehr gibt es im Grunde mehrere Systeme, die ineinandergreifen und dafür sorgen sollen, dass der Verkehr sicher abgebildet werden kann“, erklärt Jaekel. „Das Ziel ist, eine besonders hohe Sicherheit zu erreichen.“
Die Weichen würden so eingestellt, dass der Fahrweg gesichert ist. Das schließe auch die Signale mit ein. Erfolgen würde das auf Grundlage der sogenannten Gleisfreimeldung. „Das sind Systeme, die prüfen, ob das Gleis schon von einem Fahrzeug belegt ist oder ein Gleisabschnitt frei ist und von dem anderen Zug befahren werden kann“, erklärt Jaekel. „Nur wenn die Gleisfreimeldung erfolgreich ist und das Stellwerk diesen Fahrweg eingestellt hat, wird das Signal so gestellt, dass der Zug in diesen Abschnitt einfahren kann“, so die Expertin.
Sicherheitssysteme im Zugverkehr: Wann sie an ihre Grenzen stoßen
In Deutschland wie in Spanien sorge auf vielen Strecken die sogenannte linienförmige Zugbeeinflussung für zusätzliche Sicherheit. „Diese soll dazu dienen, den Zug zu bremsen, falls dieser beispielsweise die zugelassene Geschwindigkeit überschreitet oder ein Halt zeigendes Signal überfährt“, sagt Jaekel. Das europäische Gegenstück ist das European Train Control System, das sicht laut Jaekel in beiden Ländern im Ausbau befindet. Diese Systeme könnten nur mit den korrekten Informationen funktionieren, erklärt die Expertin weiter.

Für den Fall, dass diese Systeme ausfallen, gebe es eine weitere Sicherungsebene. „Eine Rückfallebene ist, dass der Mensch dann den Fahrbefehl übermittelt und nicht mehr das Signal. Dabei kann es natürlich auch zu Fehlhandlungen kommen“, sagt Jaekel. Ob dies in Spanien der Fall gewesen sei oder welches System ausgefallen sei, darüber könne sie keine Annahme treffen.
Verkehrsexpertin: Hochgeschwindigkeitszüge sind „sehr sicher“
Bei einem Auffahrunfall spielen auch die Geschwindigkeitsunterschiede zwischen den Zügen eine Rolle. In Spanien soll laut Medienberichten ein fahrender Zug auf einen stehenden aufgefahren sein. Das bedeute laut Jaekel, der Geschwindigkeitsunterschied für Fahrzeuge derselben Fahrtrichtung sei relativ groß gewesen und es müsse eine hohe Aufprallenergie verarbeitet werden. „Man kennt das aus dem Auto. Da gibt es eine Knautschzone. Dabei kann Energie so abgeführt werden, sodass sie sich möglichst wenig auf die Insassen auswirkt.“

Dennoch betont Jaekel, dass Hochgeschwindigkeitszüge sehr sichere Verkehrsmittel seien. „Die Hochgeschwindigkeitsverkehrsstrecken sind mit Leit- und Sicherungstechnik ausgerüstet. Man kann hier von einem sehr sicheren System sprechen, wie auch die Statistik zeigt. Unfälle wie jetzt in Spanien lassen sich jedoch nicht komplett vermeiden.“
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Bahnunfälle: Wer untersucht sie in Spanien und Deutschland?
Wie Eisenbahnunfälle untersucht werden, sei europaweit einheitlich geregelt. Ein europäisches Land müsse eine Untersuchungsstelle einrichten. „In Spanien ist das die CIAF, in Deutschland ist das die BEU, die Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung. Diese haben für ihr jeweiliges Land ganz ähnliche Aufgaben, nehmen letztlich die Untersuchung von Unfällen vor und stellen die Ergebnisberichte auch online.“ Wie lange die Untersuchung dauern kann, sei laut Jaekel noch nicht einzuschätzen.
mit dpa/AFP








