Wer auf Teneriffa von einem Häuschen mit Meerblick träumt oder sich auf Gran Canaria eine Ferienwohnung für den Ruhestand zulegen möchte, könnte es künftig schwer haben. Denn auf den zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln soll nach dem Willen der Regionalregierung bald Schluss sein mit dem weitgehend freien Immobilienkauf.
„Es ist eine Frage des politischen Willens“, zeigt sich der konservative Regionalpräsident Fernando Clavijo entschlossen. „Wenn man will, kann man es machen.“ Auch viele Menschen aus dem deutschsprachigen Raum haben sich auf den Kanarischen Inseln ihren Traum vom eigenen Haus im Süden erfüllt. Wer dort nun eine Eigentumswohnung oder ein Haus erwerben will, soll nach dem Vorstoß der Regionalregierung bestimmte Voraussetzungen erfüllen.
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Wohnungsnot auf den Kanarischen Inseln verschärft sich
Die Botschaft des Gesetzentwurfs der konservativen Regionalregierung ist unmissverständlich: Die Wohnungen auf den Inseln sollen in erster Linie den Menschen zur Verfügung stehen, die dort ständig leben. Nicht auswärtigen Investoren oder Spekulanten und auch nicht Ferienhauskäufern, die dann nur ein paar Wochen oder Monate ihr Eigenheim bewohnen.
Hinter dem Vorstoß steckt eine Wohnungsnot. Die Kauf- und Mietpreise steigen seit Jahren steil an, bezahlbarer Wohnraum ist Mangelware. Besonders junge Menschen können sich eine eigene Bleibe oft nicht mehr leisten. Die Einkommen auf den Kanarischen Inseln liegen unter dem spanischen Durchschnitt. Für viele Einheimische ist es kaum möglich, mit der Kaufkraft eines gut verdienenden Nordeuropäers mitzuhalten, der sich auf Teneriffa oder Lanzarote eine Zweitwohnung leisten möchte.
Test von kostenlosem Nahverkehr
Wie stark die internationale Nachfrage den Markt prägt, zeigen die Zahlen der spanischen Grundbuchämter. Auf den Kanaren entfällt mehr als ein Viertel aller Wohnungskäufe auf Ausländer. In der Provinz Santa Cruz de Tenerife, zu der neben Teneriffa auch La Palma, La Gomera und El Hierro gehören, wird sogar jede dritte Immobilie von einem ausländischen Käufer erworben.
Kanaren: Immobilienkauf künftig nur noch für langjährige Bewohner
Die Regionalregierung will nun die Reißleine ziehen. Nach ihrem Vorschlag sollen nur jene, die bereits mindestens zehn Jahre auf den Kanaren leben, eine Wohnung oder ein Haus kaufen dürfen. Und auch die Anzahl soll beschränkt werden: Maximal zwei Immobilien pro Person sollen erlaubt sein, und diese müssen zudem in unterschiedlichen Gemeinden liegen.
Das geplante Verbot würde jedoch nicht nur Ausländer treffen. Auch ein Spanier aus Madrid, Barcelona oder Sevilla dürfte sich nicht mehr einfach eine Ferienwohnung auf den Kanaren zulegen, wenn er dort nicht lange genug gewohnt hat. Umgekehrt könnte zum Beispiel ein Deutscher, der seit zehn Jahren auf Teneriffa lebt, weiterhin eine Immobilie erwerben. Entscheidend wäre also nicht der Pass, sondern der Wohnsitz.
Clavijo, dessen Regionalregierung von der Inselpartei Coalición Canaria und der konservativen Volkspartei getragen wird, will mit seinem Vorstoß den immer stärkeren Verdrängungsprozess bremsen. Denn Apartments, die als Ferienunterkünfte vermietet oder als Zweitwohnsitze genutzt werden, fehlen dann auf dem normalen Wohnungsmarkt. Zusätzlich sollen die Gemeinden künftig mehr Möglichkeiten bekommen, Ferienvermietungen einzuschränken.
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Kritik am Kaufverbot: Mehr Sozialwohnungen auf den Kanaren gefordert
Allerdings ist der Plan umstritten. Kritiker bemängeln, dass dieses Kaufverbot allein die Wohnungsnot nicht lösen werde. Denn auf den Inseln fehle es auch an Neubauten und vor allem an Sozialwohnungen. Eine der wichtigsten Ursachen der Krise sei, dass der öffentliche Wohnungsbau, der Geringverdienern bezahlbaren Wohnraum bieten könnte, vernachlässigt wurde.
Bis die kanarische Initiative Wirklichkeit wird, kann es noch eine Weile dauern. „Wir wissen, dass es kompliziert ist“, sagt Clavijo. „Aber unsere Arbeit beginnt, Früchte zu tragen, und es öffnet sich für uns ein Fenster der Möglichkeiten.“ Denn neben der spanischen Regierung hat vor allem die Europäische Union (EU) ein Wort mitzureden.

Das Hauptproblem aus EU-Sicht: Der freie Kapitalverkehr gehört zu den Prinzipien des europäischen Binnenmarktes. Dazu zählt das Recht, in einem anderen EU-Land Immobilien zu erwerben. Die vor der westafrikanischen Küste liegenden Kanaren hoffen allerdings auf ihren besonderen Status als „Region in äußerster Randlage der EU“ – deswegen gelten dort heute schon Sonderregeln.
Auch Mallorca diskutiert ein Wohnungskaufverbot
Auf der Baleareninsel Mallorca wird ebenfalls über ein Verbot diskutiert. Die oppositionelle Regionalpartei MÉS per Mallorca und mehrere Bürgerinitiativen fordern, den Wohnungskauf durch nicht ortsansässige Personen einzuschränken. Die konservative Regionalpräsidentin Marga Prohens lehnte solche Eingriffe bisher ab. Inzwischen zeige sie sich gesprächsbereit. „Wenn die EU eine Maßnahme ermöglicht, die auf den Balearen anwendbar ist und den Menschen von hier Vorrang einräumt, wird unsere Regierung sie prüfen“, sagt Prohens.


