Eine Stunde Wartezeit für einen Krapfen: In den Dolomiten stehen Menschen Schlange, um für rund vier Euro ein frittiertes Gebäck zu bekommen. Was nach einer kuriosen Urlaubsepisode klingt, steht für eine größere Entwicklung: Immer häufiger bestimmen soziale Medien, wo Touristen hinfahren – und was sie dort erleben wollen. Besonders deutlich zeigt sich das an der Berghütte Friedrich August zwischen dem Col Rodella und dem Sellajoch im Trentiner Fassatal. Der dort angebotene Krapfen ist in sozialen Netzwerken zum Star geworden.
Aufnahmen des Gebäcks vor der Kulisse der Dolomiten erreichen Millionen Menschen. In den vergangenen Tagen verbreiteten sich Bilder von langen Warteschlangen auf rund 2300 Metern Höhe. Teilweise mussten Besucher bis zu einer Stunde für ihren Krapfen ausharren. Das Prinzip ist einfach: Ein Video taucht auf Instagram oder Tiktok auf, erreicht ein großes Publikum und weckt den Wunsch, den gezeigten Ort selbst zu besuchen.
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Ansturm auf Friedrich-August-Hütte legt Internet zeitweise lahm
An der Hütte angekommen, wird der Ausflug wiederum mit Fotos und Videos dokumentiert und gepostet. So entsteht ein Kreislauf, der immer neue Besucher anzieht. Die Friedrich-August-Hütte am Fuße des Langkofels zwischen dem Fassatal und Grödnertal ist benannt nach König Friedrich August III. von Sachsen, der um 1900 oft hier wandelte. Der Name erinnert an seine historischen Exkursionen und den von Soldaten angelegten Weg, der vergleichsweise leicht zu begehen ist.
Vom Parkplatz am Sellajoch aus ist die Hütte in rund 20 Minuten zu erreichen. Das macht das Ziel auch für Menschen attraktiv, die wenig Erfahrung mit dem Bergwandern haben. Der Krapfen wird damit zum touristischen Ziel – die spektakuläre Landschaft der Dolomiten zur Kulisse. Ein virales Video von der Warteschlange erreichte laut italienischen Medien mehrere Millionen Aufrufe. Eine Mitarbeiterin der Hütte berichtete, dass an einem Vormittag gegen 9 Uhr die Internetverbindung ausgefallen sei. „Gegen neun Uhr ist alles zusammengebrochen, wir konnten nicht einmal mehr Zahlungen entgegennehmen“, sagte sie.
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Unter anderem fielen Kartenzahlungen aus, wodurch der Ablauf vorübergehend ins Stocken geriet. Der Hype um den Krapfen ist dennoch symptomatisch für den Wandel des Tourismus in den Dolomiten. Nach Angaben des Tourismusverbandes des Fassatals hat sich die Gästestruktur insbesondere seit der Corona-Pandemie verändert. Zunehmend kommen Besucher in die Berge, die wenig oder gar keine Bergerfahrung hätten und ihren Aufenthalt auf wenige Tage beschränken.
Social Media sorgt für Boom: Krapfen-Hütte wird zum Hotspot
Soziale Medien spielen dabei eine wichtige Rolle. Food-Creator haben die Krapfen der Hütte bereits seit mehreren Jahren auf Instagram und Tiktok in Szene gesetzt. Auch die Präsentation trägt zum Erfolg bei: Auf einer großen Tafel mit Blick auf den Langkofel werden zahlreiche „Bomboloni“ präsentiert – ein Motiv, das sich für soziale Netzwerke geradezu anbietet. Der Tourismusverband versucht inzwischen, den Hype nicht noch weiter zu verstärken.
Seit zwei Sommern arbeite man nicht mehr mit Influencern und Food-Bloggern zusammen. Zusätzliche Werbung sei angesichts der hohen Nachfrage nicht nötig. Die Entwicklung wirft eine grundsätzliche Frage auf: Was passiert, wenn ein einzelnes Social-Media-Motiv einen Ort zum Besuchermagneten macht? Die Dolomiten geraten dabei fast zur Nebensache. Der Berg liefert die Kulisse, der Krapfen den Anlass.
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Die „Krapfen-Schlange“ ist zudem kein Einzelfall. Auch an anderen Hotspots der Dolomiten kommt es immer wieder zu erheblichen Menschen- und Verkehrsansammlungen. Am Passo di Giau etwa brach der Verkehr am Tag der Sonnenfinsternis zeitweise zusammen. Bereits zuvor hatte eine lange Warteschlange an einer Bushaltestelle bei den Drei Zinnen international für Diskussionen über den Massentourismus in den norditalienischen Bergen gesorgt.


